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Comic-Besprechung - Vertigo Select 14: Vamps

Geschichten:

Vamps 1 - 6

Autor: Elaine Lee
Zeichner: William Simpson
Farben: Stuart Chaifetz




Story:

Fünf Vampirinnen befreien sich von ihrem Meister und machen sich auf zu einer Reise durch die U.S.A. Howler, Screech, Whipsnake, Skeeter und Mink wollen die neu gewonnene Freiheit genießen und donnern auf heißen Öfen über die Straßen Amerikas. Sie nehmen sich, was sie wollen und hinterlassen eine Spur blutleerer Männerleichen. Girls just wanna have fun! Doch eine von ihnen lässt die Vergangenheit nicht mehr los. Sie sucht nach dem Kind, welches ihr zu Lebzeiten einfach weggenommen wurde und sie setzt alles daran, es wieder zu finden. Nichts hält sie auf dieser Suche auf, schon gar nicht die tumben Männer.




Meinung:
Kleine Zeitreise gefällig? Dann fröhlich eingestiegen und Platz genommen. Es geht in die Neunziger, als die Comics kurz zuvor durch die Gründung des Image-Verlages einen gehörigen Schuss Adrenalin eingespritzt bekamen. Graphisch ergaben sich plötzlich ganz neue Welten und auch die altehrwürdigen Verlage konnten sich dem Stil dieser Zeit nicht erwehren, wollten es auch gar nicht. So merkt man auch dem 1994 erschienenen Vamps an, welcher Zeiten Kind es ist. Gerade die Darstellung der Ladies macht es deutlich, obwohl die Zeitmaschine auch andere Bezüge herausstechen lässt. So ruft der Stil des Iren William Simpson (Hellblazer, Judge Dredd) gelegentlich Erinnerungen an Stephen Bissette hervor und dessen Arbeiten an Swamp-Thing. Womit wir auch schon in den 1980ern sind.

Dreißig Jahre ist man jetzt stilistisch schon zurück. Vamps deshalb aber als altbacken zu bezeichnen, würde einerseits den Protagonistinnen so gar nicht gefallen und würde andererseits dem Comic nicht gerecht werden. Natürlich wird da aus den tiefen Schubladen des Vertigo-Imprints eine Mini-Serie herausgekramt, um den momentanen Appetit nach Vampirgeschichten auszunutzen und mit bereits Erfolgreichem noch einmal Kasse zu machen. Das unselige Twilight von Stephenie Meyer lässt ebenso grüßen, wie unzählige neue Mystery-Vampir-Roman-Reihen und sonstige mediale Verwurstungsstrategien. Doch so einfach sollte man es sich mit Vamps nicht machen. Die Vampirladies sind dort nicht die üblichen devoten Gespielinnen, die als Befriedigungsobjekte den Lüsten und Leidenschaften der Vampirmänner hofieren, was letztlich nur ein schwach verformtes Bild eines Harems ist. Bei Bram Stoker mag das noch dem Zeitgeist und Sehnsüchten nach orientalischer Lebensart entsprungen sein, letzteres ebenfalls nur eine romantisierende Verbrämung der tatsächlichen rauen Wirklichkeit. Aber welche Ausrede hat in der heutigen Zeit Stephenie Meyer für ihre prüden Vampir-Anschmacht-Schmonzetten? Da doch lieber richtige Frauen, für die Männer lediglich der nächste Appetithappen sind. Vamps eben.

Howler, Screech, Whipsnake, Skeeter und Mink sind toughe Frauen, die sich von Männern nichts mehr vorschreiben lassen wollen. Kaum fünf Seiten nach Beginn des Bandes reißen sie bereits den Vampir in Stücke, der sie geschaffen hat und verscharren seine einzelnen Glieder in getrennten Gräbern. Die Löwinnen befreien sich von ihrem faul und nachlässig gewordenen Löwen und machen jetzt als eigenes Rudel die staubigen Strassen Amerikas unsicher. Ein Roadmovie mit Vampiren in Comicform gegossen. Nicht der Sonne entgegen, sondern ihre tödlichen Strahlen immer im Nacken. Männer sind auf diesem Pfad Mittel zum Zweck. Sie sind lediglich die Nahrung, die die fünf Vampirinnen sich gönnen, wann es ihnen beliebt, wo es ihnen beliebt, wie es ihnen beliebt. Dementsprechend fügen sich die Figuren männlichen Geschlechts in ihre tumben Rollen und fühlen sich dabei sogar noch allen anderen überlegen, glauben alles gecheckt zu haben, obwohl die Frauen die Zügel fest im Griff haben. Typisch Männer eben.

So fällt es nicht schwer, sich auch an Thelma & Louise erinnert zu fühlen. These are no longer daddy’s little girls. Als Vampire sind die Frauen so sinnlich, wie sie tödlich sind. In ihrem Innern tobt der Kampf von Verstand gegen Instinkt, alles getrieben von dem Ziel der Nahrungssuche, der Jagd nach frischem Blut. In der Auslebung ihres Triebes sind die fünf Vampirinnen nicht zimperlich und müssen stets darauf achten nicht wie Haie in einen Blutrausch zu verfallen, der sie mit Blut vollgesogen, träge und hilflos zurück lässt. Doch einmal von der Gier nach Blut gepackt, ist es nicht so leicht sich zurück zu halten. Die Enthaltsamkeit zerreißt die Eingeweide und der ganze untote Körper lechzt nach dem roten Lebenssaft. Aber irgendeine muss immer Wache stehen, damit das Rudel sich hemmungslos bedienen kann, ohne Furcht sich am Ende aufgebläht und trunken von Blut nicht mehr bewegen zu können. Die Art der Darstellung gefällt an den von Elaine Lee erdachten Vampiren. Ihre Züge sind ans tierische angelehnt, sobald es um die Nahrung geht. Um ihre Beute zu stellen benutzen sie dagegen die Waffen einer Frau. Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Vampirdasein und ist damit viel authentischer als das Bild vom noblen kultivierten Vampir. Damit wird auch der ausgeprägte Mutterinstinkt von Howler nachvollziehbar, der durch die Vampisierung wahrscheinlich eher verstärkt denn geschwächt wird. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen, hat sie die Vergangenheit nicht hinter sich gelassen, denkt immer wieder an die Zeiten zurück, als das Herz in ihrer Brust noch schlug. Sie spürt die Abwesenheit des Lebens stärker als die anderen. Und vielleicht brennt deshalb in ihrem Inneren weiterhin die Liebe zu ihrem Kind. Ein Feuer, welches der Tod und ihre Verwandlung nicht haben löschen können und die Geschichte in Vamps voranpeitscht.

Die gern gesehene Fokussierung auf starke weibliche Charaktere gönnt sich allerdings Schwächen in der Dramaturgie. Der alles überspannende Bogen und der die Ereignisse verbindende rote Faden ist die bereits erwähnte Suche Howlers nach ihrem Kind, welches ihr damals, als sie noch lebte, einfach weggenommen wurde. Die Liebe einer Mutter zählt vor Gericht nichts, wenn du deinen Lebensunterhalt durch Prostitution bestreiten musst und reiche Adoptiveltern bereit sind für ein ihnen gewogenes Urteil tief in die Tasche zu greifen. Die restliche Handlung wirkt dann allerdings stellenweise wie eilig angeklebt und dient teilweise lediglich dem Seiten füllen. Die parallel laufende Detektivgeschichte, die der Spur der Leichen folgt, welche die fünf Mädels hinterlassen, ist lediglich Ausrede, um die (noch lebende) Schwester von Howler an den Erzählstrang zu binden. Ihre Figur erscheint einfach mittendrin, ohne dass klar wird, warum sie zu diesem Zeitpunkt überhaupt am Ort des Geschehens ist. Sie hat zwar aufgrund einer Art geistigen Schwesternsymbiose Visionen von Howler, doch sehr viel mehr erfährt man von ihren Motiven nicht. Ein eigener Antrieb fehlt ihr weitestgehend, was sie reichlich eindimensional macht. Sie folgt ihren Träumen ... na, wenn das mal kein Grund ist kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten zu ziehen. Dumm nur, dass ihre Schwester anscheinend schon länger ein Vampir ist und man nicht erfährt, warum sie sich nicht bereits früher an ihre Fährte geheftet hat, sondern erst jetzt. Sie taucht eben auf, weil sie am Ende der Geschichte noch gebraucht wird. Solche gefälligen „Weil-es-im-Skript-stand“-Momente kommen leider vor.

Manchmal etwas schwülstig und melodramatisch sind die inneren Monologe der Vampirinnen geraten, die ein wenig von ihrem Innenleben und ihrer neuen Sicht auf die Dinge wiedergeben sollen. Auch kommt man mit dem Wechsel, wer gerade am monologisieren ist, nicht immer mit, obwohl jeder der Protagonistinnen eine eigene Kästchenfarbe zugewiesen ist. Die Monologe hätten eine Raffung gebrauchen können. So hat man das Gefühl, dass sich inhaltlich einiges wiederholt, gerade was die besondere Sicht der Vampirinnen ausmacht.

Die Cover der einstmals sechsteiligen Serie wurden von Brian Bolland geschaffen. Der renommierte Zeichner haucht den Ladies gekonnt untotes Leben ein und porträtiert sie auf seine unnachahmliche Art. Man kann sie am Ende des Bandes bewundern. Die Autorin Elaine Lee durfte ein eigenes Nachwort anfügen, welches auch ein wenig die Reaktionen betrachtet, welche die Serie im Jahr ihres Erscheinens provozierte. Es wird zusätzlich mit den althergebrachten Vampirgeschichten abgerechnet, die hauptsächlich den männlichen Vampir in den Vordergrund stellen. Oder um hier die Autorin zu zitieren: „Jede Vampirgeschichte ist eine Fantasie von Vergewaltigung ohne Schuld.“

Wer möchte kann bei MyComics.de mit einer kleinen Leseprobe Blut lecken.


Fazit:

Trotz der vielen Jahre auf dem Buckel liest sich Vamps erstaunlich aktuell. Dies verdankt der Band seinen starken und selbstbewussten Frauenfiguren, die jeden Edward, Lestat oder Dracula mal locker in die Tasche stecken könnten. Altbacken ist höchstens das Storytelling, welches das Lesevergnügen etwas zäh gestaltet. Man mag es den Vampirinnen gar nicht gerne sagen, aber ein etwas schmalerer Umfang hätte dem Plot ganz gut getan. Aber jetzt bitte nicht beißen (winsel).




Vertigo Select 14: Vamps - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Vertigo Select 14: Vamps

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
DC Deutschland

Preis:
€ 16,95

ISBN 13:
978-3-86201-142-1

164 Seiten

Positiv aufgefallen
  • toughe Vampirinnen
  • vampirischer Roadmovie in Comicform
  • Darstellung des Vampirdaseins
  • Cover-Gallerie von Brian Bolland
Negativ aufgefallen
  • Nebenhandlungsstränge dürftig
  • innere Monologe zu stark ausgebreitet
  • "Es passiert halt, weil es im Skript steht!"
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Rezension vom: 04.03.2011
Kategorie: Vertigo bei Paninicomics
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