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Comic-Besprechung - Jesus

Geschichten:

Autor, Zeichner: Siku



Story:

Palästina ist unter römischer Besatzung und der judäische König Herodes eine Marionette. Im Volk gärt es und Unzufriedenheit macht sich breit. Während immer mehr mit einer Revolte liebäugeln, bekommen auch immer mehr Sekten Zulauf. So etwa Johannes der Täufer, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich die Königin zur Feindin macht. Sein Cousin aber ist sehr viel erfolgreicher und schart im Laufe der Zeit immer mehr Menschen um sich. Seine Wunder, seine Güte und seine Lehre faszinieren die einfachen Leute. Die Mächtigen aber sehen in ihm einen gefährlichen Unruhestifter und wollen ihn beseitigen. Sein Name: Jesus von Nazareth.



Meinung:

Was macht einen Klassiker aus? Es ist leicht in der Rückschau einen Klassiker als solchen zu benennen. Man kann eine lange Wirkungsgeschichte identifizieren und seinen Einfluss auf andere Werke ausmachen und eine neue Herangehensweise feststellen. Insofern ist es schwierig, eine Neuerscheinung als Klassiker zu benennen. Wenn man aber als weiteres Kriterium eine gewisse Zwiespältigkeit und Diskussionswürdigkeit heranzieht, so ist Jesus trotz einiger Schwächen jetzt schon ein Klassiker.

Bibelthemen als Comic sind nicht sonderlich neu und es gab sie auch schon in dieser "Schundform", um in den 1960er und vor allem 1970er Jahren die Kinder in "ihrem" Medium für die Bibel zu begeistern. Siku hatte allerdings vor einiger Zeit eine Bibeladaption in Mangaform verfasst und brach damit eine Grenze. Nun hat Siku das Leben von Jesus in einem Comic in Mangaform erzählt.

Natürlich kann man darüber streiten, ob Bibelthemen als Comic geeignet sind. Aber warum nicht? Als Film gibt es sie schließlich auch.

Aber in Form eines Manga? Manga und ihr Stil sind immer Geschmackssache, aber die Dynamik und die Wucht der Mangas passen hier insofern sehr gut, da Jesus mit seinen Lehren die ganze damalige Landschaft und Geographie in Aufregung versetzte. Das Dynamische seiner Lehre wird also gut in dem dazu passenden Stil umgesetzt. Aber man muss ihn halt mögen. Die Dramatik der Geschehnisse werden eins mit der Dramatik des Zeichenstils. Traditionalisten werden sich aufregen, aber eine Diskussion ist immer gut. Leider lässt der Stil kaum Unterscheidungen gerade bei den Gesichtern zu. Und da es in der Bibel, auch im Neuen Testament, nur so von Figuren und Namen wimmelt, ist das ein deutliches Handicap.

Manche werden kritisieren, dass Siku heutige Alltagssprache verwendet wie "Hi", "Wow", "Cool", "Krass". Das irritiert zugegebenermassen, aber Siku wollte damit deutlich machen, das die Bibelsprache schon eine Verfälschung ist und Jesus natürlich auch Alltagssprache benutzte, um zu lehren. Als Äquivalent nutzte Siku also heutige Alltagssprache, um dieses deutlich zu machen. Aber auch hierüber kann man streiten. Es wirkt manchmal gegenüber einem jüngeren Publikum etwas zu anbiedernd. Kinder und Jugendliche, die sich nicht für die Bibel oder Jesus interessieren, werden den Band wahrscheinlich ohnehin nicht kaufen, also ist die (Alltags-) Sprache hier eher überflüssig. Vor allem die Anglizismen.

Eine große Schwäche besteht allerdings in der Struktur des Buches. Ein Leben auf 400 Seiten zu verdichten, fällt natürlich extrem schwer und es ist nur allzu verständlich, dass die Passion, eben eine Grundvoraussetzung für das Christentum, einen großen Raum einnimmt. Das aber manche ganz zentralen Stellen wegfallen, lässt einen doch etwas verwirrt zurück. Vor allem die Bergpredigt, die alles Essentielle des Christentums enthält, fehlt unverständlicherweise.

Das Leben und Werk von Jesus kann man eigentlich auch nur richtig verstehen, wenn man etwas über den historischen Kontext weiß. Oder zumindest können so manche Ereignisse besser eingeordnet und der radikale Wert von Jesus verständlich gemacht werden. Leider fehlt dieser komplett. Ein paar kleine Verweise werden gegeben, aber nur um deutlich zu machen warum die Priester darauf bestanden, Jesus hinrichten zu lassen. Aber für eine Biographie ist das Auslassen des historischen Kontextes tödlich.

Es ist aber allzu deutlich, dass Siku keine Biographie im eigentlichen Sinne schaffen wollte. Vielmehr ist Jesus ein Glaubensbekenntnis in Comicform. Dazu ist es interessant zu wissen, dass Siku nicht nur Künstler, sondern auch Theologe ist. Aber eine reine Biographie wäre vielleicht sogar radikaler gewesen, weil sie neugieriger auf die Person macht, als eine reine Nacherzählung des Neuen Testamentes in Bibelform.

Auch der Film Die Passion Christi war ein Glaubensbekenntnis und diskussionwürdig. Dass der Film hier erwähnt wird, liegt daran, dass trotz aller Ambivalenzen die Regie hervorragend war und der Film den Zuschauer, egal was er von dem Film halten mochte, emotional packte. Dem Comic Jesus gelingt das nicht. Und wenn man gegenüber so einer wichtigen Person wie Jesus, egal welcher Religion man angehört oder ob man überhaupt glaubt, am Ende des Buches eher gleichgültig gegenübersteht, dann kann etwas Zentrales nicht stimmen.



Fazit:

Durch die Zwiespältigkeit und Diskussionswürdigkeit kann das Buch trotz einiger großen Schwächen zum Klassiker werden. Diese Bewertung wird allerdings mit leichten Bauchschmerzen vergeben.



Jesus - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Jesus

Autor der Besprechung:
Jons Marek Schiemann

Verlag:
Ehapa Comic Collection

Preis:
€ 19,99

ISBN 10:
3770434064

ISBN 13:
978-3770434060

352 Seiten

Jesus bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • dynamische Zeichnungen
  • Diskussionswürdigkeit
Negativ aufgefallen
  • Alltagssprache
  • Struktur
  • Gesichter schwer auseinanderzuhalten
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Rezension vom: 23.02.2011
Kategorie: One Shots
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Unser Leser ASRA schreibt dazu:Note: 1
Jesus Christ Superstar
„Jesus“ ist zum Glück weder Biografie (bekannt) noch Historienschinken (gähn!), weder ein „Glaubensbekenntnis“ (Allergie!) noch „Klassiker“ (?). Ich habe Siku`s Geschichte von Jesus als Heldengeschichte gelesen. Und ich war von Anfang bis Ende fasziniert und gepackt. Von der leidenschaftlichen und atmosphärisch dichten Art des Erzählens, von den ausdrucksstarken Zeichnungen (Personen und Szenerie!), dem dramatischen Layout und der sparsamen und die Situation genau treffenden Sprache, in heutige, lebendige Alltagssprache übersetzt.

Der historische Kontext wird nicht beschrieben und analysiert sondern ich werde mitten hinein geworfen. Die Dynamik dieser Zeit im Aufruhr ist sehr genau getroffen und überall zu spüren. Das ist neu und spannend. Und es funktioniert: Es entspricht auf der ganzen Linie dem Medium. Wenn man diese unglaubliche Geschichte als Manga erzählt, dann muss man es so machen und nicht anders: Das Leben Jesu, die Bergpredigt, die Grundlagen des Christentums, das ist alles bekannt und tausendmal erzählt worden. Man braucht das nicht noch mal zu erzählen. Hier ist etwas Neues geschaffen worden.

Deshalb: Bestnote für „Jesus“.