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Comic-Besprechung - American Vampire 1

Geschichten:

American Vampire 1 - 5

Autor: Scott Snyder und Stephen King; Zeichner: Rafael Albuquerque; Farben: Dave McCaig



Story:

Skinner Sweet, Gauner, Halsabschneider, Verbrecher, findet sich im langen Arm des Gesetzes wieder. Doch nicht lange und die Ereignisse schlagen ihre Klauen in seinen Körper und ziehen ihn hinab, nur damit er wiedergeboren werden kann als der erste ureigenste amerikanische Vampir. Seinen europäischen Vettern hat er einiges voraus, aber erst über 40 Jahre später setzt er etwas in Gang, was Amerika für immer verändern wird. Im Zentrum des von ihm erzeugten Mahlstroms die Schauspielerin Pearl Jones, die sich nichts sehnlicher wünscht, als eine Karriere bei dem jungen Medium Film. Ihre Hoffnungen zergehen in einem blutroten Rausch, von dem die alte Garde der Vampire denkt, es sei ihr sicherer Tod. Sie rechneten nicht mit Skinner Sweet, der ein ganz eigenes Ansinnen verfolgt.



Meinung:

Schon wieder Vampire, möchte man stöhnen. Dank Stephenie Meyer mit ihren puritanischen und schwülstigen Schmuseblutsaugern und die anschließende Ausschlachtung des Genres in unzähligen Buchfassungen und Filmen, ist der Übersättigungsgrad für viele bereits erreicht. Aber wie bei jeder Mahlzeit, sollte man sich immer etwas Platz für den Nachtisch lassen. Und damit wären wir auch schon bei American Vampire von Scott Snyder.

Es beginnt in Los Angeles, Mitte der 1920er Jahre. Ein Transporter fährt durch das raue Land außerhalb der Stadt. Auf der Ladefläche die Leichen junger Frauen, sämtlichst abgeschlachtet. Ihre Körper landen in einer tiefen Grube in der bereits andere tote Leiber verwesen. Dann plötzlich ein Flüstern. Eine der Frauen ist noch bei Bewusstsein. Ihr gehauchtes „Ich lebe noch ...“ vergeht in der Stille der Nacht. Szenenwechsel. Tage zuvor. Zwei junge Schauspielerinnen träumen vom großen Ruhm im neuen Metier des Kinofilms und schwelgen an Erinnerungen an ihr „erstes Mal“, ihre erste Begegnung mit den bewegten Bildern aus Licht und Zelluloid. Eine davon ist Pearl Jones und in ihr erkennt der Leser die junge Frau aus der Grube.

Parallel dazu wird die Geschichte des Gauners Skinner Sweet erzählt. Es ist die Zeit des Wilden Westens, 1880 Colorado. Der gerne Zuckerstangen kauende Desperado wurde endlich gefasst, nachdem er von Kansas bis Arizona gesucht wurde. Jetzt ist er in Obhut des Special Agent Jim Book, dem letzten Geleit Skinners auf dem Weg zum Galgen. Skinner und seine Bande haben schon einiges an Unheil angerichtet und auch jetzt sind sie nicht so schnell bereit, ihren Kameraden im Stich zu lassen. Doch während der Zug ihnen entgegen rollt, ahnen alle Beteiligten nicht, dass sich noch etwas oder jemand anderes in den Abteilen aufhält. Der alte Percy, Eigentümer der Bank, Eigner der Eisenbahn und Vampir.

Was diese Serie so erfrischend macht, ist die Verknüpfung mit der amerikanischen Geschichte seit dem Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts. Dadurch wird sie, wie auch der Autor sagt, nicht nur zu einer Erzählung über den ersten amerikanischen Vampir, sondern in gewisser Weise auch über Amerika selbst. Dass man dies auch kommentierend verstehen kann, legt allein das erste Kapitel nahe. Die Traumfabrik Hollywoods, die Glitzerwelt der großen Stars und Sternchen und hinter dem Versprechen von Glamour und Ruhm eine Riege blutdürstender europäischer Vampire, die alles in Krallenhänden halten. Und die großen Berühmtheiten versorgen sie mit frischem Blut in Form blauäugiger Jungdarstellerinnen, die hoffen, dass ein wenig vom schönen Schein auf sie abfärbt. Hollywood eben!

Die USA gingen ja schon in einigen Bereichen Sonderwege im Vergleich zum alten Kontinent. Krankenversicherung, verfassungsrechtlich verbürgter Waffenbesitz, rosa Butter, warum sollte es da bei Vampiren anders sein? Denn die neue Brut ist immun gegen Sonnenlicht, christliche Symbolik macht ihr keine Angst und auch sonst ergeben sich einige Besonderheiten, die in diesem und den nachfolgenden Bänden noch zutage treten. Und endlich sind die Blutsauger bei American Vampire wieder so, wie es sich gehört: blutrünstige, opportunistische Raubtiere, die nicht mit einem sanften Biss in den Hals zuschlagen, sondern vor Gier ganze Stücke aus ihren Opfern reißen. Verrat, Missgunst, Neid und Rachegelüste prägen diese Welt und die Menschen sind keinen Deut besser.

Angeblich gärte die Idee Snyders zu dieser Vampirgeschichte mit historischem Gewande bereits seit einiger Zeit in seinem Kopf und sollte zuerst ein Drehbuch, dann gar ein Roman werden. Dankbarerweise schien keines dieser Formate der Geschichte um den Vampir-Desperado Skinner Sweet zu stehen, weshalb Snyder letztlich bei Vertigo landete. Man merkt der Geschichte die geübten Hände eines Schreiberlings an. Die Dialoge sind geschliffen, die Geschichte spannend erzählt und mit all jenen Elementen versetzt, die man sich für so ein Debüt nur wünschen könnte. Mag man auf den ersten Blick Vampire und Wilden Westen nicht unbedingt zusammenbringen, schafft Snyder eine wunderbare Verbindung dieser beiden Genres, was allein schon seinem Vampir mit Sonnenschutzfaktor geschuldet ist. Eine gute Idee hervorragend umgesetzt. Und wenn man dem Nachwort glauben darf, wird es nur noch interessanter: Las Vegas in den 30er, die 40er Jahre und die Wirren des Krieges. Ein Füllhorn an Möglichkeiten. Was will man noch mehr?

Was die Branche allerdings von Anfang an wirklich in Aufregung versetzte, war nicht der Ideengeber, sondern dass er für die Entstehungsgeschichte seiner Figur den Bestseller-Autor Stephen King verpflichten konnte. Das erste Heft von American Vampire war in den USA noch gar nicht erschienen, da juckte es Hollywood schon im Hintern, als es von Kings Beteiligung erfuhr. Aber es war nicht bloß der Name allein, der für Wirbel sorgte. Während viele von Stephen Kings eigenen Romanen von anderen als Comics adaptiert wurden (Dark Tower, The Stand) sollte er ausgerechnet bei diesem ihm fremden Stoff als Autor einer Comic-Geschichte in Erscheinung treten.

Man kann von Stephen King als Autor halten, was man will, aber bei seinem Comic-Debüt stellt er sich sehr gut an. Zwar arbeitete er wohl vornehmlich nach Motiven von Scott Snyder, aber Lebendigkeit erzeugt sich nicht allein anhand von Vorgaben oder Richtlinien. Er hat dem ganzen seinen eigenen Stempel aufgedrückt, oder wie er es ausdrückt, eine Geschichte wie ein Brandeisen geschaffen. Aber Stephen King wäre nicht er selbst, wen er dann doch wieder eine Idee benutzt, welche in seinem Werk eine gewisse Redundanz aufweist. Es taucht mal wieder ein Schriftsteller in der Handlung auf, der das Geschehen selbst erlebt und dazu ein Buch geschrieben hat und der sie nun während einer Lesereise dem Publikum darbringt. Warum King immer wieder Figuren einbringt, die Schriftsteller sind (Stark: The Dark Half, Misery, Shining, und so weiter), bleibt sein Geheimnis. Vielleicht gibt ihm das ein Gefühl von Sicherheit, aber es fällt dennoch unglaublich auf und allein daran erkennt man schon, was er bei American Vampire geschrieben hat, und was Scott Snyder.

Aber nicht nur die Autoren verdienen Lobeshymnen, sondern auch Zeichner Rafael Albuquerque. Das dieser brasilianische Künstler solange unter dem Radar bleiben konnte und sich noch keinen bekannteren Namen gemacht hast, lässt einen Wunders staunen. Seine ersten Schritte führten ihn zu Image Comics und Boom! Studios, wo er unter anderem an Crimeland und Savage Brothers tätig war, bevor er begann exklusiv für DC Comics zu arbeiten. Dort arbeitete er an Blue Beetle, Superman/Batman und aktuell eben an American Vampire. Sein Stil ist sehr ausgereift, sein Strich markant, düster und, wie es sich für eine Vampir-/Westerngeschichte gehört, schön schmutzig und dreckig.

Loben muss man auch den Coloristen Dave McCaig. Während die Episode in den 20ern in der üblichen Comic-Farbpalette gehalten ist, verwendete er für die von Stephen King erzählte Herkunftsgeschichte eine leicht aquarellierte Farbabdeckung für die Zeichnungen Albuquerques. Nicht nur sieht das hervorragend aus, es passt auch unwahrscheinlich gut zu der Zeit in der die Geschichte spielt.

Für die Extras dann nochmal schnell Luft geholt, denn es gibt: ein Vorwort von Stephen King, ein Nachwort von Scott Snyder, die Original-Cover, eine Cover-Gallerie mit Variants (unter anderem von Jim Lee, Bernie Wrightson, Andy Kubert), dazu Manuskriptseiten plus die dazugehörigen gezeichneten Seiten, zwei zusätzliche Cover-Entwürfe von Albuquerque und Kurz-Vitas der Beteiligten. Und noch einmal, was will man mehr? Eine neue Art von Vampir betritt den staubigen Boden der Prärien Amerikas und die amerikanische Geschichte ist um ein blutiges Kapitel reicher.



Fazit:

Man glaubt es kaum, eine Vampirgeschichte und sie ist sogar mal wieder interessant. Die Verknüpfung mit der amerikanischen Historie ist treffend gewählt und gewinnt dem Stoff, zusätzlich zu der neuen Gattung an Vampiren, ganz neue Seiten ab. Ein neuer Blutsauger-Kosmos tut sich auf. Das Zeitalter des amerikanischen Vampirs ist angebrochen. Ein Unbedingt-Haben-Müssen-Band 1!



American Vampire 1 - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

American Vampire 1

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 16,95

ISBN 13:
978-3-86201-025-7

196 Seiten

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Positiv aufgefallen
  • Vampire dürfen wieder blutrünstig sein
  • klasse Zeichnungen
  • gutes Setting für diese neue Vampirbrut - Vampires meet american way of life
Negativ aufgefallen
  • Stephen King kommt manchmal nicht aus seiner Haut
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Rezension vom: 27.12.2010
Kategorie: American Vampire
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