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Comic-Besprechung - X-Men Sonderheft 27: Psylocke

Geschichten:

Kill Matsu'o, Chapter 1 - 4

Autor: Christopher Yost; Zeichner: Harvey Tolibao; Tusche: Paul Neary, Sandu Florea; Farben: Ulises Arreola, Jay David Ramos, Brian Reber



Story:

Psylocke reist nach Japan, um den Leichnam ihres früheren Körpers zu Grabe zu tragen. Bevor dieser aber unter der Erde ist, greifen plötzlich Handlager der Hand an und zerstören ihn. Geschickt wurden sie von einem alten Bekannten Psylockes: Matsu’o Tsurayaba, mit dem sie eine wechselvolle Vergangenheit teilt. Sie macht sich auf die Suche nach ihm, um endlich alle offenen Rechnungen zu begleichen. Der Preis, den Psylocke fordert, ist Matsu’os eigenes Leben.



Meinung:

Schwer zu sagen, warum man beim schnellen Durchblättern denkt, die Geschichte wäre gar nicht mal so schlecht. Auf den ersten Blick fühlt man sich an die gute alte Image-Gründungszeit erinnert, wo einem viel Zeichnung (oder geschwurbelt: Artwork) und wenig Handlung geboten wurden. Dieses warme und geborgene Gefühl nutzt sich dann beim aufmerksamen Lesen relativ schnell ab. Times are a-changin’.

Anscheinend herrschte gerade im Land der Ideen von Autor Christopher Yost Ebbe. Kurzerhand wurde ins DVD-Regal geschaut und - ach ja - Kill Bill war doch eigentlich ein ganz cooler Film. Warum also nicht einfach das Grundkonzept nehmen und das ganze dann noch pfiffigerweise Kill Matsu’o nennen? Dann wird der Comic bestimmt auch total toll und im Zweifel kann man ja sagen, es sei eine Hommage an den Kinofilm. So oder ähnlich muss es gewesen sein, funktionieren tut es jedenfalls gar nicht. Hätte man die unnötigen und ausgedehnten Kloppereien, sowie Psylockes dauernden inneren, selbstreflektierenden Dialog weggelassen, wären gerade einmal zwei Hefte dabei heraus gekommen. Wieder einmal zeigt sich, dass Einstein mit seiner Relativität Recht hatte. Der eigentliche Plot ist innerhalb von Sekunden durchschaut, während Handlung und Zeichnungen in gefühlten Stunden weiterlaufen.

Daran ändert der unbeholfene nicht-lineare Ablauf mit seinen dauernden Zeit- und Ortswechseln nicht das Geringste. Ganz im Gegenteil. Man wird zu Anfang in eine absolut belanglose Szene geworfen, in der irgendwelche unbekannten oder unwichtige Mutanten gegen einen ebenfalls nebensächlichen Schurken namens Sack antreten. Einziger Geltungszweck dieses Starts ist die Möglichkeit, der ganzen Geschichte am Ende noch so etwas wie Moral auszupressen, mit so Standards, wie Bleib-Dir-Treu und Töten-Pfui-Ba. Aber selbst diese Botschaft ist daneben gehauen, da sich Psylocke am Schluss komplett selbst widerspricht.

Jedenfalls trägt der ständige Szenenwechsel so gut wie nichts zur Handlung bei, ist zum einen inkonsequent durchgezogen und zum anderen verwirrt er mehr, als er zu erklären versucht. Die gekünstelte Verschachtelung hätte man größtenteils streichen können. Gleiches gilt für einige der Charaktere, die relativ unausgewogen in die Geschichte eingebaut wurden. Psylocke ... klar, muss drin sein. Ihr Motiv wirkt aber mehr als aufgesetzt und man spürt als Leser kaum, warum sie mit dieser brennenden Unbedingtheit handelt. Obwohl sie seit langem nichts mehr mit Matsu’o zu tun hatte, will sie ihn auf einmal mit einem Feuereifer sondergleichen umbringen, weil er ihre Leiche vernichtet hat (die Erklärung dazu überlassen wir mal dem Vor- und Nachwort des Heftes)? Psylocke erläutert zwar viele ihrer Handlungen im Comic, verstehen tut man es dennoch nicht wirklich. Demgegenüber hat Jinn ein ausgeprägtes Motiv für sein Agieren, seine Anwesenheit dehnt die Handlung jedoch unnötig aus und reduziert sich bei genauerem Hinsehen auf die Rolle eines weiteren Prügelknaben für Psylocke. Dabei wollen beide eigentlich sogar dasselbe. Ansonsten geben sich noch Wolverine und Yukio die Klinke in die Hand.

Mit den Charakteren hat es der Comic also nicht so. Mit Zeichnungen allerdings auch nicht. Damit dass nicht im falschen Hals landet. Zeichner Harvey Tolibao gibt sich wirklich Mühe die Figuren gut rüberkommen zu lassen. Er probiert sich an den Perspektiven aus und versucht die Szenen dynamisch und agil zu gestalten. Als Cover- oder Pin Up-Artist hat er sicherlich seine Qualitäten (siehe auch seine Homepage bei DeviantArt). Doch in Sachen Panelaufbau und strukturierter Erzählweise schuldet er, wenn man allein nach dem vorliegenden X-Men Sonderheft: Psylocke geht, dem Comic-Genre weiterhin einiges an Lehrgeld. Die Panels sind an sich abwechslungsreich gestaltet und nutzen das Spektrum geometrischer Formen reichlich aus. Aber weder bringen sie der Geschichte oder dem Layout etwas, noch fügen sie sich in die Dramaturgie des Ganzen ein. Es wirkt, als hätte Tolibao ein bisschen mit dem Aufbau gespielt und zwar gänzlich unabhängig von der zugrunde liegenden Geschichte. Im Comic sollte beides aber eine Einheit bilden und mit dem Handlungsfaden verschmelzen. Beim X-Men Sonderheft: Psylocke ist dieses Zusammenspiel eher vom Zufall abhängig.

Andererseits ist Tolibao bemüht die Schauplätze und Figuren detailliert und ansprechend zu präsentieren. Seine Interpretation der Ninjas von der Geheimorganisation Die Hand gehört beispielsweise zu den besseren Versuchen an diesem Meuchelmörderbund. Werden sie sonst ewig gleich, wie gepimpte Versionen der Foot-Soldiers aus Teenage Mutant Ninja Turtles dargestellt, verleiht Tolibao ihnen einen geradezu orientalischen Touch und verpasst ihnen geringfügig Merkmale, die sie mehr wie Individuen erscheinen lassen. Auf der anderen Seite bekommt der Zeichner ab und an die Größenverhältnisse nicht in den Griff und Wolverine fehlen jedes zweite Mal die unteren Reißzähne. Oft sieht man lediglich die oberen, weshalb er mit seinen roten Augen mehr einem Vampir ähnelt.

Cover? Hat jemand Cover gesagt? Es ist zwar schön eine ansprechende Dame präsentiert zu bekommen, doch warum hat der Cover-Artist David Finch Psylockes Kopf dermaßen klein und barbiehaft gezeichnet? Da hätte das Cover zu Heft 3 der amerikanischen Ausgabe um Längen besser gepasst. Feine Schraffuren, dunkler Rahmen mit einer hilflosen Psylocke und Jinn in dramatischer Pose im Hintergrund. Da stimmt einfach alles. Dies sind die Finch-Cover, die man gelernt hat zu lieben. Na gut, mit den Arschbacken voran, verkauft sich der Comic vielleicht besser?

Der Twist am Ende reißt die Geschichte wieder etwas nach oben und bietet mehr, als das bisherige Wer-bringt-Matsu’o-als-erster-um. Insoweit ist er ganz passabel. Man fragt sich aber, ob man Wolverine die später zur Schau gestellte Grausamkeit wirklich zugetraut hätte. Und beim zweiten Hinsehen fällt einem auch das schlechte Timing von Matsu’o selbst auf. Ohne hier zuviel verraten zu wollen, wählte er seine Aktionen genau in dem Zeitpunkt, in dem sie am ehesten hätten schief gehen können.

Vielleicht regt man sich am Ende nur so über den Comic auf, weil er größere Erwartungen in einem weckte und er dem Charakter von Psylocke letztlich nicht gerecht wird. Aber er bietet einfach zu viele inhaltliche und logische Stolpersteine. Es macht eben keinen Sinn, wenn Psylocke Matsu’os Aufenthaltsort herausbekommen möchte und sich dafür mit Horden von Asiaten kloppt, statt häufiger ihr Gedankenlesen zu benutzen. Und albern wirkt es, wenn am Ende dauernd eine Krankenschwester durchs Bild läuft, die ihre Uniform anscheinend in einem Beate Uhse-Shop gekauft hat. Das ist nicht nur pubertär, sondern will so gar nicht zu der tragischen Stimmung im Schlussakt passen. Aber bei X-Men Sonderheft: Psylocke passt leider so einiges nicht.



Fazit:
Wenig inspirierter Kill Bill-Aufguss mit einer ansehnlichen Psylocke. Was eine spannende Geschichte hätte werden können, zu soviel taugt der Dreher am Schluss jedenfalls, verkommt zum halbgaren Superheldenverschnitt mit einer Prise Asia-Feeling. Psylockes Charakter hätte wahrlich mehr verdient. Zumindest der Preis stimmt.



X-Men Sonderheft 27: Psylocke - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

X-Men Sonderheft 27: Psylocke

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 6,95

ISBN 10:
4-196873-306953

100 Seiten

Positiv aufgefallen
  • David Finch als Cover-Artist
  • Zeichner Tolibao gibt sich Mühe ... allein es reicht nicht
  • Twist am Ende ganz passabel
Negativ aufgefallen
  • lauer Abklatsch von Kill Bill, gekünstelte tarantino-esque Zeit- und Szenensprünge
  • Strukturierung und Aufbau der Panels dienen nicht der Handlung
  • einfach keine gute Geschichte
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
5.5
(2 Stimmen)
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Rezension vom: 28.09.2010
Kategorie: X-Men
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