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Comic-Besprechung - Thor 10: Die Weltzerstörer

Geschichten:

The World Eaters, Chapter 1 - 7

Autor: Matt Fraction
Zeichner: Pasqual Ferry
Farben: Matt Hollingsworth



Story:
Die Äste des Weltenbaumes Yggdrasil schütteln sich in einem Übel, welches sämtliche Welten bedroht, die die mächtige Esche beherbergt. Durch Asgards Sprung nach Midgard ist an der Spitze des Baumes ein Vakuum entstanden, welches Uthana Thoth und sein Volk auf den Plan ruft es erneut auszufüllen. Während sich also die Völker des Weltenbaumes auf die Flucht begeben, ahnen die Asen, die Verursacher des Übels noch nichts von dem Kommenden. Zu sehr sind sie nach dem Fall ihrer Heimstatt mit sich selbst beschäftigt. Ein schwerwiegender Fehler, den plötzlich stehen die Flüchtlinge vor ihren Toren und verlangen einen Schutz, den das zerstörte Asgard ihnen nicht mehr bieten kann. Dem Gott des Donners bleibt nur übrig jemanden zu erwecken, der mächtiger ist, als er selbst.


Meinung:
Wenn Asgard nicht mehr in Asgard ist, wo ist es dann? Eine recht seltsam anmutende Frage, doch wie uns Thor 10: Die Weltzerstörer lehrt, nicht unbedingt eine unberechtigte. Oklahoma würde man nämlich tatsächlich nicht gerade als Heimstatt der Götter ansehen, bei genauerem Hinsehen wohl eher genau das Gegenteil. Besorgniserregend wird es allerdings erst, wenn man sich die zweite nahe liegende Frage stellt. Wenn Asgard nicht mehr in Asgard ist, was füllt dann diese Lücke?

Als Prämisse funktioniert die aufgezeigte Problematik in ihrer Schlichtheit sehr schön, um in die eigentliche Handlung überzuleiten. Sie würde sogar noch besser wirken, wenn Matt Fraction sie dem Leser nicht so sehr unter die Nase reiben würde oder man eine gewisse Vertrautheit des Ganzen verspüren wurde. Neustart der Thor-Serie? Dunkle Götter als Opponenten? Odin tot? Da war doch etwas? Sicher war da etwas. Nicht ganz unähnlich begann damals Dan Jurgens den Relaunch der Reihe. Ist eine Weile her (kurz nach Heroes Reborn ... ach, herrje!), weshalb man dem Plot wieder etwas Aktualität attestieren könnte. Tatsächlich erledigt sich dieser erste Eindruck von Ähnlichkeit recht schnell.

Erstaunlich unterhaltsam ist es dann, was Matt Fraction und ein Pasqual Ferry in Topform kredenzen. Ohne viel Effekthascherei haben sie einige starke Plotelemente, die zwar eine etwas tiefere Ausschöpfung vermissen lassen, aber allem genug Wucht verleihen, dass man gespannt weiterliest. Dazu finden alte Bekannte ihren Weg zurück in die Reihen der Asen, die mal mehr, mal weniger wohlwollend aufgenommen werden. Überhaupt erblickt man in diesem Band das ganze Pantheon des Weltenbaumes Yggdrasil, so dass man nahezu das Gefühl bekommt, Guillermo del Toro hätte bei den Kreaturen seine Finger im Spiel gehabt.

Doch nein, es ist Pasqual Ferry, dessen Figuren in ihrer Physis sehr gefestigt sind und trotz einer gewissen Schlichtheit oder Zentrierung auf das Wesentliche zusammen mit den teils malerischen, teils düsteren Landschaftsdarstellungen einen phantastischen Weltenentwurf liefern. Ausdrucksstark und mit der nötigen Prise Epik bringt er die Asen zum Leben ebenso wie sämtliche Völker des großen Baumes. Es macht Freude einfach bloß die Bilder zu betrachten und den heraus scheinenden Einfallsreichtum in sich aufzunehmen. Schöne Leistung von Ferry, dessen Zeichnungen zumeist ohne Tusche auskommen und die durch die sanfte, matt gehaltene Farbpalette formvollendet abgerundet werden. Der Wehmutstropfen folgt allerdings auf der Stelle.

Das Format des Bandes kommt den Zeichnungen diesmal leider ganz und gar nicht entgegen. Pasqual Ferry hat viele Kompositionen an Doppelseiten angepasst, so dass man immer über zwei Seiten lesen muss. Jetzt ist es mit der festen Bindung bedauerlicherweise so, dass zuviel von den schönen Bildern in der Falz einfach verschwindet. Eine echte Schande. Ferrys Bilder sind wahre Hingucker und verdienen jeden Blick, den sie auf sich ziehen. Das gerade ein schlichtes Detail, wie die Bindung dies dem Leser verwehrt, ist mehr als ärgerlich. Da hätte man sich Thor wieder als Heftserie gewünscht. So wie es vor Jahren (etwa elf um genau zu sein – man wird echt nicht jünger) auch bei Dan Jurgens Run der Fall war.

Das Vergnügen mit den Zeichnungen wäre lediglich halb so groß, wenn sie nicht anständig mit Charakter und Motiven ausgefüllt werden würden. Und wenn man auch von Matt Fractions Arbeit an Iron Man nicht voll überzeugt sein kann, so erweist er den nordischen Göttern den ihnen gebührenden Respekt. Wie sein Vorgänger greift er auf die nordische Mythologie zurück und vermischt sie mit moderneren Elementen, hier in Gestalt der Dunklen Götter. Oh ‚tschuldigung, Weltzerstörer natürlich. Die Asen sind nicht die übermenschlichen Göttergestalten, die man vermuten könnte, sondern ihrer Abstammung entsprechend eindeutig Krieger, die für Feinheiten und geziertes Gehabe nicht viel übrig haben. Der Griff zum Schwert oder der Axt ist schneller, als der kluge Gedanke. In diesem Sinne ist es nur passend, wenn Thor unter Fraction sehr geradlinig wirkt, teils sogar sehr stur und nicht immer mit der nötigen Abgeklärtheit umherstreift. Wie sonst erklärt sich, dass er ausgerechnet versucht Loki in den göttlichen Pantheon zurückzuholen, obwohl sich die nahende Katastrophe mit einem dem Wahnsinn anheim fallenden Heimdall bereits ankündigt.

Die Konflikte sind gut angelegt und wirken zu keinem Zeitpunkt konstruiert oder gekünstelt. Dass die Götter nicht immer ein Patentrezept für Konflikte in der Tasche haben, macht sie mehr als sympathisch. Besonders deutlich wird dies, als die Völker des Weltenbaums bei den Asen Schutz suchen wollen vor den tödlichen Weltzerstörern und die Asen sie an den Toren abweisen müssen. Denn Asgard liegt weiterhin auf einer Ebene in Oklahaoma in Trümmern, von einem Wiederaufbau wenig erkennbar. Thor 10: Die Weltzerstörer ist also weit davon entfernt die Asen als allmächtig darzustellen, was der aktuellen Geschichte und vermutlich allen weiteren nur dienlich sein wird.

Da macht es dann auch nichts, wenn das schlussendliche Finale zwar augenzwinkernd aber dennoch etwas hingebogen erscheint. Oder dass, wie schon angedeutet, die emotionale Tiefe ein ums andere Mal nicht zum tragen kommt und dies obwohl sich altvertraute Charaktere opfern müssen, um dem ersten Ansturm der Weltzerstörer entgegen zu treten. Hier hätte man mehr herausholen können.

Angesichts der göttlichen Probleme kommt die Figur des Donald Blake zu kurz. Mehr noch, scheint Thor jetzt selbst über eine zivilie Identität zu verfügen, um sich unter das sterbliche Volk zu mischen. Aus dieser Doppelstellung ergibt sich in den ersten Ausgaben der „neuen“ Serie erst einmal nichts. Da dieser Strang sicherlich nicht unergiebig ist, bleibt zu hoffen, dass sich Fraction mit diesem Aspekt in den nächsten Bänden beschäftigt. Auch hier gibt es genug Potenzial für interessante Konflikte.

Man wünscht der Serie bei ihrem Neustart wirklich alles Gute, allein schon, wenn das Kommende ähnlich gestrickt ist. Etwas Geschmäckle hinterlässt lediglich das baldigst erscheinende Fear Itself, das neue serienübergreifende Event, welches es nach Aussagen der Macher eigentlich erst einmal nicht geben sollte, wollte man doch erstmal das neue Heroic Age auskosten. Die Verlockung war dann wohl doch zu groß. Bedenklich für Thor deshalb, weil wieder Elemente aus der Serie eine entscheidende Rolle spielen werden und die Asen somit erneut im (teilweisen) Fokus stehen. Man hat ja gesehen, wie gut das mit The Siege funktioniert hat. Das Schlimmste erwarten, auf das Beste hoffen. Mehr wird den Thor-Fans erst einmal nicht übrig bleiben (diejenigen natürlich ausgenommen, die das nächste Event gar nicht mehr abwarten können ... gibt es die wirklich?).


Fazit:
Sehr schöner Start. Mit bekannten Elementen zwar, doch extrem unterhaltsam und mit viel Potential für das Künftige. Die Motive stimmen ebenso wie die Charaktere, bloß die emotionale Tiefe könnte weiter ausgelotet werden. Angenehme Lesekost mit mehr als stimmigen Zeichnungen von Pasqual Ferry. Ein Band, den man gerne sein eigen nennt.


Thor 10: Die Weltzerstörer - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Thor 10: Die Weltzerstörer

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 10:
4-197815-916957-10

172 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Charaktere mit Ecken und Kanten
  • tolle Zeichnungen von Pasqual Ferry
  • das Spiel mit Mythologie macht sich immer gut
Negativ aufgefallen
  • man vermisst emotionale Tiefe
  • Ende etwas gewollt
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Rezension vom: 05.11.2011
Kategorie: Thor
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