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Comic-Besprechung - Iron Man 5: Heldenfragmente

Geschichten:

Iron Man: Requiem
Autor: Matt Fraction; Zeichner: Kano; Farben: Kano

Stark: Disassembled, Part 1 – 5
Autor: Matt Fraction; Zeichner: Salvador Larroca; Farben: Frank D’Armata



Story:

Mit seinem Griff zur Macht begehrte Norman Osborn nicht nur die Kontrolle über S.H.I.E.L.D., sondern zugleich den Zugriff auf geheime Daten über Amerikas Superhelden und die Technologien von Stark Industries. Darunter das Wissen über die Iron Man Rüstung und ihre Repulsorenergie. Diesem Streben kam Tony Stark radikal zuvor. Neben den Datensätzen bei S.H.I.E.L.D. löschte er auch das Wissen in seinem Kopf, um Osborn die Verwertung seiner Kenntnisse für immer unmöglich zu machen. Seitdem befindet sich Stark in einem Wachkoma, gefangen in der aus Erinnerungsresten gestalteten Welt seiner verbliebenen Gedanken. Ebenso wie die Superhelden in der realen Welt versucht er seinen Verstand neu zusammenzusetzen. Doch trotz aller klugen Voraussicht Tonys bedarf es mehr als einer technologischen Lösung. Und so begibt sich Dr. Strange als spiritueller Begleiter in Starks verbliebenen Verstand und versucht zu retten, was zu retten ist. Doch es sind nicht nur die Geister der Vergangenheit, die Tony plagen. Ihn bedroht noch ein anderes Unheil. Sein Name: Ghost.



Meinung:

Fragmente sind das einzige, was von Tony Starks Erinnerungen und seinem Wissen übrig ist. Ganz vollständig war die Löschung seines Geistes nämlich nicht. Einige Bruchstücke blieben zurück. Und ohne genau zu wissen wer er ist und was er sucht, irrt Tony Stark durch die Wüste seines Verstandes und der Leser folgt ihm dabei. Die Introspektive Starks ist eigentlich interessanter als das ganze Superhelden-Gedöns drumherum. Sechs Seiten des ersten Kapitels (Prolog nicht mitgezählt) bestehen gänzlich aus einem Monolog Starks, den er vor seiner Selbstauslöschung aufgezeichnet hatte. Dort sagt er den anwesenden Helden nicht nur, wie sie seinen Körper aus dem Wachkoma mitsamt seinem Verstand zurückholen können, sondern legt Rechenschaft ab über die Ereignisse die zu dieser Situation führten. Dabei referiert Stark über sich und seine Rolle als Superheld in der Welt. Auch wenn man lediglich Tony sprechen sieht, wird es einem kein einziges Mal langweilig.

Was folgt ist der verzweifelte Kampf eines der dereinst mächtigsten Männer auf der Erde zurück ins Leben. Dabei ist manchem gar nicht mal so klar, ob Stark es überhaupt verdient, gerettet zu werden. So viele sind bereits gestorben, während des Civil War, der Invasion und der Dark Reign. Warum darf ausgerechnet Tony Stark, der für einige der Ereignisse eine erhebliche Mitverantwortung trägt, wieder zurückkommen? Eigentlich mal eine interessante Frage, nachdem inzwischen jeder C-Superheld ohne Nöte wiederbelebt wird und damit die Glaubwürdigkeit des Todes innerhalb der Comicversen weiter ad absurdum führt. Iron Man Band 5 bietet dieses Thema in einer anderen Variation an, beleuchtet den Aspekt des „Zurück dürfens“ jedoch nicht allzu lange. Denn die mit sich hadernde Pepper willigt schließlich doch ein. Allerdings nicht ohne eine gewisse Bitterkeit und man kann eigentlich nur hoffen, dass der Autor diesen Faden irgendwann wieder aufgreift.

Ganz so einfach, wie es sich die Superhelden und selbst Tony gedacht hatten, wird die Rettung aber nicht. Nachdem die technischen Möglichkeiten erschöpft sind, bedarf es eines spirituellen Beistandes in Person von Dr. Strange, um Tony aus dem Irrgarten seines Geistes heraus zu holen. Parallel dazu läuft eine geheime Aktion von Madame Masque, die, nachdem Norman Osborn kein Kopfgeld mehr auf Tony Stark setzt, den Multi-Milliardär trotz allem umbringen lassen will. Helfen soll ihr dabei das Thunderbolts-Mitglied Ghost. So fadenscheinig Masques Grund ist, sich Osborns ausdrücklicher Anweisung zu widersetzen, so aufgesetzt wirkt auch der sich daraus entspinnende parallele Handlungsstrang. Die realen Abschnitte sind dann auch der schwächste Teil des ganzen Comics. Was bedauerlich ist, denn der Band entfernt sich immer mehr von der interessanten Innenperspektive auf das außerhalb ablaufende Geschehen.

Was dann der Höhepunkt der Traumsequenz sein sollte, nämlich die Konfrontation Starks mit seinen Eltern und dem von ihnen hinterlassenen blutbefleckten Erbe, wird zwar optisch ansprechend umgesetzt, aber handlungstechnisch unreflektiert abgespult. Die Szene bleibt an sich gut, hätte aber dennoch eine tiefere Auseinandersetzung verdient. Statt dessen bekommt man mehr von dem nicht ganz stringenten Kampf zwischen Ghost und den mageren Beschützern von Tony mit. Anstatt ihn einfach mit seinen Phasenkräften (oder was auch immer) zu töten, müht sich Ghost zunächst ab, den im Koma liegenden Stark zu ersticken. Erst als er ein weiteres Mal gestellt wird, kommt er auf die Idee seine Kräfte zu benutzen, führt es aber dann aus unerfindlichen Gründen erstmal nicht zu Ende. Das unsinnige Hin und Her am Schluss ist mal so gar nicht spannend und allzu logisch leider auch nicht. Woher hat Pepper ihr Wissen, welches ihr am Schluss hilft? Wohin sind eigentlich die ganzen Helden verschwunden?

Betrachtet man die Traumsequenzen davon losgelöst, kann man durchaus verstehen, warum die Serie unter Matt Fraction 2009 den Eisner Award für „Best New Series“ erhalten hatte. Es wird trotz aller spannenden und klassischen Superhelden-Momente hauptsächlich ein Charakterbild Tony Starks entwickelt, welches sich nicht nur mit einem Neuansatz der Serie befasst, sondern auch den Bogen zur Vergangenheit schlägt. Zumal auch mit der Frage, welcher Vergangenheit eigentlich. Denn der Tony, den wir zu Beginn während des Prologes in der Höhle antreffen ist sich selbst nicht sicher, welche Vergangenheit für ihn gilt. Die durch Warren Ellis geschaffene mit dem Bau der Rüstung in Afghanistan oder die eigentlich ältere von Stan Lee und Larry Lieber, die den Vietnamkonflikt thematisierte (außen vor gelassen wird jedoch die Anpassung von Iron Mans Entstehungsgeschichte an den Golfkrieg in den 90ern)?

Gänzlich weggefallen ist dabei allerdings ein ganzer Teil des ersten Kapitels. Die amerikanische Ausgabe von Iron Man: Requiem enthielt anscheinend eine neu aufgelegte Version der Ursprungsgeschichte aus Tales of Suspense #39. Die allererste Ausgabe mit Tony Stark aus dem Jahre 1963 wurde komplett überarbeitet und neu koloriert. Warum diese den deutschen Lesern vorenthalten wurde, erschließt sich nicht. Zwar verliert das Kapitel dadurch nicht, vor allem bleibt das intertextuelle Spiel mit den verschiedenen Entstehungsgeschichten erhalten, von denen eigentlich bloß der Leser wissen sollte und nicht die Comic-Figur Tony Stark. Aber irgendwie schade ist es doch.

Ansonsten sind in Iron Man 5 einige vielversprechende Zwischentöne zu vernehmen, die hoffentlich im weiteren Verlauf der Serie ausführlicher thematisiert werden. Ist der zurückgekehrte Tony, trotz seiner Anpassung an das Kinofilm-Alter Ego, immer noch derselbe? Wie wird sein Umfeld auf seine Rückkehr reagieren? Wird sich die zunehmende Mechanisierung von Tonys eigenem Körper irgendwann negativ auswirken? All diese Fragen werden vom Matt Fraction angedeutet und bergen das Potential den Charakter Starks noch feiner zu modellieren. Aber keine Sorge, ganz verschwinden wird der alte Tony dadurch nicht. Selbst im Wachkoma gelingt es ihm ohne Probleme zwei gehörnte Frauen gegen sich aufzubringen.

Wer sich in Iron Man 5 erstaunlich schwer tut, ist Zeichner Salvador Larocca. Ganz und gar kein Neuling in der Comic-Szene wechselt die Qualität seiner Zeichnungen ungewöhnlich häufig. Einige Male wirken die Szenen in der realen Welt künstlicher und steriler, als in der Traumwelt Starks. Bei den Hintergründen gibt sich Larocca nicht wirklich viel Mühe und sie sehen vielfach so aus, als seien sie aus einem Buch für Perspektive entlehnt. Viel zu statisch, zu gerade Linien, zu kantig, zu schlicht und einfach leblos. Zuviel Komposition am Computer könnte dies erklären. Und wo wir gerade bei Perspektive sind, gelingt es Larocca ebenfalls nicht immer die Figuren der Perspektive anzupassen. Dadurch gerät die Größenverteilung stellenweise in Schieflage, auch wieder vorwiegend in den realen Sequenzen. Bei der Maske des Schurken Ghost fiel die Darstellung ebenfalls etwas schwer. Durch den Verzicht auf deutliche Schattenfelder und Schattierungen (die Szenerien wirken manchmal, wie zu stark ausgeleuchtet), erkennt man bei Ghosts Mundstück größtenteils nicht, ob es nach vorne gewölbt oder nach hinten gebogen ist.

Was neben dem weggefallenen Abschnitt aus Iron Man: Requiem ebenfalls negativ auffällt, ist die Coverwahl. Vorder- und Rückseite von Iron Man 5 bestehen aus einem im Comic vorkommenden Panel, welches a) größtenteils unspektakulär ist, b) kein Beispiel für einige der besseren Zeichnungen von Larocca ist und c) als Motiv angesichts der im Band abgedruckten Original-Cover ganz schön weit abfällt. Die stylisierten Covers der amerikanischen Original-Ausgaben sind wunderbar anzusehen, kreativ und gut durchdacht. Auch für den deutschen Band hätten sie sehr viel besser gepasst und wären allemal ansehnlicher gewesen. Da hat man als Leser wieder mal Fragezeichen vor den Augen.



Fazit:
Ein Iron Man-Comic gänzlich ohne den Auftritt des Stählernen ist nichts grundlegend Neues. Doch erwachsen daraus oftmals die interessantesten Perspektiven auf Tony Stark und sein Umfeld. Tonys Kampf zurück aus den Gestaden seiner zerbröckelnden Traumwelt stellt den Höhepunkt des Bandes dar. Ganz durchhalten kann Iron Man 5 diese Konzentration auf das Innere seiner Hauptfigur leider nicht. Deshalb schrammt es nur knapp an einer uneingeschränkten Zugreifen-Empfehlung vorbei.



Iron Man 5: Heldenfragmente - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Iron Man 5: Heldenfragmente

Autor der Besprechung:
Alexander Smolan

Verlag:
Paninicomics

Preis:
€ 14,95

ISBN 10:
4-197977-414957

132 Seiten

Iron Man 5: Heldenfragmente bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • packende Auseinandersetzung Tonys mit sich selbst
  • Traumsequenzen auch optisch das Beste
  • vielversprechendes Potential für weitere Handlung
Negativ aufgefallen
  • paralleler Handlungsfaden zu dünn
  • was ist mit Larocca los?
  • warum fehlt "Tales of the Suspense #39"?
  • Coverwahl
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Rezension vom: 21.09.2010
Kategorie: Iron Man
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