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Comic-Besprechung - Die Odyssee

Geschichten:
La Odisea
Autor:
Pérez Navarro
Zeichner: Martin Saurí

Story:
Es waren die goldenen Zeiten in der Ägäis, die Homer in treffliche Verse fasste und so für die Nachwelt unsterblich machte. Eine Welt in der die Götter noch in das Schicksal des Menschen eingriffen und ihn ihr Wohlwollen ebenso spüren ließen, wie ihren Zorn. Letzteren lenkt der König Ithakas auf sich, der listenreiche Odysseus. Statt die Heimreise antreten zu können, wird er auf eine jahrelange Irrfahrt geschickt, die ihn mit allerlei Gefahren begegnet, aber auch mit vielen Verführungen und Genüssen. Und während er sich mit allerlei Gestalten aus Sagen und Mythen herumschlagen muss, sägen zu Hause etliche an seinem Thron und versuchen sich zum neuen Herrscher Ithakas aufzuschwingen.


Meinung:

Den Griechen war auf der Heimreise von Troja schlicht kein Glück vergönnt. Zehn Jahre Belagerung einer Stadt in der Fremde, während in der Heimat manch neuer Machthaber die Zügel in die Hand nahm. Die Götter waren vielen Heimkehrern nicht wohlgetan. Darunter auch der listenreiche Odysseus, dem Agamemnon seinen Sieg verdankte, aber auf eine jahrelange Irrfahrt geschickt wurde, gespickt mit unzähligen Gefahren. Aber auch so manchen Sinnenfreuden, das muss man der Fairness halber sagen. Von Treue hielt der wackere recke auf seiner Überfahrt nicht viel, aber wie der Trinker nach der Zecherei musste auch Odysseus irgendwann nach Ithaka zurückkehren. Das Heimweh war dann doch zu stark.

Die Geschichte an sich ist wahrscheinlich weniger Leuten bekannt, als sie sein sollte. Die Stichworte hat man aber zumeist parat und der Name ist auch weithin bekannt. Da der Rahmen also ohnehin von den klassischen Werken Homers vorgegeben ist, erfindet auch Pérez Navarro das Rad nicht neu. Dramaturgisch sollte man also keine Überraschungen erwarten. Bei Die Odyssee steht eindeutig das Graphische im Vordergrund. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Martin Saurí die treibende Kraft für das ganze Projekt war und es bereits Jahre in der Mache hatte. So man denn dem Vorwort Fernando Fernández folgt.

Diese Erkenntnis braucht beim Leser nicht lange zu reifen, sondern stellt sich bereits nach den ersten paar Seiten ein. Wahrlich prächtig, was Saurí mit Tinte auf die Seiten zaubert. Ausdrucksstarke schwarz/weiße Tuschezeichnungen, die nicht mit Details geizen, erzählen die Geschichte der Odyssee nicht neu aber dafür opulent wie selten. Auf nahezu jeder Seite kann man die Tuschestriche nachvollziehen, so dass man meinen könnte die Originalseiten in der Hand zu haben. Paolo Eleuteri Serpieri wusste auch sehr virtuos mit Pinsel und Tusche umzugehen, wer allerdings geneigt ist einen Vergleich zu ziehen, muss ans Ende des Satzes ein großes Aber setzen.

So schön die Zeichnungen Saurís auch sind und wieviel ausgeprägtes Können sie auch verraten, an die dralle Lebendigkeit Serpieris kommen sie schlicht nicht heran. Der feine Strich vermag nicht zu verbergen, dass die Kompositionen von Martin Saurí recht steif geraten sind und selbst in bewegten Szenen wenig Gefühl von Dynamik vermitteln. Es ist als betrachtete man bewusst angeordnete Figuren, statt lebendiger Personen. Es ist, als würde man die Reliefs des Parthenon auf der Akropolis (die Reliefs befinden sich übrigens umstrittenerweise im British Museum in London ... schwieriges Thema!), die zwar auch wundervoll gearbeitet sind, doch eben auch nur Bilder aus Stein gemeißelt.

Und wo man schon bei Vergleichen ist, so drängt sich einer mit Frank Millers wohl inzwischen klassisch zu nennenden 300 ebenso auf, dessen Optik dieses Thema in den letzten Jahren deutlich geprägt hat. Erst der Comic, dann der Film. Auch hier liefert Miller eindeutig die lebendigere Variante, selbst wenn auch dieser vor mancher statischen und künstlich arrangierten Szene nicht immer zurück schreckt.

Nachdem Martin Saurí aber nun Jahre bis Jahrzehnte an seiner Odyssee arbeitet und nun mal kein unbegabter Künstler ist und mit genug Erfahrung gesegnet, könnte man mutmaßen, dass er vielleicht genau diesen statuettenhaften Effekt beabsichtigte. Der kleine Skizzenteil am Ende des Bandes bringt einen leider keiner Antwort näher. Nicht umsonst wird im Vorwort jedoch akribisch auseinandergelegt, was Die Odyssee von Navarro und Maurí ausmacht: der strikte Dokumentarstil, das ausgewogene Verhältnis von Fläche und Linie, die reine Form.


Schön anzuschauen, aber nicht jedermanns Geschmack, weshalb weniger Formaffine vermutlich auf das parallel erscheinende Album der Brockhaus Literaturcomics schielen werden, welches ebenfalls die Odyssee illustriert vermittelt. Die Zeichnungen sind weniger fein und deutlich mehr auf durchschnittlichem Comicniveau, allerdings auch anders goutierbar und mit wesentlich mehr Informationen zu Homers Werk und allem Drumherum versehen. Und man kommt sogar günstiger weg.

Wer sich Die Odyssee von Navarro und Maurí zulegt, sollte sich bewusst sein, dass er vor allem ein Stück kleine Kunst erwirbt. Weniger dagegen eine klassische Heldensage, da dieser Part doch recht gerafft und verkürzt daherkommt. Auch einen Spannungsbogen im modernen Sinne sucht man eher bemüht, denn eine dramaturgische Aufarbeitung fand durch Pérez Navarro nicht wirklich statt.



Fazit:
Die Odyssee präsentiert vor allem Martin Maurís Zeichenkunst und legt dagegen weniger Wert auf eine packende Erzählung. Dafür kann man sich wirklich an den Zeichnungen ergötzen, die den alten Meistern der Antike Tribut zollen. Doch da die Vorbilder zumeist in der Bildhauerei zu suchen sind, kommen auch die Figuren und Arrangements recht steif rüber. Schöne Bilder, etwas mühsamer Lesefluss – ein Augenschmaus ohne Geschmack. Hauptsächlich für Freunde des Visuellen.



Die Odyssee - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Odyssee

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Ehapa Comic Collection

Preis:
€ 19,99

ISBN 13:
978-3-7704-3542-5

72 Seiten

Die Odyssee bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • wunderbare Tuschezeichnungen
  • eine Verbeugung vor den alten Meistern
Negativ aufgefallen
  • Zeichnungen recht statisch
  • Handlung gerafft und dramaturgisch wenig aufbereitet
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Rezension vom: 27.06.2012
Kategorie: Alben
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