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Comic-Besprechung - Veilchenblau

Geschichten:

Violent Cases

Autor: Neil Gaiman
Zeichner: Dave McKean


Story:

Ein junger Mann erzählt aus seiner nicht sonderlich glücklichen Kindheit. Er berichtet von einem Vorfall, bei dem der Vater dem damals Vierjährigen den Arm auskugelte, ob absichtlich oder aus Versehen, bleibt offen. Daraufhin wird der Junge zu einem Osteopathen, einem „Knochendoktor“, zur Behandlung geschickt, mit dem er rasch ein freundschaftliches Verhältnis aufbaut.

Bald stellt sich heraus, dass der alte Herr zur Zeiten der Prohibition einst Al Capone persönlich als Masseur diente. Für einen kleinen Jungen natürlich sehr aufregend, denn Gangster, das sind die Leute, die Hüte tragen, große Autos fahren und Maschinengewehre in Geigenkästen stecken. Doch der Osteopath hat anscheinend Dinge erfahren, die er besser nicht wissen sollte. Seine Vergangenheit droht ihn einzuholen …



Meinung:

Mit Nona Arte Comics hielt Ende 2010 wieder einmal ein neuer Verlag in der deutschen Verlegerlandschaft Einzug. Als erste Veröffentlichung erschien der ungewöhnliche Titel Veilchenblau, der passenderweise auch den Einstand von Autor Neil Gaiman und Zeichner Dave McKean auf dem Comicmarkt darstellte. Bereits 1987 wurde die erste Ausgabe in England veröffentlicht, wenn auch noch in Schwarzweiß. Seither arbeitete das kongeniale Duo bei zahlreichen anderen Projekten zusammen, am bekanntesten dürften sicherlich McKeans Coverillustrationen zu Gaimans allseits geschätzten Über-Klassiker Sandman sein.

Eine erste deutsche Ausgabe erschien bereits 1994 bei Feest, dieser Band ist allerdings nur noch antiquarisch aufzutreiben. Höchste Zeit also für eine Neuauflage.

Ein wenig unglücklich gewählt erscheint jedoch der neue deutsche Titel Veilchenblau, schließlich heißt der Comic im Original Violent Cases und nicht „Violet Cases“. Er bezieht sich wohl auf eine kleine Stelle, in der der Erzähler auf einen „glänzenden, veilchenblauen Fleck“ an seinem Arm hinweist und auf die reduzierte Farbpalette, die auch viele Violetttöne beinhaltet. Da der Originaltitel ohnehin auf einem Wortspiel beruht („violin cases“, also Geigenkästen), das sich schwerlich ins Deutsche übertragen lässt, kann man also darüber hinwegsehen.

Abgesehen davon bietet die Übersetzung keinen Anlass zur Kritik, der Comic liest sich flüssig, die Atmosphäre stimmt. Nur die kleine Schrift, bedingt durch die großen Mengen an Text, ist natürlich kein wirklicher Makel, aber doch ein wenig gewöhnungsbedürftig und nichts für schwache Augen.

Anders sieht es mit der Bindung aus, wegen der bereits etliche Beschwerden laut wurden. Bei einigen Exemplaren löst sich der Buchblock unschön vom Hardcover-Einband ab. Das ergibt zum Glück zwar keine Loseblatt-Sammlung, Qualität sieht allerdings anders aus. Auch leicht welliges Papier scheint leider nichts Ungewöhnliches bei diesem Band zu sein.

Und was macht diesen Comic nun so ungewöhnlich? Die eigentliche Geschichte könnte man einfach nur mit „Kleiner Junge ist ein Außenseiter und trifft alten Mann, der zuviel weiߓ zusammenfassen. Doch nicht die Erzählung an sich ist hier wichtig, sondern die Art, wie erzählt wird.

Der Protagonist, (der übrigens eine verblüffende Ähnlichkeit mit Neil Gaiman aufweist), berichtet uns von Begebenheiten aus seiner frühen Kindheit, Erinnerungen, die ihren Anspruch auf Wahrheit und Verbindlichkeit schnell nicht mehr aufrechterhalten können.

Wie sah beispielsweise dieser Osteopath eigentlich aus? So wie in der Beschreibung des Vaters, wie „ein polnischer Indianerhäuptling“ oder doch wie in den eigenen Erinnerungen, ein bebrillter, älterer Herr mit Schnauzbart? Oder wie eine Mischung aus allem und doch wieder ganz anders?

McKeans Zeichnungen geben diese Vermischung von Fakten und Phantasie perfekt wieder, schwanken zwischen Detailgenauigkeit und Skizze, Abstraktion und Realismus, Zeichnung und Collage. Wie Erinnerungen werden sie nie wirklich greifbar, scheinen sich dem Betrachter gleichsam zu entziehen. Die düstere Farbpalette in Grau-, Blau- und Grautönen und die oftmals ungewöhnlichen Perspektiven und Bildausschnitte unterstreichen diesen Eindruck zusätzlich.

Beeindruckend, gerade für ein Frühwerk, ist die gewaltige stilistische Bandbreite, in der nahezu nahtlos unterschiedlichste Zeichentechniken miteinander verwoben werden.



Fazit:

Ein lesenswerter, zudem recht günstiger Comic mit phantastischem Artwork, der unterschiedliche Erzählebenen raffiniert miteinander verknüpft. Auf die düstere, melancholische Atmosphäre muss man sich allerdings einlassen. Stellenweise ist das Werk sogar ziemlich brutal, sowohl physisch als auch psychisch,und damit sicherlich nichts für allzu Zartbesaitete. Definitiv Lektüre mit Anspruch.

Ein Ärgernis stellt allerdings die nur teilweise gelungene Aufmachung der deutschen Ausgabe dar, die dem Klassikerstatus des Werkes leider nicht wirklich gerecht wird.



Veilchenblau - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Veilchenblau

Autor der Besprechung:
Anne-Sophie de Millas

Verlag:
Nona Arte

Preis:
€ 12.00

ISBN 10:
8897062083

ISBN 13:
978-8897062080

48 Seiten

Positiv aufgefallen
  • Comicklassiker endlich wieder auf Deutsch erhältlich
  • eindringliche Atmosphäre
  • tolle Zeichnungen
Negativ aufgefallen
  • schlechte bis katastrophale Bindung
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
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Rezension vom: 06.02.2011
Kategorie: One Shots
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