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Comic-Besprechung - Scarlet 1: Kinder der Revolution

Geschichten:

Scarlet 1: Kinder der Revolution

Autor: Brian Michael Bendis
Zeichner / Colorist: Alex Maleev


Story:
Scarlet ist eine junge Frau, die eines Tages mit ihrem Freund Gabriel und Bekannten auf einer öffentlichen Treppe sitzt. Als Polizisten des Weges kommen, verhaften sie Scarlets Freund, obwohl er nichts getan hat. Scarlet und Gabriel gelingt die Flucht. Allerdings wird der Freund von den Polizisten erschossen und Scarlet schwer verletzt. In den Medien wird Gabriel als Drogenhändler dargestellt. Was schlicht gelogen ist. Voller Zorn und Rachegefühle beginnt Scarlet nach ihrer Genesung den verantwortlichen Polizisten zu beschatten und stellt fest, das er korrupt ist. Nachdem sie weitere Informationen und ihre Rache bekommen hat, nimmt sie sich vor, die bestehenden Verhältnisse anzuprangern und tritt so eine gesellschaftliche Revolte los. Doch wie wird das Establishment reagieren?



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Was für ein Einstieg. Von dem ersten Bild an nimmt dieser Band einen gefangen und nichts ist so wie es erst scheint. Und das ist symptomatisch für die Aussage des gesamten Bandes: er ist eine einzige Aufforderung hinter die Kulissen zu sehen. Die Augen gegenüber der Korruption, der Ungerechtigkeit und des Fatalimus und der Resignation nicht mehr zu verschließen. Ganz im Gegenteil: der Band fordert zum Handeln auf. Damit ist er für eine US-Ausgabe relativ ungewöhnlich, da zwar oft in populären Medien Mißstände geschildert werden, aber selten zum offenen Handeln aufgerufen wird. Somit ist Scarlet der richtige Band zu einer Zeit, in der nicht nur in der arabischen Welt die Menschen auf die Strasse gehen, sondern auch in den USA und in Europa und etwa in Chile und in Israel. Die "Occupy Wall Street"-Bewegung sei hier als Beispiel gegeben. Ebenso wie es in der Realität immer mehr Menschen gibt, die laut sagen "Es ist genug", so auch in diesem Band. Ganz im Sinne des Traktates "Empört Euch!" von Stephane Hessel ruft Scarlet zum Widerstand auf. Oder besser: zum Erwachen. Das man nicht mehr alles hinnimmt.

Natürlich gibt es da einige kontroverse Stellen. Ist der Band etwa eine Aufforderung zum Polizistenmord und zur Gewalt? Das kann man nicht unbedingt sagen, auch wenn Unschuldige hier nicht Opfer werden. Vielmehr sind hier zwei Aspekte festzuhalten. Zum einen muss Brian Michael Bendis ja eine unterhaltsame Geschichte erzählen, die eben auch Action benötigt und zum anderen regen die gewalttätigen Szenen eben noch mehr zum Reflektieren an. Sonst würden sie ja auch hier in der Besprechung nicht thematisiert werden. Eine kontroverse Zutat ermöglicht eine Diskussion und eine reine Empörung im Comicformat ohne eine unterhaltsame Beimischung, die eine emotionale Verstrickung des Lesers ermöglicht,  wäre auf Dauer etwas langweilig.

Der Blick hinter die Kulissen der Gegenwart geschieht schon, wie bereits erwähnt, ganz am Anfang, indem das offensichtliche vom Leser zu vorschnell beurteilt wird. Ganz im Sinne des Verfremdungseffektes von Bertolt Brecht, der die Tradition der Guckkastenbühne, das passive Konsumieren der Zuschauer der Theaterhandlung, mit der direkten Ansprache des Publikums aufbrach, wird auch der Leser des Comcis direkt von den Figuren angesprochen. Das wird verbunden mit einer Aufforderung, den reinen, passiven Konsum hinter sich zu lassen. So lässt Bendis seine Scarlet sagen, dass es ihr leid tue, den Leser direkt anzusprechen: "Ich weiss, dass du nach ein bisschen Zerstreuung suchst, zur Ablenkung. Ich weiss, dass du unterbewusst gehofft hast, einfach zuschauen zu können, ohne dass du wirklich mit reingezogen wirst". Aber eben das will sie nicht, denn sie fordert nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Beteiligung. Geschickterweise geschieht die Beteiligung durch die emotionale Teilnahme des Lesers. Brian Michael Bendis macht es dem Leser nicht zu einfach, denn nicht nur Scarlets Sichtweise kommt zum tragen, auch andere Figuren sprechen den Leser direkt an, treten quasi für einige Momente aus der Handlung heraus. Die Gegner von Scarlet kommen auch zu Wort und so wird eine vereinfachende, eindimensionale Sichtweise vermieden. Was ganz zum Diskurs passt. Das ist ungewohnt und mag manche stören, was ja eben der gewünschte Effekt ist, aber passend zum Thema. Leider geschieht es dadurch auch, dass der Band recht geschwätzig ausfällt.

Generell ist aber die Eskalationsschraube sehr gut gedreht und durchaus glaubwürdig. Scarlet ist kein Schurke, kein Superheld und hat auch keine besonderen Gaben. Sie ist einfach ein Mensch wie jeder andere. Nur das sie die Nase voll hat. Bendis und sein Zeichner Alex Maleev, die zusammen ja auch lange Strecken für Daredevil gestaltet haben, liefern einige gute Ideen. Geschickt etwa ist das rote Haar der Protagonistin, die hervorsticht gegenüber den meistenteils in grau, blau und braun gehaltenen Farbtönen, welche eine düstere Noir-Stimmung erschaffen. Die roten Haare stehen natürlich für den Zorn der jungen Frau, heben sie aber auch wie eine Flamme hervor und lassen die Freiheit, die Veränderung lodern. Auch graphisch gibt es Verfremdungseffekte. So wird die gängige Panelstruktur manchmal aufgebrochen und linear über zwei Seiten, anstatt auf einer, angeordnet. Auch persönliche Entwicklungen werden verfremdet, indem in wenigen Panels im Zeitraffer die Geschichte persönlicher Beziehungen dargestellt wird. Das ergibt ein hohes Tempo und Spannung. Man kann mehr
als gespannt sein, wie es weitergehen wird. Und ob das Thema bei den korrupten Polizisten stehen bleiben wird. Da das erste Heft der Originalserie (das deutsche Paperback beinhaltet die ersten fünf Hefte) im Juli 2010 erschien, kann man davon ausgehen (und wünscht es sich), dass auch die Finanzkrise zur Sprache kommen wird.



Fazit:
Der richtige Comic zur richtigen Zeit. Weltweit gehen die Menschen auf die Strasse, um gegen die bestehenden Ungerechtigkeiten und Verhältnisse zu protestieren. Scarlet ist ein Band, der dazu aufruft, hinter die Kulissen zu blicken und sich aktiv zu wehren. Dabei werden weder eine spannende Story noch gute Zeichnungen vergessen. Durch Verfremdungseffekte, die den Leser direkt ansprechen, gerät der Band etwas leicht geschwätzig, liefert aber auch die unterschiedlichsten Perspektiven zu manchen kontroversen Passagen. Aber letztere provozieren wieder eine Diskussion, welche das Thema unterstützt. Hervorragend.

Scarlet 1: Kinder der Revolution - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Scarlet 1: Kinder der Revolution

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 13:
9783862012374

164 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Verfremdungseffekte
  • kontroverse Aspekte
  • Reflektionen
  • Spannung, Dramatik, Intelligenz
  • politische Aktualität
Negativ aufgefallen
  • bisweilen recht geschwätzig
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 05.11.2011
Kategorie: Scarlet
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