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Comic-Besprechung - Sweet Tooth 2: Gefangen

Geschichten:

Sweet Tooth 2: Gefangen (Sweet Tooth 2: In Captivity)
Autor
/ Zeichner: Jeff Lemire
Colorist: Jose Villarrubia



Story:
Gus, eines der Hybridkinder, welches eine Mischung aus Mensch und Tier ist, wurde von dem geheimnisvollen und brutalen Jepperd nicht, wie gedacht, in eine Art Reservat gebracht. Vielmehr entpuppt sich das Camp als medizinisches Forschungslabor, welches eher einem Konzentrationslager gleicht. Während Gus sich Untersuchungen unterziehen lassen muss und da mehr über sich selbst erfährt als ihm lieb sein kann, reist Jepperd ziellos umher und muss sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen. Bis er zu einem folgenschweren Entschluß kommt.

Meinung:

Der vormalige Independentzeichner und Autor Jeff Lemire mauserte sich innerhalb kürzester Zeit zu einer festen Größe bei DC. Nicht nur arbeitet er zur Zeit parallel an gleich mehreren Serien des neu gestarteten DC-Universums, sondern er hatte für die Linie Vertigo eben auch Sweet Tooth geschaffen. Und gerade bei diesem Band merkt man, glücklicherweise, noch die Independentanfänge, und so kann man sie noch genießen, bevor diese stilistischen Merkmale in der Teamherstellung bei den Helden unterzugehen drohen. Schließlich war die Trilogie Essex County (deutsch bei Edition 52) extrem gelungen und brachte beispielhafte Kombinationen von Text und Bild, die sich ergänzten, widersprachen und viel Raum zur Interpretation lieferten. Kein Wunder, dass die Serie mit Preisen gekrönt worden war.

Sweet Tooth ist im Grunde eine logische Fortsetzung. Zum einen kann Lemire noch beweisen, dass er das Storytelling wirklich beherrscht und seine erfolgreiche Serie Essex County keine Eintagsfliege war und zum anderen kann er etwas kommerzieller werden, ohne sich sonderlich verbiegen zu müssen.

Denn obwohl die Handlung, die sehr an die genretypischen Mixturen eines Endzeitszenarios erinnern, nicht unbedingt neu ist, so ist doch der zeichnerische Stil immer noch relativ expressionistisch und nicht unbedingt für das breite Publikum gedacht, welches sich gefälligere Zeichnungen wünscht.

Mad Max, Book of Eli, das gesamte Zombiegenre und im Grunde alle Endzeitfilme behandeln die Auflösung der Gesellschaft und der Zivilisation und folglich auch wie die Menschen damit umgehen. Auch hier ist das der Fall, nur dass noch der symbolische Faschismus dazu kommt. Schließlich werden die Hybridkinder, halb Kind, halb Tier, verfolgt, gejagt und getötet. Ansonsten hat man die typischen Zutaten: der einsame, harte Mann, der ganz im Sinne des Westerner und Mad Max die Landschaften durchschreitet, das unschuldige Kind, die Wissenschaftler, die eine Lösung finden wollen, Milizen, religiöse Sektierer, Banditen, etc. pp. Das sind die Grundbausteine des Genres, die auch Lemire bedient. Zunächst ist die einzige Neuerung eben die Tatsache der Hybridkinder.

Aber auf der Storylinie ist der zweite Band Gefangen sehr bewegend, spannend und voller Überraschungen. Lemire versteht es, Sensibilität und Härte zu zeigen, wobei die Charaktere durchaus vielschichtig sind. In diesem Band geht es nämlich hauptsächlich um die Vergangenheit von Jepperd und diejenige von dem Helden Gus. Gleichzeitig mit der recht dichten Psychologie kommt hier auch der stärkste Aspekt des Bandes zu Tage: die Zeichnungen.

In äußerst geschickten Parallelmontagen wird die Vergangenheit Jepperds gezeigt und wie sehr er in seiner Vergangenheit gefangen ist, weil allein diese ihn motiviert. Aber vor allem die surrealen Hypnoseszenen sind sehr stark. Zu Beginn laufen verkleinert der Arzt und Gus auf einem großen Kopf von Gus herum, kratzen aber nur an der Oberfläche. Wenn sie in tiefere psychologische Schichten und Erinnerungen eindringen, steigen sie durch das Ohr ein und betreten den Kopf. Solche Szenen sind es, die nicht nur sehr symbolträchtig sind, sondern auch gut verdeutlichen, wie sich die Figuren fühlen, denn beim Eintritt in den Kopf reisst der symbolische Gus seine Augen weit auf. Solche Szenen sind es, die es dem Leser ermöglichen, mehr über die Figuren zu erfahren, als explizit auf der Textebene erzählt wird. Man ahnt mehr und weiss mehr allein durch die Bilder und das macht den Band sehr stark. Insgesamt ist Sweet Tooth ein neuer Genreklassiker, der auf der inhaltlichen Ebene das Genre, bislang jedenfalls, nicht neu erfindet, aber ein hervorragend gestalteter Band mit expressiven Anleihen ist und Anspruch mit Unterhaltung zu vermischen weiss.



Fazit:
Spannend, bewegend und psychologisch sehr dicht, wird jeweils die Vergangenheit der beiden Hauptfiguren beleuchtet ohne die eigentliche Handlung zu vergessen. Starke Parallelmontagen und symbolträchtige Bilder verleihen dem Band eine große emotionale Tiefe und erzählen immer ein bisschen mehr als die reine Textebene. Ein neuer Genreklassiker.

Sweet Tooth 2: Gefangen - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Sweet Tooth 2: Gefangen

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 10:
3862014002

ISBN 13:
978-3862014002

148 Seiten

Positiv aufgefallen
  • starke Psychologisierung
  • kongeniale zeichnerische Umsetzung
  • expressiv und doch kommerziell
  • Spannung und Dynamik
Negativ aufgefallen
  • Genre nicht neu erfunden
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 17.10.2012
Kategorie: Sweet Tooth
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