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Comic-Besprechung - Iron Man 7: Stark Resilient

Geschichten:

Stark Resilient, Teil 1 und 2
Autor:
Matt Fraction; Zeichner: Salvador Larocca; Farben: Frank D’Armata

Mandarin: Die Geschichte meines Lebens
Autor:
Matt Fraction; Zeichner: Carmine di Giandomenico; Farben: Matt Wilson





Story:
Stark muss sein Leben neu ordnen, wozu auch der Wiederaufbau beziehungsweise Neuaufbau seiner Firma gehört: Stark Resilient. Nach den Erfahrungen der vergangenen Zeit, die Tony vor allem aus den Zeitungen erfährt, möchte er die von ihm entwickelte Repulsor- und Iron Man-Technik für friedliche Zwecke nutzbar machen. Nicht alle sind von dieser Entwicklung begeistert, allen voran die Militärs. Andere wiederum stehen plötzlich wieder Geschäftsfelder offen, die Stark Industries bisher uneingeschränkt dominierte. So versucht Hammer Industries in die entstandene Bresche zu springen, koste es, was es wolle.

Ab der zweiten Hälfte übernimmt der Mandarin, Iron Mans Erzfeind, das Ruder. Um seine Lebensgeschichte würdig und angemessen zu verfilmen, kidnappt er den berühmten Regisseur Jun Shan. Als dieser jedoch die ihm aufgetischte Biographie zu hinterfragen beginnt, begibt er sich auf dünnes Eis. Der Mandarin sieht sein Leben nicht gerne in den Dreck gezogen und jeder der es anders sieht läuft Gefahr in einem Leichensack zu enden.


Meinung:
Der Aufbruch Iron Mans in die Helden-Ära gerät für Iron Man zu einem Fehlstart. Dabei sah alles zu Beginn ganz gut aus. Matt Fraction hat ein gutes Gefühl für den Charakter Tony Stark und geht seine Geschichte in einem interessanten Winkel an. Insbesondere, weil der Tony aus dem aktuellen Iron Man eigentlich ein Relikt alter Zeiten ist. Das Back-Up, welches er von seinem Verstand machte und welches ihm ermöglichte sich mühevoll in Iron Man 5 wieder in die reale Welt vorzukämpfen, ist nicht das aktuellste. Ein Umstand den er immer wieder zu verbergen sucht und der dazu führt sein ganzes bisheriges Selbst zu hinterfragen. Getreu dem Motto, wenn du alle Schritte zurückverfolgst, die dich an diesen Punkt gebracht haben, kannst du dann sagen, dass es dein Leben wirklich besser oder nicht eher doch schlechter gemacht hat. Tony ist Opfer seiner Selbst, seiner Arroganz und Selbstgefälligkeit. Nicht anders erklärt es sich, warum er niemals die Notwendigkeit sah, sein Back-Up zu aktualisieren. Eine Frage, die er sich auch von Reed Richards gefallen lassen muss. Und wieder muss Stark erkennen, dass sein verlorenes Selbst für ihn zu jemand Fremden geworden ist.

All diese Punkte spielt Matt Fraction gut aus, auch wenn man manche Erklärungen zu Tonys Status Quo nicht immer nachvollziehen kann. Ihn als Mensch zu bezeichnen kann schon erste Zweifel hervorrufen, denn niemals zuvor waren Iron Man und Tony Sark, Mensch und Maschine so sehr eine Einheit. Er braucht nicht einmal mehr seine Rüstung anzulegen, sondern sie ist ein Teil von ihm selbst geworden und erscheint bei Bedarf, ähnlich wie Venoms symbiotisches Kostüm. Doch was bedeutet diese Symbiose für Stark. Ist wirklich alles eitel Sonnenschein? Selbst wenn einem dieser neue Modus operandi nicht zusagt (die Rüstung ist jetzt mehr Kostüm, anstatt Hardware) drängen sich solche Fragen durchaus auf. Derlei steht in Iron Man 7: Stark Resilient allerdings aktuell nicht im Mittelpunkt, sondern Tony Starks Aufbau einer neuen Firma, nachdem seine alte, Starks Industries, pleite ist und so gut wie nicht mehr existiert.

Während Tony also an seiner neuen, friedlichen Ausrichtung arbeitet, versucht Hammer Industries genau in die von ihm hinterlassene Lücke vorzustoßen. Was zwar als Konsequenz nahe liegt, sich  dann jedoch schnell das Gefühl einstellt, immer wieder dieselbe Geschichte vorgesetzt zu bekommen. Alle wollen Starks Technik, Diktatoren, Autokraten, Terroristen, aber Stark will aus dem Militärgeschäft raus, dafür wollen andere mit ähnlicher Technik rauf. Tony Starks Iron Man-Technik scheint dabei das Ei des Kolumbus zu sein, um das sich alle derart reißen, dass man meinen könnte ihnen wäre das Himmelreich versprochen worden. Bei längerem Nachdenken fragt man sich dann verwundert, gibt es nicht wesentlich bessere, fantastischere, im Zweifel auch zerstörerische und vor allem bereits existierende Technologie im Marvel-Universum, als diejenige von Iron Man? Wahrscheinlich hat allein Reed Richards Bedrohlicheres im Arsenal, oder Dr. Doom. Warum also liegt auf einmal das Primat so sehr auf der Repulsor-oder-was-auch-immer-Technik? Und warum so einseitig? Glaubt man dem Comic, was die Technik alles für die Welt vermag, kann man sich bald mit Repulsortechnik die Zähne putzen, oder mit ihr Nägel in Bretter bekommen, sie im Kaffee auflösen oder sie sich einfach in die Haare schmieren. Tony Stark hat doch nicht die Weltformel erfunden und selbst mit der ist noch nichts gelöst.

Was die Geschichte aber absolut gegen die Wand fährt ist die Qualität von Salvador Laroccas Zeichnungen. Wie man seinen eigenen Stil derart verhunzen kann, bleibt wohl ein Geheimnis des Zeichners. Alles was vorher schon zu kritteln war, hat er anscheinend in Iron Man 7 zum Schlechten hin perfektioniert. Es ist eine Sache, wenn man bemüht ist seine Zeichnungen möglichst realistisch zu gestalten. Aber es ist etwas ganz anderes, wenn man anscheinend Vorlagen von Fotos krampfhaft versucht in die Panels einzufügen und dafür sogar bereit ist Grundregeln über Perspektive oder Proportionen über Bord zu werfen. Zu Beginn ist man vielleicht noch geneigt Fehler zu verschmerzen, aber nach der vierten oder fünften Unstimmigkeit gerät es fast zum paranoiden Spiel nach gerade eben diesen Fehlern zu suchen. Erschreckend ist, wie fündig man wird.

Auf Schritt und Tritt begegnen einem Wasserköpfe, unnatürliche Verlängerungen von Unterarmen und Hälsen, seltsame Winkel in den Körperhaltungen, perspektivische Unmöglichkeiten, inkonsistente Charakterdarstellungen, rotzfreche Mehrfachverwendungen von Bildern, ganzen Panels und halben Seiten, grobe In-Bild-Vergrößerungen statt variierter Zeichnungen, offensichtliche Logikfehler, und und und. Sich bei diesem Wust an lieblosem Artwork und dem damit verbundenen Ins-Gesicht-Spucken des Lesers nicht aufzuregen, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Am Ende bleibt die realistische Herangehensweise bloße Augenwischerei, die für Laroccas Stil einen erheblichen Schritt zurück bedeutet, von den Nachteilen für das Lesevergnügen einmal ganz abgesehen. Die eigene Steuererklärung zu betrachten hat wahrlich mehr Vergnügen bereitet.

Man ist deshalb froh und atmet erstmal auf, wenn die erste Etappe namens Stark: Resilient vorüber ist. Der Kontrast zur zweiten Hälfte könnte zeichnerisch nicht größer sein und führt in für Larocca beschämender Weise vor, wie lebendige und dynamische Zeichnungen aussehen können. Und dies sogar dann, wenn die Geschichte von einem Filmdreh handelt, bei dem der Mandarin, einer von Iron Mans Erzgegnern, seine Lebensgeschichte verfilmen möchte. Carmine di Giandomenico (was allein für ein Name) macht im letzten umfangreichen Kapitel, welches den Inhalt des Invincible Iron Man Annual wiedergibt, all das richtig, was sein Vorgänger vermasselte.

Was alte Fans dagegen die Tränen in die Augen treiben wird, ist Matt Fractions neue Herkunftsgeschichte für den Mandarin. Von Truppen des ringbewehrten Bösewichts gekidnappt, muss der berühmte Regisseur Jun Shan das Leben des Mandarins in Szene setzen. Dieser ist relativ unnachgiebig, was die korrekte, pompöse und selbstbeweihräuchernde Umsetzung angeht und setzt seinen Willen mit brutaler Gewalt um. So weit, so gut und so amüsant den Bösewicht in egozentrischer Rage zu sehen. So schlecht, sobald der Regisseur anfängt die ihm aufgetischte Geschichte zu hinterfragen und alles, was den Mandarin ausmachte, den Bach hinunter zu gehen beginnt.

Was bisher die offizielle Origin war, ist jetzt lediglich eine Geschichte, die der Mandarin zur eigenen Selbstüberhöhung erfunden hat. Statt ein direkter Nachfahre Dschingis Khans zu sein, enthüllen die Nachforschungen Jun Shans, dass der Mandarin eigentlich in einem Bordell auf die Welt kam und seine Mutter eine Prostituierte ist. Nicht in Internaten verbrachte er seine Jugend, sondern in Bordellen und auch alles weitere, was bisher offiziell den Mandarin ausmachte, wird, um es auf den Punkt zu bringen, mit Füßen getreten. Aus dem noblen Chinesen, den noch eine gewisse distinguierte Würde umgab, wird so lediglich ein erwachsenes, verzogenes Gör, welches in Rage gerät und Leute umbringt, wenn es nicht seinen Willen bekommt.

Das damit jegliche Faszination des Charakters flöten geht, scheint Matt Fraction nicht zu stören. Dafür versucht er noch in offensichtlich konstruierter und bemühter Weise Tony Starks Erlebnisse in Afghanistan (jetzt entsprechend der Kinoversion) und dessen Konstruktion der allerersten Iron Man-Rüstung, mit der Lebensgeschichte des Mandarins zu kreuzen. Plötzlich, so erfährt der Leser, kommt heraus, dass der Mandarin ebenfalls zu jener Zeit in genau dem gleichen Lager war und Zeuge wurde, wie Tony Stark dank seiner Erfindung entkommen konnte. Man fragt sich jetzt beinahe, welche weiteren Enthüllungen über just dieses Ereignis noch zu erwarten sind. War Captain America vielleicht auch an dem Tag zugegen? Gefangen im Kühlschrank? Oder Galaktus? Roger Rabbit?

Warum in aller Welt füllt sich Fraction so bemüßigt den Kinofilmen derart den Arsch hinzuhalten? Reicht es nicht, wenn die Serie Iron Man inzwischen in seinem eigenen Kosmos schwebt, der vom übrigen Marvel-Universum nahezu losgelöst erscheint? So ein Schritt wäre doch gar nicht nötig, da Fraction die Handlung durchaus mit augenzwinkerndem Humor und guten Charakterisierungen voranbringt und sie dabei auch noch äußerst einsteigerfreundlich gestaltet. Sobald es aber um den großen Rahmen, um die eigentlichen Handlungsbögen geht, beweist er kein geschicktes Händchen. Dazu dann noch die ungenügenden Zeichnungen und schon besteht die Gefahr, dass sich der Iron Man-Comic zu einem absoluten No-Go entwickelt. Eine Aussicht, die ihm wahrlich nicht zu wünschen wäre.


Fazit:

Tony Stark startet neu durch. Während die Charaktere und die Dinge zwischen den Zeilen stimmig sind, wirkt der aktuelle Handlungsbogen schon sehr durchgekaut und abgeschmackt. Den Genickbruch für den Comic stellen aber die ungenügenden und langweiligen Zeichnungen dar. Diesen Part macht die zweite Hälfte besser, auch wenn alte Freunde von Iron Man manche Neuinterpretation befremdlich finden werden. So nicht, Mister Fraction.




Iron Man 7: Stark Resilient - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Iron Man 7: Stark Resilient

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 10:
4-197977-416951-07

140 Seiten

Iron Man 7: Stark Resilient bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • interessante Charakterisierungen
  • augenzwinkernder Humor
  • Zeichnungen von Di Giandomenico
Negativ aufgefallen
  • ausgelutschte Handlung
  • Anbiederung an Kinofilme
  • ungenügende Zeichnungen von Larocca
  • Origin des Mandarin wird von innen nach außen gestülpt
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Rezension vom: 17.04.2011
Kategorie: Iron Man
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