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Comic-Besprechung - Justifiers - Collector 1: Die Obhut

Geschichten:

Justifiers – Collector Band 1: Die Obhut

Autor: Markus Heitz, Jörg Krismann
Zeichner: Hannes Radke




Story:

„Schützenswerte, bedrohte Rasse Mensch! Ihr Planet wurde für das Obhut-Programm ausgesucht.“ Klingt beim ersten Hören gar nicht mal so schlecht, doch versetzt diese Botschaft ganze Planetensysteme in Angst und Schrecken. Die Collector nehmen eine Welt nach der anderen in ihre Obhut, was für die Bewohner bedeutet, sie dürfen ihren eigenen Planeten nicht mehr verlassen. Was auf den übernommenen Welten dann geschieht vermag keiner zu sagen. Doch ein Mensch weiß vielleicht mehr über die Motive der Collector. Sein Name ist Anatol Lyssander und er hat vor 25 Jahren als erster Mensch Kontakt zu dieser außerirdischen Rasse aufgenommen.

Die Motive der Collector sind nicht die einzigen, die in diesem Kosmos im Dunkeln bleiben. Kris Schmidt-Kneen ist eigentlich Fahrer eines Antigravtruck, doch der Transport einer ganz bestimmten Ware verstrickt ihn plötzlich in die Geplänkel von im gesamten Weltraum agierender Konzerne. Oder was erwartet Faye Durrick, die nach einem geplatzten Drogengeschäft auf einmal vor der Wahl steht, entweder hingerichtet zu werden oder Teil einer Spezialeinheit namens Justifiers zu werden? Und was ist mit Deaconess Theresa, die auf einem von den Collector übernommenen Planeten versucht Widerstand zu leisten und plötzlich auf einen alten Bekannten aus ihrer Vergangenheit stößt: Anatol Lyssander?



Meinung:

Man sieht den schmucken schwarzen Band im Regal stehen. Vermutlich im Regal eines Buchladens, denn Justifiers-Collector Band 1: Die Obhut geriert sich zum einen als Graphic Novel, obwohl es in jeder Hinsicht ein waschechter Comic ist. Zum anderen steht Markus Heitz drauf, der durch seine Fantasy-Romane schon als nächster Hohlbein gehandelt wird und jetzt erneut im Science Fiction-Genre herumwildert, auch wenn der Verlag des Romans (Heyne) als auch der des Comic (Knaur) das SF-Siegel meidet, wie der Teufel das Weihwasser. Oder muss man das jetzt schon Stigma nennen? Jedenfalls ist der Roman eine Space Fiction, und der Comic, Entschuldigung ... die Graphic Novel wird als phantastische Unterhaltung gepriesen.

Trotz allem, oder gerade deswegen greift man sich den Band vom Regal und hält plötzlich einen Moment inne. Was weiß man eigentlich vom Justifiers/Collector-Universum? Eine berechtigte Frage, die man sich vor dem Aufschlagen des Bandes wirklich stellen sollte, denn ohne Vorwissen geht es schwer voran. Was, Wer, Wieso, Warum? Lediglich ein Teil dieser Fragen wird beantwortet, vieles wird vorausgesetzt und dann geht es gleich in die Vollen. Zwar bedient sich Heitz bekannter SciFi-Topoi, trotzdem kommt man nicht immer mit und Fragen an den Text bleiben unbeantwortet. Warum wird ausgerechnet auf der Erde nach außerirdischen Artefakten gegraben? Welcher Art genau sind die Fähigkeiten von Anatol Lyssander? Welche Bedeutung hat die Church of Stars? Und so weiter.

Wirklich nachvollziehen kann man den Comic am besten mit der vorherigen Lektüre des Romans Collector, was aber eine Art Verdoppelungseffekt zur Folge hat. Denn der Comic erzählt wiederum die Geschichte des Romans nach (warum nicht einfach eine andere Geschichte aus dem Justifiers-Kosmos erzählt wurde, bleibt ein Mysterium der Macher). Die erste Szene und das folgende Zwischenspiel der literarischen Vorlage wurden zwar in die chronologisch richtige Reihenfolge gebracht, entsprechen aber sonst weitestgehend den Vorgaben des Romans. Das Rad wurde also nicht neu erfunden. Es bleibt einem also nichts anderes übrig als vieles zu akzeptieren aus diesem neuen Kosmos, der auf bekannten SF-Ideen aufbaut. Jack Williamson, Frederik Pohl, Philip K. Dick, Frank Herbert und -Überraschung- Markus Heitz fallen einem als bewusst/unbewusste Paten der Geschichte ein. Heitz selbst, weil er sich mit seinen Shadowrun-Romanen schon einmal auf futuristisches Territorium begeben hat und auch hier eine vage Verwandtschaft erkennbar ist. Daneben wurden manche Klischees von heute einfach tausend Jahre in die Zukunft projeziert. Der Kosmos teilt sich unter anderem auf zwischen Amerikanern, Russen, Araber/Indern/Japanern, deren Darstellung, gerade bei den Russen, eher an die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gemahnt und trotz des futuristischen Settings etwas altbacken und abgeschmackt wirkt.

Zu Anfang des Bandes hat man dann gleich das Gefühl, es würden zu viele Fässer auf einmal aufgemacht. Es ist der erste Januar 3017. Man lernt Anatol Lysander kennen, der gerade auf dem Weg zu einem Auftrag ist, bei dem er mit Hilfe seiner besonderen Gabe übersetzen soll. Der Leser erfährt, dass es die Greater United States of America gibt, den Order of Technology, fremde Rassen wie die Tiranoi, Langstreckensprünge mithilfe außerirdischer Technologie, dadurch bedingte Syndrome, wodurch man als Nebeneffekt Gedankenbilder bei anderen projizieren kann, die Church of Stars, und und und. Man wird jedoch nicht an die Hand genommen, sondern lediglich mit all diesem Wissen vordergründig konfrontiert, da so etwas wie ein einleitender Charakter fehlt, der in etwa den Kenntnisstand des Lesers repräsentiert. In diesem ersten Abschnitt tauchen dann zum ersten Mal die Collector auf, die 25 Jahre später der Menschheit soviel Ärger bereiten.

Sie nehmen fremde Planeten in ihre Obhut, was in etwa einer groß angelegten, einseitigen Quarantäne entspricht. Jeder kann rein, aber keiner kommt raus. Trotz ihres größtenteils passiven Einsatzes haben sich diese Collector zu einer echten Bedrohung gemausert. Sie lassen den Planeten zwar die Wahl, drohen für den Fall einer Absage den jeweiligen Völkern jedoch an, sie dann mit anderen Mitteln zu überzeugen. Echte Alternativen gibt es also nicht. Am Beispiel des Planeten Putin (ja, so heißt der) kann man verfolgen, wie die Invasion abläuft. Stören tut dann aber die übertrieben dramatische Zuspitzung der Situation, als das Direktorium von Putin, so eine Art Planetenrat, über die Antwort abstimmen muss. Es ist einfach nicht ersichtlich, warum Abweichler, die sich den Collector nicht ergeben wollen, einfach erschossen werden. Zum einen gibt es keine Alternative über die es abzustimmen gilt, Ja oder Nein führen wahrscheinlich zur gleichen Konsequenz: Der Obhut. Zum anderen, ist es in einer solchen Situation albern anzunehmen, eine einzige Gegenstimme könnte eine Antwort des Direktoriums verhindern. Herr Vorsitzender, sagen sie doch einfach ja zur Obhut, denn auch die Nein-Sager werden nicht mehr vom Planeten runterkommen.

Ungereimtheiten findet man, neben der erwähnten, quer durch den Band. Ein Antigravtruck, der Lkw der Zukunft, wird von einer Sekunde auf die andere ins All befördert und hält den besonderen Bedingungen des Vakuums und der Schwerelosigkeit einfach stand. Hat der etwa eine luftdichte Kabine? Derselbe Protagonist wird dann auf einer Raumstation festgehalten und man weiß eigentlich gar nicht, warum sich die Typen seiner nicht einfach entledigen. Im nächsten kritischen Moment bekommt er dann wie selbstverständlich eine Waffe gereicht und muss mit in einen Bereich vordringen, der sonst für die Statisten von Star Trek gedacht war. Es wundert einen zum Schluss auch, wie schnell sich die Collector in einen Teil ihrer Karten gucken lassen. Dieses Verhalten mag allerdings unter Umständen im nächsten Band geklärt werden. Dennoch Kopf kratzen allerorten.

Einen tatsächlichen Eindruck, was dann auf einem übernommenen Planeten so abläuft, bekommt man am Ende des Comics. Nur leider fällt das Ernst nehmen schwer, wenn man auf einmal glaubt eine Ausgabe von XXX-Comics aus dem einzigartigen Weissblech-Verlag in Händen zu halten. Das Szenario hätte auch zu Bella Star gepasst. Zuviel soll hier nicht verraten werden, aber zur Illustration des Eindrucks soll ein kleines Zitat aus Justifiers genügen: „Ich muss ... fort! Bevor die erzwungene Geilheit auch mich befällt.“ Ist irgendwie nicht so weit weg von: „Grok, hilf mir! Ich stecke in der Fickmühle.“

Jetzt wurde soviel über die Collectors gesprochen, man übersieht beinahe, dass die Titelgeber des Albums fehlen. Wer oder was sind die Justifiers? Trotz ihrer Erwähnung auf dem Cover erfährt man in Band 1: Die Obhut noch nicht viel von dieser Spezialeinheit, die für einen Konzern arbeitet. Als einziger Charakter kommt Faye Durrick, eine mäßig erfolgreiche Drogenhändlerin, mit dieser Gruppierung in Kontakt, und wird schließlich selbst ein Teil von ihr. Eine große Wahl hat sie jedoch nicht. Entweder sie lässt sich zu einem Justifier ausbilden oder das gegen sie ausgesprochene Todesurteil wird vollstreckt. Die Art der Rekrutierung lässt für die nächsten Bände einige Raubeine erwarten.

Auch wenn man es glauben mag, vollkommen aus der Luft gegriffen ist das Justifiers-Universum nicht. Es basiert auf einem alten Rollenspielsystem aus den späten Achtzigern des letzten Jahrtausends, welches in den U.S.A. entwickelt wurde. So recht begeistern konnte sich wohl niemand für dieses System, so dass es nicht neu aufgelegt wurde. Einen Fan hatte es aber mit Sicherheit und sein Name: Markus Heitz. Als sich die Möglichkeit ergab, kaufte Heitz kurzerhand die Rechte, überarbeitete und erweiterte das Vorhandene und schrieb letztlich den ersten Roman. Enthusiasmus steckt also schon einmal hinter der Geschichte und wenn man Heitz Äußerungen in manchen Foren glaubt, auch viel Spaß und Freude daran ein Universum weiterzuentwickeln und einfach SciFi (oder Space Opera) zu schreiben. Es ist aber auch verdammt geschäftstüchtig (selbst wenn es hauptsächlich aus Spaß geschieht) daraus ein großes Konzept zu machen, welches Folgeromane anderer Autoren, ein Pen&Paper-Rollenspiel und jetzt auch einen Comic umfasst. Wenn der Funke überspringt, und das hat er wohl zumindest beim Erstling Collector, dann bringt das vor allem eines: money, money, money. Aber warum auch nicht.

Eine eher unbekannte Größe ist dagegen Hannes Radke, der Zeichner von Justifiers. Nach eigener Aussage sprach ihn der Autor an, nachdem dieser als Juror im Rahmen des Comicstars-Wettbewerbs Arbeiten von Radke in die Finger bekam. Radke studiert Design in Hildesheim und arbeitet quasi nebenbei an Justifiers. Seine Wurzeln hat er eindeutig im Manga-Bereich und er selbst nennt Vorbilder, wie Katsuhiro Otomo, Masamune Shirow und Hayao Miyazaki. Ansonsten bleibt Radke in seiner Darstellung auch europäischen Traditionen verpflichtet. Bei schwarzen Flächen oder klaren schwarzen Linien hält er sich aber mehr als zurück und Dunkelheit oder Düsternis wird nur über die Farbtöne vermittelt. Der Strich ist blass und es wird nicht ganz klar, ob da auf Bleistift koloriert wurde oder dieser Effekt auf andere Art erzeugt wurde.

Man merkt den Zeichnungen an, dass sie in Episoden bei Comicstars beziehungsweise auch in der Zeitschrift Comix veröffentlicht wurden. Schwächen, die den ersten Seiten noch anhaften, wurden für das Album nicht mehr in ihrer Gänze verbessert, sondern aus Zeitaufwand nur aufgehübscht. Viele Schraffuren scheinen erst für die Printversion eingefügt worden zu sein, wenn man sich mal den Spaß macht die Seiten bei Comicstars mit denen des Albums zu vergleichen. Der Stil von Hannes Radke wird zum Ende hin sicherer, aber manche der mehr skizzierten Figuren zu Anfang werden durch eine oberflächliche Überarbeitung nicht wirklich besser. Dies fällt bei einem Vergleich zweier Abschnitte sofort auf. Beispielsweise zu Beginn, als der Rat der Collector Fredinald Zumi in seine Mitte nimmt, sind die weiter entfernten Außerirdischen zu grob angedeutet, so dass man zwar Kopf, Arme, Beine, Statur erkennen kann, aber auch nicht mehr. Da hätten mehr Details einfließen müssen. Schöner sind dagegen die Szenen zum Schluss, als Faye Durrick auftaucht. Trotz des sterilen Umfelds der Zelle gefällt die Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Eisbär-Metamensch Goggon ausgezeichnet. Auch die letzte Sequenz auf dem Planeten Putin zeugt von einer sicheren Handhabung des Zeichenstifts und einem soliden Grundaufbau der Seiten, der sich nicht zu sehr im Kleinklein verliert. Für die Fortsetzungen würde man sich aber einen weniger ins skizzenhafte gehenden Stil wünschen, mehr so wie es Radke im letzten Drittel bewiesen hat.

Etwas unter geht die Arbeit des Szenaristen von Justifiers Jörg Krismann. Es ist ein wenig undankbar ein fertiges Romanszenario eines bekannten Autors einfach auf einen Comic runterzubrechen, wobei sogar nahezu wortwörtliche Passagen übernommen werden. Die eigene Arbeit geht da schnell verloren. Allein schon in Krismanns Sinne, aber auch aus anderen Gesichtspunkten, wäre ein wenig Bonusmaterial schön gewesen. Skriptauszüge, Skizzen, Entwicklung der Seiten, vielleicht auch ein Nachwort des Autors oder was Knaur sonst noch eingefallen wäre. Fehlt leider alles und ist ein kleines Manko, des ansonsten gut aufgemachten Hochglanz-Albums.

Es werden viele Fragen aufgeworfen, Personen eingeführt, deren Bedeutung man nicht überschauen kann und einiges selbstverständlich genommen, was man gerne ausgeführt hätte. Doch einer ersten Ausgabe kann man so etwas verzeihen, sie soll schließlich eines bewirken, nämlich neugierig auf die Folgebände machen. Und dies schafft Justifiers. Man will wissen, wie es weitergeht und harrt mancher Enthüllung. Eine Steigerung ist dann jedoch angeraten, sonst verliert man nach dem Überblick auch schnell die Lust. Band 2 soll im August erscheinen.



Fazit:

Der Comic muss in komprimierter Form das bringen, wofür im Roman viele Seiten zur Verfügung standen. Das kann er natürlich nicht leisten. Deshalb muss Justifiers noch einiges auf die Reihe bekommen, aber unterhaltendes Potential kann man dem Comic nicht absprechen.



Justifiers - Collector 1: Die Obhut - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Justifiers - Collector 1: Die Obhut

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Knaur Taschenbuch

Preis:
€ 12,99

ISBN 13:
978-3-426-53009-2

48 Seiten

Justifiers - Collector 1: Die Obhut bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • Comic zum Justifiers-Universum von Markus Heitz
  • erster Band macht neugierig auf mehr
  • Zeichner steigert sich
Negativ aufgefallen
  • zuviele Informationen ohne Erklärung; Leser wird einfach hineingeworfen
  • Zeichenstil manchmal etwas zu grob und skizziert
  • warum den Comic kaufen, wenn man den Roman schon kennt?
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
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Rezension vom: 11.03.2011
Kategorie: Rezensionen
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