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Comic-Besprechung - Polina

Geschichten:

Polina

Autor / Zeichner: Bastien Vives



Story:
Als junges Mädchen wird Polina von ihrer Mutter zu einem Vortanzen bei der berühmten Akademie Bojinski gefahren. Obwohl das Vortanzen nicht optimal verläuft, wird Polina in der Akademie aufgenommen und schon bald dem großen Bojinski persönlich zugeteilt. Hartes Training und Einsamkeit machen dem jungen Mädchen zu Schaffen. Als sie zur weiteren Ausbildung an das Russische Theater kommt, sieht sie sich mit gänzlich anderen Ansprüchen konfrontiert und verliert sich.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Bastien Vives hat trotz seinen jungen Jahren schon ein beachtliches Oeuvre geschaffen.  Der 1984 geborene hat schon so beeindruckende Bände wie In meinen Augen, die Serie Für das Imperium und das vorzügliche Der Geschmack von Chlor geschaffen. So gut wie alle Bände von ihm wussten zu beeindrucken und so ist es geradezu auf positive Art und Weise erschreckend, dass auch Polina ein großartiger Band geworden ist.

Dabei ist die Story gar nicht so spektakulär. Insofern teilt sich der Band diese Eigenschaft etwa mit Der Geschmack von Chlor, in dem es nur um das Schwimmen an sich und eine zärtliche Annäherung zwischen zwei Personen ging. In Polina geht es um den Werdegang einer jungen Tänzerin, die zwischen verschiedenen künstlerischen Richtungen ihren eigenen Weg finden muss. Man hätte daraus ein existenzielles Drama machen können, wobei der Tanz als eine bewegungsreiche Kunst sich dem Medium Comic nicht gerade direkt aufdrängt. Aber Vives vermeidet das große Drama, sondern erzählt in leisen, eher beobachtenden Tönen von Polina und ihren Schritten. Das ist sehr zurückhaltend und drückt niemals auf die Tränendrüse etwa bei Liebeskummer, aber dennoch sehr rührend. Es geht um das Finden des eigenen Weges, das Bahnen zwischen zwischen verschiedenen Einflüssen. Also auch ein Thema, welches schwierig ist, in einem Comic umzusetzen. Für die daraus entstehenden notwendigen inneren Monologe würde sich eher ein Roman anbieten.

Aber die große Kunst des Bandes und von Vives besteht darin, dass er es schafft, alles graphisch und ohne viel Dialog zu erzählen. sein Stil und die große Stärke besteht also in der graphischen Umsetzung. Schon der Anfang ist stark. Polinas Mutter gibt ihrer Tochter auf dem Weg zum Vortanzen zwar Ratschläge, aber kaum richtige Ermutigung. Auf dem letzten Panel der ersten Seite sieht man das erste Mal Polina als kleines Mädchen, das geradezu in ihrem Mantel verschwindet und im Fond des Autos unglaublich klein und zerbrechlich wirkt. Allein mit diesem einen Bild hat Vives schon die Sympathie für die Heldin geschaffen. Vor allem versteht er es kongenial, die tiefe Einsamkeit des Künstlers, aber auch dessen Konzentration darzustellen. Bei Dialogen sind zu Beginn große räumliche Distanzen festzustellen, was für eine innere Entfernung steht. Auch die Tanzszenen finden fast ausschließlich in einem leeren Raum statt. Man sieht nur die Figur und wie sich sich bewegt. Mit dem schlichtesten graphischen Mittel ist also die tiefe Einsamkeit etwa während der Proben aufgezeigt. Umso größere Wucht entfaltet dann die Kritik der Lehrer, wenn sie nicht im Bild zu sehen sind. Durch die Sprechblasen, die ihre Kritik beinhalten, wird das Mädchen schon fast aus dem Panel gedrängt. Man sieht nur sie, der Umgang mit Hintergründen ist äußerst sparsam, und so ist die Kritik geradezu vernichtend.

Aber auch die Konzentration der Balletttänzer ist grandios gestaltet. Vives bedient sich dabei der gleichen Mittel wie bei der Einsamkeit: er stellt die Figuren allein in das Panel und zeigt nichts anderes. Nur geht er hier einen Schritt weiter: die Panelbegrenzungen verschwinden, was nicht nur eine kontinuierliche Bewegung beim
Tanzsuggeriert, sondern auch zeigt, das die Konzentration von Polina (oder anderen) so groß ist, dass die Welt um einen herum verschwindet. Durch die Panelbegrenzungen wird die Figur nicht mehr eingeschränkt und alles wird möglich in einem großen Glücksrausch.

Allein die Körpersprache vermittelt sehr viel und ersetzt den Dialog. So etwa das müde, erschöpfte morgendliche Aufstehen, in dem die Körpersprache eine gänzlich andere ist, als später beim Tanzen. Auch schafft es der fliessende Strich, die Bewegung des Tanzes gelungen dazustellen.

In einer der besten Comicszenen überhaupt, wird gegen Ende Wahrnehmung und Objektivität aufgebrochen. Polina begegnet während ihrer erfolgreichen Jahre dem Lehrer und sieht ihn, ebenso wie der Leser, immer noch so wie in ihrer Zeit in der Akademie. Ein Berg von einem Mann, ein Monolith, der Erfahrung, Strenge und Autorität ausstrahlt. Während des Dialogs in dem sie sich annähern, ändert sich die Wahrnehmung von Polina und sie sieht ihn als Mensch nun auf einmal mit grauen Haaren und verlebtem Gesicht. Und zeitgleich sieht auch der Leser so den Mann zum ersten Mal. Die subjektive, bewundernde und eingeschüchterte Sichtweise von Polina weicht der objektiven Wahrnehmung eines alten Mannes, als sie endlich ihren eigenen Weg gefunden hat. Was natürlich auch für eine Abnabelung spricht. In den folgenden Szenen wird deutlich, dass es ihrer Bewunderung aber keinen Abbruch tut und führt zu einer sehr simplen, aber sehr rührenden und vielsagenden Schlußszene.

Ganz generell ist der Band ein großartiger Wurf und eine der schönsten Graphic Novels des Jahres.



Fazit:
Großartig. Es ist erstaunlich wie sehr es Bastien Vives schafft, ein auf den ersten Blick unspektakuläres Thema graphisch so grandios umzusetzen. Er braucht nicht viele Worte, um dennoch mit hoher emotionaler Wucht erzählen zu können. Und so gelingt ihm vielleicht sogar im Finale einer der besten Comicmomente überhaupt. Mit Sicherheit ist Polina aber eine der schönsten Graphic Novels des Jahres.

Polina - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Polina

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Reprodukt

Preis:
€ 24,00

ISBN 10:
978-3941099913

ISBN 13:
978-3941099913

144 Seiten

Positiv aufgefallen
  • kongeniale graphische Umsetzung
  • Einsamkeit und Konzentration hautnah gestaltet
  • Aufhebung Wahrnehmung und Objektivität
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2
(1 Stimme)
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Rezension vom: 10.12.2011
Kategorie: One Shots
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