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Comic-Besprechung - Packeis

Geschichten:
Packeis
Autor, Zeichner und Kolorist: Simon Schwartz

Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Vor einigen Monaten war der Südpol in aller Munde, da sich dessen Erkundung zum 100. mal jährte. Genau die Gegenseite wird nun vom Wahlhamburger Simon Schwartz einer näheren Betrachtung unterzogen. In seinem neuen Werk Packeis beschäftigt sich der Autor mit der Ersterkundung des Nordpols durch Robert Peary, Frederick Cook und der Hauptfigur des Comics Matthew Henson. Letztgenannten wurde jahrelang die Ehre aberkannt, der erste Mensch am Nordpol gewesen zu sein, bloß weil er schwarz war. In Packeis zeigt der Autor die Lebensgeschichte von Henson, begonnen bei seiner Jobsuche in jungen Jahren, über die Reisen nach Nicaragua und Grönland, bis hin zu seinem Rentnerdasein, Jahre nach der Eroberung des Nordpols.

Der Leser bekommt dadurch einen intensiven Einblick in die Figur des Matthew Hensons. Dank einer ungewohnten Art von Rückblick, bei der Schwartz die verschiedenen Szenen stellenweise miteinander verschmilzt, wird einem bewusst, wie wenig sich das Leben von Henson durch seine Forschungsreisen geändert hat. Ständig steht seine Hautfarbe im Mittelpunkt, wodurch der allgegenwärtige Rassismus damals und heute verstärkt in den Blickpunkt des Lesers gerät. Die geringe Veränderung der Lebensumstände steht ebenfalls im krassen Gegensatz zu den Veränderungen, die für Robert Peary durch die Erkundung eintreten. Somit gibt der Autor hier nicht einfach nur die Geschichte von der Eroberung des Nordpols wieder, sondern er setzt dieses Ereignis bzw. die gesamte Geschichte im politischen Kontext der damaligen Zeit. Dies regt zum Nachdenken an und ist gefüllt mit vielen tragischen Szenen, welche zuweilen auch sprachlos machen.
Dieser Comic ist somit mehr als eine Story voller Abenteuer und Wagelust. Es ist ein tiefgründiges Werk, welches die Reisen zum Nordpol zwar spannend gestaltet, aber die Gewichtung vielmehr auf die zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten legt. Dadurch entsteht eine enorme Erzähltiefe, der man sich kaum entziehen kann.

Schwartz verpasst Matthew Henson im gesamten Verlauf der Graphic Novel eine gewisse Zurückhaltung, welche sicherlich durch die vielen rassistischen Vorfälle in seinem Leben begründet ist. Dadurch nimmt er viele Beleidigungen und Widersprüche wortlos hin. Der Leser wundert sich, wie viele Erniedrigungen ein Mann aushalten kann, und erst als Hensons Frau Lucy in den späteren Jahren die Initiative ergreift und ihren Mann auffordert, doch endlich mal den Mund aufzumachen, ist ein Ventil für die Gedanken des Lesers vorhanden. Die Spannung, die sich durch diese quasi Selbstaufgabe aufbaut, wird bis zur letzten Seite aufrecht erhalten und selbst dann ist Matthew Henson immer noch ein ruhiger und besonnener Mann mit wenigen Worten.

Die Zeichnungen beeindrucken durch eine enorme Detailfülle, welche stellenweise einen regelrechten Wimmelbildcharakter annimmt. Die anfangs beschriebene parallele Darstellungen der verschiedenen Lebensabschnitte von Matthew Henson ist zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, führt aber schnell zu einem gelungenen Übergang zwischen den einzelnen Kapiteln. Dadurch wird beispielsweise der enorme Cut zwischen der Nicaragua-Reise und dem Aufbruch nach Grönland nicht so deutlich. Es ergibt sich ein geschmeidiger Lesefluss, der dem Leser kaum Möglichkeiten bietet, das Buch mal aus der Hand zu legen.
Sofort ins Auge fällt die Kolorierung des Comics. Lediglich mit einem Blauton wird diese gesteuert. Die Farbe wurde in einer Vielzahl von Nuancen verwendet, so dass keine flache Grafik vorliegt, sondern ein Layout, dass beinah bunt wirkt. Dadurch ist dem Künstler der Spagat zwischen einem reinen Schwarz/Weiß Comic und einer vollfarbigen Grafik auf ungewohnte Weise gelungen.

Den Abschluss der Ausgabe bietet neben einer Scribble-Galerie eine umfangreiche Zeittafel, welche die realen Ereignisse in kurzen Sätzen von Anfang bis zum Ende wiedergibt. Dazu werden viele Fotos von Peary, Henson und Cook gezeigt, was die eigentliche Handlung noch greifbarer gestaltet.

Packeis ist ein vielschichtiges Werk, das eine tragische Geschichte der ersten Nordpolerkundung dokumentiert. Simon Schwartz verpasst der Hauptfigur dabei eine Schwere, die den Leser sofort in ihren Bann zieht und ihn bis zum Schluss nicht mehr los lässt. Packeis ist folglich ein absolut lesenswerter Comic, welcher unter die Haut geht und zum nochmaligen Lesen geradezu animiert.

Packeis - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Packeis

Autor der Besprechung:
Christian Recklies

Verlag:
Avant Verlag

Preis:
€ 19,95

ISBN 13:
9783939080527

176 Seiten

Positiv aufgefallen
  • interessante Thematik
  • fesselnd bis zum Schluss
  • gelungene dezente Farbgebung
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(2 Stimmen)
Bewertung
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Rezension vom: 04.04.2012
Kategorie: One Shots
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