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Comic-Besprechung - Final Crisis

Geschichten:

Final Crisis

Autor: Grant Morrison; Zeichner: J.G. Jones, Doug Mahnke, Matthew Clark, Carlos Pacheco, Jesus Merino, Marco Rudy; Tusche: Christian Alamy, Rodney Ramos, Tom Nguyen, Drew Geraci, Derek Fridolfs, Norm Rapmund, Rob Hunter, Don Ho; Farben: Alex Sinclair, David Baron, Richard Horie, Tanya Horie



Story:

Die Götter Apokolips bereiten sich darauf vor, die Erde zu ihrem neuen Olymp zu machen. Aber davon bekommen die Superhelden zunächst nichts mit, da sie den Mord an Orion, einem der New Gods, aufklären müssen, der anscheinend mit einer Kugel getroffen wurde, die sich rückwärts durch die Zeit bewegt. Als sie dem Rätsel auf die Spur kommen, ist es jedoch zu spät. Die Anti-Lebens-Formel verbreitet sich auf der Erde und macht die gesamte Menschheit zu Sklaven des Vernichters, des Herrn des Leids ... zu Untertanen Darkseids.

Und Superman? Der befindet sich auf einer Reise jenseits von Zeit und Raum, um seine tödlich verwundete Lois zu retten. Aber auf der Suche nach einem Heilmittel dringt er bis an die Anfänge des Multiversums vor und entdeckt dabei das wahre Geheimnis der Monitors. Nicht nur Darkseids Handeln gefährdet die gesamte Schöpfung, sondern die Wurzel allen Seins selbst gedeiht in fauliger Erde. Das Ende jedweden Lebens erscheint unausweichlich.



Meinung:

Die letzte Krise des DC-Universums präsentiert uns Morrison sicherlich nicht mit Final Crisis. Und sicherlich ist sie auch nicht die umfangreichste, die es je gab. Allerdings sprengt der Band inhaltlich so manches, was man so bisher aufgetischt bekommen hat. Trotzdem können sich die Geister weiter scheiden: Ist es nun der aktuelle Opus Magnum Morrisons oder präsentiert er einfach nur eine verwirrende und manchmal den roten Faden nicht mehr findende Geschichte um die JLA? Es gibt für beides Gründe, die man in die Waagschale werfen könnte, aber letztlich muss man anerkennen, dass der Band die Grenzen des Erzählens auslotet und ironisch reflektiert.

Denn bereits ein gutes Stück in die Final Crisis hinein, kann man sich schon nicht mehr sicher sein, auf welcher Erzählebene man sich befindet. Was gewissermaßen als eine Art Age of the Apocalypse für das DCU beginnt, weitet sich ganz schnell zu einer Geschichte mit mehreren Handlungsschichten aus, die letztlich das Erzählen der Geschichte selbst in Frage stellen. Zum einen geht es um die Wiederkehr der Dark Gods von Apokolips, die versuchen ihr neues Reich auf der Erde zu errichten. Zum anderen geht es um die Geschichte der Monitors und der Rückkehr an den Anbeginn des Multiversums. Diese beiden Hauptstränge laufen parallel. Manchmal scheint Morrison den einen, dann den anderen aus den Augen zu verlieren und neu zu gewichten.

Mit der Neuauflage in dem über 300 Seiten starken Sammelband wurden nicht nur die eigentlichen Final Crisis Ausgaben zusammengefasst, sondern auch mit Nebenheften ergänzt. So findet man auch Superman Beyond Teil 1 und 2, sowie Final Crisis: Submit (Gib Auf), die einzelne Handlungsstränge aufgreifen. Essentiell und mit das Beste sind dabei die beiden Superman Beyond Teile, die die ganze Geschichte nochmal auf einen ganz anderen Level katapultieren, während Gib Auf zwar auf die eigentliche Erzählung mit den Dark Gods Bezug nimmt, aber letztlich gänzlich unspektakulär daherkommt. Im Grunde wird einem bloß die neue von Darkseid geschaffene Welt vor Augen geführt.

Zwar werden in dem Kapitel Gib Auf auch Figuren eingeführt, die im weiteren Handlungsverlauf der Final Crisis wieder auftauchen, doch um ehrlich zu sein wird die Geschichte zum Ende hin eh ein Kuddel-Muddel aus so vielen Helden, dass der einzelne Charakter in dem Gemenge kaum wahrgenommen wird. Und viel Neues bietet diese apokalyptische Welt ohnehin nicht. Den Leser hätte es mehr überrascht, wenn es blühende Landschaften gegeben hätte. Stattdessen bekommt man die üblichen Gleichschaltungsszenarien, wobei Darkseids absolute Kontrolle den feuchten Traum eines jeden faschistischen Führers verkörpert. Denn Darkseid herrscht nicht einfach bloß, sondern er ist der neue Gott und alles ist eins in ihm. Sehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt, als er mit drei Milliarden Stimmen spricht, mit drei Milliarden Händen die Faust ballt und mit sechs Milliarden Augen sieht. Er führt die Menschheit in nichts anderes, als die Nacht ohne Morgen.

Herausragend sind im gesamten Band jedoch die Episoden in denen Superman vorkommt. Während man bei vielen Autoren das Gefühl hat, dass die Figur des Superman eher beengend ist, weil sie so perfekt ist, scheint sie für Grant Morrison eher befreiend zu sein. Natürlich ist man von ihm verrückte Ideen und überbordende Phantasie gewohnt (siehe allein Invisibles), aber auch für Supes findet er immer einen Rahmen, der seinen Fähigkeiten gerecht wird und ihn mit Bedrohungen von kosmischen Ausmaßen konfrontiert, die über den menschlichen Verstand gehen. Da entwickelt Superman einen 4D-Blick, versucht das Buch mit der unendlichen Anzahl an Seiten zu lesen oder reinkarniert in eine eiserne Riesenstatue, die noch vom Anbeginn der Schöpfung stammt.

Mit den Kapiteln um Superman beginnt dann auch die wesentliche Unterströmung, die das ganze Werk durchsetzt. Eine unendliche Intelligenz in der das Multiversum gedeiht und die einen Makel in sich entdeckt. In dem Makel finden sich die Welten der verschiedenen Universen und auf ihnen gedeihen Wellen chaotischer Ereignisse, oder anders: Geschichten. Die Geschichten infizieren die Intelligenz und sie beginnt selbst welche um ihre eigene Herkunft zu spinnen. So entstehen die Monitors. Oder ist alles nur Teil einer einzigen Geschichte, die alle anderen enthält? Und damit eröffnet erst das Spiel um die Macht der Kreativität und die Möglichkeiten des Mediums Comic selbst. Einfacher wird die Sache jedenfalls nicht, wenn dann auch die handelnden Figuren über die gerade in diesem Moment geschehenden Ereignisse erzählen, als seien sie Teil einer alten Gute-Nacht-Geschichte.

Es fehlt dann aber der letzte Sprung die anspruchsvollen Konzepte auch auf die graphische Ebene zu übertragen. Doug Mahnke erschafft wieder grandiose Bilder, die mit kräftiger Linienführung die Tour de Force Supermans durch das Multiversum und die finale Konfrontation mit Darkseid begleiten. Etwas weniger opulent und mehr an die Arbeiten Bryan Hitchs erinnernd, gestaltet J.G. Jones seine Seiten, während die schwächste Leistung eindeutig Matthew Clark abliefert. Seine Zeichnungen sind guter Durchschnitt, aber im direkten Vergleich hechelt er den beiden anderen ganz schön hinterher. Die anderen Zeichner sind nur für Kenner herauszulesen und ergänzen hauptsächlich die Arbeiten J.G. Jones, des eigentlichen Zeichners der Hauptserie (obwohl sich das zum Ende hin auf mehreren Schultern verteilt). Jedenfalls, um auf den eingangs erläuterten Punkt zurückzukommen, liefern die Zeichner, wenn man so will, das übliche 08/15-Spektakel ab. Es gelingt ihnen nicht und scheint auch nicht beabsichtigt worden zu sein, mit ihren Zeichnungen, ähnlich wie bei Watchmen, neue Sinnzusammenhänge herzustellen, die über das eigentliche Werk hinaus verweisen und neue Perspektiven auf den Stoff erschließen. Vom Kaliber her hätte Grant Morrisons Geschichte dazu jedenfalls durchaus Anlass geboten.

Denn er selbst zitiert letztlich auch fleißig. Die Möglichkeit aus den verschiedenen Einzeluniversen zu schöpfen, nimmt Morrison reichlich wahr. Und so findet man neben alten Bekannten, wie dem Ultraman und Captain Marvel, auch Mr. Majestics und Apollo aus dem Wildstorm-Universum sowie den Quanten-Superman von Erde-4, der nicht zufällig Dr. Manhattans (Watchmen!!) Zwillingsbuder sein könnte. Die Aufzählung könnte noch weitergehen, aber selbst so wird klar, dass der Autor mehr als das übliche Superhelden-Gekloppe abliefert. Ganz im Vorbeigehen kaspert Morrison dann auch noch die Ermordung J’onn J’onzz, die Rückkehr Barry Allens und den Tod Batmans ab. Das Gehirn braucht schon einen etwas längeren Atem, um nicht die vielen Bezüge, Handlungsebenen und mehrdeutigen Zitate aus dem Blick zu verlieren.


Demgegenüber sind manche Episoden eher trivial. Gerade die Enthüllung einer Green Lantern als auferstandener Gott von Apokolips gerät so abrupt, dass man als Leser nicht nachvollziehen kann, was ihn gerade enthüllt hat. Vor allem da aus Sicht der Ermittler nichts wirklich auf ihn hindeutete, bis er plötzlich ein Riesen Remmi-Demmi machte. Auch die durchaus in den Vordergrund gerückte Indoktrination Black Lightnings ist letztlich ziemlich bedeutungslos, genauso wie manche Handlungsstränge gefühlt recht lange dauern (Kampf gegen Mary Marvel) oder so gut wie im Nichts verschwinden (wie schafft es Wonder Woman sich Darkseids Einfluss zu entziehen).

Eine Frage, die sich dank des Sammelbandes jetzt nicht so offensichtlich stellt, ist die, ob die eigentliche Hauptserie Final Crisis 1 -7 ohne die Nebenausgaben von Superman überhaupt verständlich ist? Natürlich ist das Konzept eines großen Events marketing-technisch immer so angelegt, möglichst viele andere Ausgaben neben der Kernserie zu kaufen. Aber diese sollte doch wenigstens inhaltlich aus sich selbst heraus verständlich sein, ohne dass man am Ende statt Darkseid plötzlich einen zweiten, viel gefährlicheren Gegner präsentiert bekommt, der vorher gar nicht richtig auftauchte, sondern stattdessen in Superman Beyond.

Aber das Problem stellt sich dank des schmucken schwarzen Brockens mit dem stimmungsvollen roten Cover Gott-sei-Dank nicht. Würdiger kann man die Final Crisis nicht verpacken (na gut ... Hardcover wäre noch eine Nummer drüber gewesen).



Fazit:

Eindrucksvolles Epos, das mehr bietet als die üblichen Krisen des DC-Universums und einmal tatsächlich an den Grundfesten rüttelt ... nämlich denen des Erzählens, welches selbst zum Inhalt wird. Grant Morrison hat den großen Wurf gewagt, verhaspelt sich jedoch manchmal selbst in seinen eigenen Handlungsfäden. Trotzdem kommt man an diesem Band nicht so einfach vorbei und man sollte die Chance nutzen den Sammelband seinem Bücherregal einzuverleiben. Großes Kino, auch ohne 3D.





Final Crisis - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Final Crisis

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
DC Deutschland

Preis:
€ 24,95

ISBN 13:
978-3-86201-001-1

340 Seiten

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Positiv aufgefallen
  • geniales Spiel mit den Handlungsebenen und dem Medium Comic an sich
  • Grant Morrison lässt die erzählerischen Muskeln spielen
  • Doug Mahnke hat es wirklich drauf
Negativ aufgefallen
  • verwirrende Handhabung von Handlungsfäden
  • Zeichnungen von Matthew Clark kommen nicht ganz hinterher
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2
(3 Stimmen)
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Rezension vom: 09.11.2010
Kategorie: One Shots
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