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Comic-Besprechung - O'Boys1: Das Blut des Mississippi

Geschichten:

Das Blut des Mississippi (Originaltitel: „O’boys 1: Le sang du Mississippi“)

Autor: Philippe Thirault; Steve Cuzor (Idee) Zeichner: Steve Cuzor; Kolorierung: Steve Cuzor, Meephe Versaevel



Story:
Die Vereinigten Staaten von America in den 1930er Jahren: die Südstaaten, genauer gesagt, der Staat Mississippi. Dort, in dem kleinen Kaff Morgan City beginnt und endet die Geschichte der beiden ungleichen Kumpels Huck Finn und Charley Williams. Huck, der weiße Junge, der erlebt wie sein Bruder Tom ertrinkt und dessen Vater ein gewalttätiger Schmuggler und Säufer ist, wächst in Armut auf und liebt nichts mehr als Jazz- und Black-Musik. Charley, der um einige Jahre ältere Schwarze, träumt von einer Karriere als Musiker, hat er doch den Delta Blues im Blut.

Die beiden treffen sich, als Huck von einem kinderlosen, älteren Paar adoptiert wird. Sein richtiger Vater ist aufgrund eines Morddelikts verschwunden. Sein Adoptivvater Mortimer Denis besitzt eine Catfish-Zuchtanlage und beschäftigt jede Menge Schwarze. Huck überredet Charley, ihn in den Juke Joint, eine verrauchte Musik-Bar, mit zu nehmen. Dort darf er jedoch nicht bleiben, denn Schwarz und Weiß gehören nicht zusammen. Die Zeichen stehen auf Sturm. In der wohlhabenden Welt seiner Adoptiveltern fühlt sich Huck nicht wohl, und Charley hat grundsätzlich seine Probleme mit regulärer Arbeit, macht er doch viel lieber Musik.

Aber all diese Widrigkeiten sind gar nichts gegen die Hindernisse, die das Schicksal ihnen in den Weg stellt, als Hucks leiblicher Vater wieder auftaucht und den Jungen zum Diebstahl erpresst. Huck fasst einen genialen Plan. Sein inzenierter Tod soll die Erlösung bringen. Eine darauf folgende Reise, oder besser Flucht, nach Kalifornien scheint der einzige Ausweg aus seinem verfahrenen Leben …




Dieser Comic wurde mit dem Splash-Hit ausgezeichnet Meinung:
Steve Cuzor ist von den Südstaaten der USA und besonders dem Mississippi-Delta regelrecht angefressen. Dies gibt er in Interviews gerne zu Protokoll. Er mag die Jazz-Musik, diesen Flair des alten Südens, die Mangrovensümpfe, den Ol‘ Man River. Cuzor verbindet mit den Südstaaten ergreifende Abenteuerliteratur wie Tom Sawyer & Huckleberry Finn und Onkel Toms Hütte genauso wie die emotionale Musik eines Louis Armstrong oder Robert Lee Johnson.

Mit der Idee für eine Comicserie, die inspiriert ist von Mark Twains Die Abenteuer von Huckleberry Finn, ging er auf die Suche nach einem Szenaristen und fand Philippe Thirault. Das von Ehapa auf Deutsch vorgelegte Ergebnis kann sich wahrlich sehen lassen. Die auf vier Bände angelegte Geschichte macht zwar Anleihen bei Mark Twain, ist aber in Teilen brutaler und kompromissloser. Hucks Vater verteilt nicht nur Prügel mit dem Ledergürtel, sondern schlägt auch schon mal einem Widersacher mit der Axt den Kopf ab.

Der Einstieg in Das Blut des Mississippi fällt leicht. Mit einem voice over berichtet Huck, der Ich-Erzähler, aus seinem Leben. Vier Jahre lang waren er und Charley unzertrennlich. Sie reisten als blinde Passagiere mit der Eisenbahn wie Hobos durch das weite Land der USA. In einer breit angelegten Rückblende erzählt er ab Seite 2 von seinen Abenteuern.

Auf den Umschlaginnenseiten sind zwei alte, braunstichige Schwarzweißfotos aus dem Mississippi-Delta abgedruckt. Sie zeigen eine windschiefe, klapprige Hütte auf dem Fluss der Flüsse, davor ein Farbiger in einem Kahn und ein Hausboot vorne im Band sowie eine Luftaufnahme von der überfluteten Stadt Jackson, bei der man nur noch die Dächer der Häuser sieht, hinten im Band. Diese Fotos sagen mehr als tausend Worte. Es war die Zeit der Armut, als die Segregation zwischen Arm und Reich noch deutlich vorhanden war. Arbeit war für die Schwarzen knapp, die einzige Freude bereitete die Musik. Die Bars, die einfache Kleidung, der obligatorische korrupte Sheriff, eine Treibjagd auf einen vermeintlichen Mörder: O’Boys fängt das ambivalente Flair der Südstaaten jener Tage treffend ein.

Die Zeichnungen von Cuzor sind ansprechend und gefällig. Er beherrscht einen filmischen Seitenaufbau ebenso wie die Darstellung von Licht und Schatten oder die subtile Inszenierung verschiedener Perspektiven. Die Kolorierung passt sehr gut zum dargestellten Ambiente. Sehr schön sind die Seiten, in denen monochrome Farben eingesetzt wurden, etwa bei Szenen, die in der Nacht spielen. Schließlich runden Cuzors atmosphärische Landschaftsbilder den positiven Geamteindruck ab. 

Fazit:
Das Blut des Misssissippi ist ein toller Auftakt einer klassischen Buddy-Geschichte, die den Leser in die Welt der Südstaaten der USA in den 1930er Jahren entführt. Huck und Charley haben bereits einiges erlebt, als sie aus einer Flucht heraus ihre richtige Reise antreten. Wohin sie ihr Weg führt, wissen sie nicht. Aber eins scheint klar: „Huck Finn, Hobo der Flüsse und des Pechs, zieht weiter in Richtung Schlamassel!“

Wer gute Abenteuerstories im Geiste von Mark Twain mag, darf sich diesen und alle Folgebände nicht entgehen lassen. Ein rundum überzeugender Start!



O'Boys1: Das Blut des Mississippi - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

O'Boys1: Das Blut des Mississippi

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Egmont Comic Collection

ISBN 13:
978-3-7704-3348-3

68 Seiten

Positiv aufgefallen
  • authentisches Südstaaten-Ambiente
  • unterhaltsame Geschichte
  • schönes Covermotiv
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1
(1 Stimme)
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Rezension vom: 07.09.2010
Kategorie: O'Boys
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