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Comic-Besprechung - Wilson

Geschichten:

Wilson (Originaltitel: „Wilson“)

Autor: Daniel Clowes, Zeichner: Daniel Clowes 



Story:
Wilson, ein geschiedener Single-Mann, im Alter von etwa Mitte 40, lebt alleine in Oakland, Kalifornien. Seine einzige Bezugsperson ist Hündin Pepper, aber das ist kein Wunder, denn er ist von der unbequemen Sorte Mensch, die mit anderen Menschen nichts richtig anfangen können.

Der Tod seines Vater scheint etwas in ihm auszulösen. Er macht sich auf die Suche nach seiner Ex-Frau Pippi und findet heraus, dass er eine Tochter namens Claire hat. Mit Hilfe eines Privatdetektives spürt er auch sie auf. Aber das Leben hält noch die eine oder andere Überraschung für Wilson bereit.



Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:

Daniel Clowes' neuster Charakter Wilson ist einer von diesen Typen, die die Welt nicht braucht. Er ist nicht nur ein Misanthrop, sondern auch ein Soziopath. Er ist die Art Mensch, die anderen immer wieder ihre eigene Meinung aufdrückt, aber selber nicht zuhört. Wenngleich er in den ersten beiden Panels der Geschichte sagt "Ich mag Menschen. Ich bin ein Menschenfreund", ist er doch genau das Gegenteil. Je mehr man ihn kennenlernt, sich in sein Leben und seine Gedanken einliest, desto stärker möchte man ihm in die Fresse hauen.

Die Geschichte von Wilson, dessen vollen Namen man nicht erfährt, wird in 70 One-Pagern erzählt, die meist aus sechs Panels bestehen und lakonische Überschriften haben wie Postamt, Noch am Leben, Dicke Frauen oder Plötzlich und unerwartet und in ihrer Art an die alten Sonntagsseiten in US-Zeitungen erinnern. Die einzelnen Episoden sind Teil des Ganzen, das vom Leben Wilsons bis ins gesetzte Alter erzählt. Diese clever ausgewählte Erzählform gibt Clowes die Möglichkeit am Ende jeder Seite entweder eine Pointe zu platzieren oder große Zeitsprünge in der Handlung zu etablieren, ganz nach Bedarf und Notwendigkeit. Die Pointen sind jedoch nicht von der lustigen Art. Sie sind bestenfalls schwarzer Humor und können einem, wenn man nicht aufpasst, im Halse stecken bleiben. Oft sind es einfach bittere und dissoziale Kommentare, die nachdenklich stimmen.

Zum Beispiel zeigt sich Wilson interessiert und fragt eine Passantin auf der Straße wie es ihr geht, aber als sie ihm von ihren Problemen erzählt, erwidert er: "Großer Gott! Können sie nicht einfach mal die Klappe halten?" Oder wenn beim Gassi gehen vorbeilaufende Leute eine lobende Bemerkung über seinen Hund machen, reagiert er nicht. Erst wenn einer ihn wortlos passiert, ruft er ihm nach: "Blödes Arschloch!". Und an seine Ex-Schwägerin schickt er auch schon mal ein Paket voller Hundescheiße.

Man merkt: Wilson ist in höchstem Maße unsympathisch, aber dennoch reflektiert er Meinungen und Eigenschaften, die in vielen Menschen stecken. Kann er im Lauf der Geschichte sein Leben verändern? Es scheint nicht so, dann auch nach vielen Jahren ist seine Ex für ihn stets eine "dumme Schlampe". Wie bei dieser Art von Comics üblich, ertappt man sich dabei, darüber nachzudenken, wie viel von Daniel Clowes wohl in Wilson steckt. Immerhin hat er auch in früheren Werken Aspekte von sich selbst eingewoben. Auf dem Cover steht beispielsweise die Signatur von Clowes auf dem Bürgersteig geschrieben, zusammen mit seinem Geburtsjahr (1961), und nicht das Jahr der Entstehung der Zeichnung, wie sonst eher üblich. Genau wie Clowes trägt auch Wilson eine Brille, und es ließen sich viele weitere Beispiele finden, die Raum für derartige Interpretationen geben.

Bei Wilson geht Clowes nicht nur erzähltechnisch eigene Wege. Der Band, der in den USA anders als seine früheren Werke nicht vorab in Heftform als Teil  seiner Serie Eightball abgedruckt, sondern direkt als Hardcoveralbum publiziert wurde, zeigt sich auch graphisch vielseitig. Der Zeichenstil der siebzig Episoden variiert von Seite zu Seite stark. Da ist der realistische, fein detaillierte Strich, den man von früheren Arbeiten wie Ghost World kennt. Und gleichzeitig findet man viele weitere Stilarten, fast schon Entwicklungsstufen, bis hin zum reduzierten Funny-Stil, in dem Wilson als kleines Knubbelmännchen mit Riesenzinken und Knopfaugen darstellt wird. Je nach Stimmung wird neben dem Stil auch die Farbgebung gewechselt. Kolorierte Seiten voller Pastelltöne stehen neben monochromen oder mit reduzierter Palette eingefärbten Geschichten. Das geht sogar soweit, dass Sprechblasen rosarot eingefärbt werden, wenn er beispielsweise mit einer Falsettstimme spricht und damit seinen Hund nachahmt.

Wilson ist ein zynisches Portrait eines Menschenhassers, wie er in jeder Stadt wohnen könnte. Das Leben schenkt ihm nichts, also hat er auch nichts zu verschenken. Der Comic ist auf gemeine Weise lustig, verarbeitet schwere Motive wie Emotionslosigkeit oder die Unfähigkeit richtig zu kommunizieren und bringt damit die Gehirnzellen seiner Leserschaft zum Glühen. Über jeder Episode hängt die Problematik, wie schwer es ist, Freundschaften oder nur einfache Bindungen aufzubauen, die einige Jahre Bestand haben. Selbst im engsten Familienkreis. Damit stimmt Wilson melancholisch, und ist in seiner klug überdrehten Art dennoch realistisch und zeigt, dass der Blick von Clowes bis tief in die Seele eines Menschen reichen kann.



Fazit:

Mit Wilson schuf Daniel Clowes den ultimativen Klugscheißer, der niemals wirklich glücklich ist, am ehesten noch sich selber mag und mit anderen Menschen nichts anfangen kann. Die Art und Weise, wie die einzelnen Episoden aus dem unbefriedigenden Leben des Soziopathen Wilson erzählt und gezeichnet sind, ist ausgesprochen clever und sorgt für intelligentes Lesevergnügen. Clowes spielt künstlerisch mit seinem neusten Werk in einer eigenen Liga und beeindruckt auf ganzer Linie.



Wilson - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Wilson

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Eichborn

Preis:
€ 19.95

ISBN 13:
978-3-8218-6128-9

80 Seiten

Positiv aufgefallen
  • das Spiel mit dem Zeichenstil
  • sehr feinsinnig
  • tolles Design
Negativ aufgefallen
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Bewertung:
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Rezension vom: 14.12.2010
Kategorie: One Shots
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