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Comic-Besprechung - Thor Paperback 2: Vater und Sohn

Geschichten:

US-Thor 7 - 12

Autor: J. Michael Straczynski
Zeichner: Marko Djurdjevic, Olivier Coipel
Tuscher: Danny Miki, Crimelab Studios, Mark Morales, John Dell, Allen Martinez, Victor Olazaba, Andy Lanning
Farben: Jelena Kevic-Djurdjevic, Laura Martin, Paul Mounts


Story:

Als Thor Asgard neu aufbaute und so die Asen nach den Ereignissen von Ragnarök ins Leben zurückholte, tat er dies nicht für seinen eigenen Vater Odin, da er vermeinte er könne lediglich die während des Götterendes verstorbenen zurückholen. Dagegen nicht diejenigen, die bereits davor den Tod fanden. Im Odinschlaf, der jetzt ein Teil des Donnergottes ist, wird er eines besseren belehrt. Er sieht seinen Vater, wie dieser immer wieder gegen Surtur kämpft, damit dieser nicht wieder ins Reich der Lebenden zurückkehren kann. Jeden Tag kämpfen der Göttervater und der Dämon, jeden Tag sterben beide im Kampf und an jedem Morgen kehren sie erneut ins Leben zurück. Ein ewiger Kreislauf von Tod und Wiedergeburt. Kann Thor seinem Vater helfen? Und will er es überhaupt?

Unterdessen geht das Leben in Asgard seine neuen/alten Bahnen. ImGegensatz zu Odin haben sie ihren Kreislauf schon längst hinter sich gelassen und finden sich jetzt auf der Suche nach neuen Zielen. Aber wie füllt man ein Leben, dessen Sinn einem abhanden gekommen ist. Eine Frage, die sich auch Balder stellt und der er versucht mit Loki auf den Grund zu gehen. Vielleicht nicht die beste Wahl, aber sehr schnell muss Balder erkennen, dass es nicht Loki ist, der ihm Dinge vorenthält und ihn über wesentliche Dinge im Unklaren lässt. Als er vom Gott der List erfährt, dass er selbst ein Sohn Odins ist, stellt er Thor zur Rede und plötzlich besitzt auch er einen Anspruch auf den Thron, den bisher der Donnergott für sich beansprucht hat.




Meinung:

Hätte man Straczynski wirklich zugetraut den Marvel-Helden Thor zu neuen Höhen zu führen? Nun gut, er war der Autor von Babylon 5, einer viel gepriesenen Fernsehserie, hatte sich mit Midnight Nation und Rising Stars auch im Comic-Bereich erstes Lob eingefangen und diese Erfahrungen mit Spider-Man und Supreme Power weiter ausgebaut. Nachdem es einige Querelen mit kreativen Entscheidungen beim Wandkrabbler gab, wurde Straczynski auf den zu dem Zeitpunkt nicht unbedingt erfolgreichen Thor angesetzt. Abstellgleis oder die große Chance, um Thor zu revitalisieren? Egal, was die entscheidenden Macher bei Marvel dachten, der Autor wählte den letzteren Weg und gab Thor einen mächtigen Anstoß, ohne den wahrscheinlich weder seine aktuelle Popularität, noch unter Umständen der gerade in die Kinos kommende Film in dieser Form möglich gewesen wären.

Es wird gerade diese unsichere Grundkonstellation gewesen sein, die es ermöglichte den Gott des Donners ganz neu zu denken. Straczynski stellt die Asen tatsächlich vor ganz neue, auf den ersten Blick teilweise sogar provinziell anmutende Herausforderungen. Im zweiten Paperback wird nun auf diesen Entwicklungen aufgebaut, die auch für Thor neue Gewohnheiten erfordern. Odin ist fort und an seiner statt herrscht nun der Donnergott. Mit der Herrschaft kamen auch die Kräfte des Königs der Asen und fortan muss Thor in den Odinschlaf übergehen, um seine Kräfte zu regenerieren. Seine neue Bettstatt weckt Erinnerungen an Dracula, der des Nachts in seinen Sarg zurückkehrt. Er ist zugleich tot und nicht-tot und trifft in dieser Zwischenwelt ausgerechnet denjenigen, von dem er immer behauptete, er könne ihn nicht wie die anderen Asen ins Leben zurückholen. Die Rede ist von Odin selbst.

Aus dieser Konfrontation entspinnt sich für Thor die unangenehme Frage: Wollte er seinen Vater vielleicht nicht wieder nach Asgard holen? „Götter und Menschen haben eines gemein. Um zu werden, was sie sind müssen sie ihre Väter töten“. Initiation und Erwachsenwerden durch Überkommen des Althergebrachten auf nordische, wörtlich genommen Art. Ein Kreislauf, den auch Odin selbst durchlaufen musste, wie man im Laufe der Geschichte feststellt und der zum Ende des Bandes eine ganz eigene und vor allem neue Deutung erhält. Denn selbst jenes, was festgefügt scheint in den Erinnerungen und Legenden der Götter, stellt sich zum Schluss nicht so dar, wie es scheint. Nach dem kurzen Vater-Sohn-Treffen widmet sich die Geschichte wieder Asgard und seinen Bewohnern, die mit sich selbst nicht soviel anzufangen wissen. Alles ist verändert und doch scheint auch alles gleich geblieben zu sein. Die Asen befinden sich in einer klassischen Identitätskrise und wie sich immer mehr eins auf dem anderen aufbaut und seine Konsequenzen zeitigt, dass geht schon wirklich runter wie Öl.

Man merkt, dass die Geschichten aus einem ganz anderen Guss sind, als die üblichen Marvel-Comics, die sich in dieser Zeit vor großen Events kaum retten konnten. Der Comic nimmt sich sehr viel Zeit seine Handlung zu entwickeln und baut sie Stück für Stück auf. Man sollte es bei einer episch angelegten Saga nicht anders erwarten und es ist genau das, was man präsentiert bekommt. Es würde allerdings nur halb soviel Vergnügen machen, wenn man nur die staatstragenden und himmelhohen Töne vernehmen würde. Was dann passieren kann, macht Volstagg eindrucksvoll vor, als er zur Feier von Balders Aufstieg in die odin’sche Familie sein Horn bläst und auf Midgard die Omas durch die Druckwelle durcheinander purzeln. Nur epische Göttersage wäre zuviel des Guten und würde den Leser im schlechtesten Falle durch Langeweile erschlagen. Doch davor wird man durch die vielen Zwischentöne bewahrt, die zum einen die Dynamik zwischen den Charakteren ausleuchten, zum anderen aus dem Zusammenprall zwischen Götter – und Menschenwelt bestehen.

Gerade dieses einerseits/andererseits macht den Charme von Thor aus. Man spürt als Leser, dass man eine große Geschichte vor sich hat, die Zeit und Raum überspannt und Fragen aufgreift, die nicht nur Götter angehen. Schicksal, Bestimmung, Freiheit und freier Wille. Um dann auf der anderen Seite auch Zeuge der kleinen Dinge zu sein, die für die göttlichen Asen im Umgang mit ihren neuen Nachbarn in Oklahoma Probleme ganz eigener Art aufwerfen, oder die sich ausführlicher mit den Sorgen der Asen in einer Zeit nach Ragnarök beschäftigen. Was macht ein Gott, wenn er seine Bestimmung bereits erfüllt hat? Außer Thor und eventuell Kelda und Loki scheinen die anderen Götter recht ratlos zu sein angesichts dieser Frage und vertrödeln die Zeit mit Kämpfen untereinander, denn ein Feind von außen ist erst mal nicht in Sicht. Und wenn man sich dann mal auf die Suche nach einem begibt, kann das schnell in einer tristen Polizeistation enden. Die Erfahrung müssen Balder und Loki machen, nachdem sie vor den Augen einer Familie einen Eisriesen töten. Allerdings ist sich auch die irdische Gewalt nicht ganz sicher, wie sie mit derartigen Vorfällen umgehen soll.

Die einzelnen Handlungselemente sind gut abgestimmt und erfüllen alle ihren Zweck, auch wenn dieser im ersten Moment nicht offenkundig ist. Der Comic hat wenig überflüssiges Fett, um es einmal bildlich auszudrücken. Anrührend sind die Szenen in denen der irdische Bill versucht der göttlichen und wunderschönen (danke Olivier Coipel) Kelda den Hof zu machen. Beunruhigend die Ränke, die Loki trotz seiner Wandlung zu spinnen scheint und die zum Ende hin eine clever umgesetzte (vorläufige) Auflösung bewirken. Straczynski nutzt die Thematik der Zeitreise ebenso logisch konsequent und durchdacht, wie es beispielsweise der Franzose Bajram in seinem SF-Epos Universal War One umsetzte. Es ist schön zu sehen, wie die Geschichte durch Rückbezüge immer mehr an Dichte gewinnt und wie gut manche Rädchen anfangen zu greifen, wenn man als Leser beginnt die Hintergründe zu durchschauen.

Was sie dann noch an Tiefe gewinnen lässt, ist die Einbindung des aktuellen Geschehens in einen mythologischen Hintergrund, der durch Rückblenden in die Vergangenheit an Bedeutung gewinnt. So sind auch die Götter trotz aller Neuanfänge weiterhin ihrem Erbe verpflichtet, welches seine Fühler bis in die Gegenwart hinein erstreckt. Zum Geringsten zählt dazu die Enthüllung, dass Balder ebenfalls ein Sohn Odins ist und damit Anspruch auf dessen Thron besitzt. Auf dem es sich jedoch gerade erst Thor bequem gemacht hat. So entstehen neue Verwicklungen, gegenläufige Konstellationen und Wegzeiger für die Zukunft, seien sie nun gut oder schlecht für das Herrscherhaus Asgards. Das Lesevergnügen scheint also erstmal garantiert.

Ebenso wie Thor braucht auch ein Autor tapfere Gefährten, denen es obliegt die gedanklichen Luftschlösser in fassbare Bilder zu packen. Marko Djurdjevic und Olivier Coipel sind da sicherlich nicht die schlechteste Begleitung. Beide leisten hervorragende Arbeit, auch wenn man geneigt ist Olivier Coipel mehr Respekt zu zollen. Seine Art Thor und dessen Welt in Szene zu setzen, eröffnet der Serie ganz neue Räume. Sein Asgard fühlt sich tatsächlich wie der Hort der Götter an, in dem all die Wunder und Legenden möglich sind, die man den nordischen Sagen entnehmen kann. Djurdjevics Stil greift im Gegensatz dazu manchmal nicht hoch genug und vermag es nicht das göttliche Grandeur in entsprechende Bilder zu übersetzen. Seine Zeichnungen wirken im Vergleich zu denen Coipels schon fast beengt und weisen mehr nach unten, denn nach oben. Doch auch wenn Asgard inzwischen geerdet ist, kann der Blick nicht anders als bis zum Himmel und darüber hinausgehen.




Fazit:

Für alle, die entgegen all der positiven Kritiken von der aktuellen Thor-Verfilmung eher enttäuscht sind, bietet sich mit dem Thor Paperback 2 ein Balsam, um die dramaturgischen Wunden zu lecken. Sollte es jemals eine Gesamtausgabe des ganzen Straczynski-Runs geben, wäre das ein sofortiger Klassiker. So hat man zumindest ein kleines Stück vom großartigen Kuchen.





Thor Paperback 2: Vater und Sohn - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Thor Paperback 2: Vater und Sohn

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 14,95

ISBN 13:
978-3-86201-159-9

148 Seiten

Positiv aufgefallen
  • grandiose Geschichte von JMS
  • fantastische Zeichnungen
  • ... muss man da wirklich mehr hinzufügen?
Negativ aufgefallen
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Rezension vom: 19.05.2011
Kategorie: Thor
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