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Comic-Besprechung - Die Verwandlung

Geschichten:

Die Verwandlung

Autor: Franz Kafka, Szenarist: Eric Corbeyran, Zeichner, Inker & Colorist: Richard Horne



Story:
Gregor Samsa wacht eines Tages auf und stellt fest, dass er als Ungeziefer im Bett liegt. Als er feststellt, dass es sich nicht um einen Alptraum handelt, dreht sich die Spirale fortan unaufhaltsam abwärts. Trotz seines friedfertigen und unschuldigen Lebens als Käfers wird er von seiner Familie verstoßen.


Meinung:

Wenn sich ein Text von Franz Kafka als Graphic Novel besonders gut eignet, dann seine mit phantastischste Arbeit Die Verwandlung. In seiner zeitlosen Novelle von 1912 verbindet der jüdisch-tschechische Schriftsteller phantastische Elemente mit einem trockenen Realismus zu einer spitzfindigen Groteske, die zum Kanon der Weltliteratur zählt.

Der vielfach ausgezeichnete Szenarist Eric Corbeyran und der talentierte Zeichner Richard Horne arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen. Bei Knesebek liegt nun mit ihrer Kafka-Adaption nach Marcel Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit von Stéphane Heuet die zweite Graphic Novel vor, die auf einem literarischen Klassiker beruht. Man darf gespannt sein, ob noch weitere Adaptionen folgen werden und welchen Titel der Verlag dann veröffentlicht.

Das Grauenhafte – die Verwandlung in einen und das Dasein als Käfer – wird in allen Details, beinahe im Stile eines rationalen Tatsachenberichts geschildert. Die emotional nüchterne Art der Erzählung und die Ungeheuerlichkeit des Inhalts stehen in einem krass gegensätzlichen Verhältnis zueinander, wodurch dem Fiktiven die Qualität des Gewöhnlichen verliehen wird. In jedem der drei Kapitel dringt Gregor einmal aus seinem Zimmer hervor.

Jedes der drei Kapitel endet mit einer körperlichen und seelischen Verletzung Samsas. Durch diese wiederholende Handlungsstruktur wird das Verhältnis der Familie zu Samsa zum einem ins Extreme gedehnt, aber zum anderen auch veranschaulicht und konkretisiert. Daneben wird die Erzählung von einer zweiten Entwicklungslinie strukturiert. Denn mit Gregors Sturz geht außerdem der Aufstieg der restlichen Familie einher.

Durch einen Spagat zwischen Werktreue und individueller Interpretation gelingt dem Duo Corbeyran und Horne eine kongeniale Comicadaption. Ihre düstere Version von Kafkas Novelle entpuppt sich von Beginn als dichte Noir-Umsetzung, was unmittelbar an Tim Hamiltons Graphic Novel Fahrenheit 451 (Eichborn Verlag) erinnern lässt – ebenfalls einer Noir-Adaption, von Ray Bradburys gleichnamiger Anti-Utopie.

Die Erzeugung der Noir-Atmosphäre gelingt vor allem auf der grafischen Seite. Genretypische Elemente wie schattenwerfende Fenstergitter, die Samsas Ausweglosigkeit symbolisieren, die bedrückende Enge in der Wohnung der Samsa sowie die visuelle Dominanz von Dunkelheit werden kongenial mit dem Originaltext der Vorlage verbunden. Hornes individueller, leicht eckiger Strich erinnert streckenweise an Mike Mignolas (zum Beispiel Hellboy Band 10; Cross Cult) unverkennbaren Zeichenstil. Auch die ausgewaschenen Farben tragen ihren Anteil zur stimmungsvollen Ästhetik bei.

Corbeyran inszeniert die Groteske indem er oft die Vogelperspektive einsetzt. Samsa wirkt als Ungeziefer dadurch noch kleiner und armseliger, wodurch dessen Außenseiterstellung innerhalb seiner Familie zusätzlich betont wird. Rückblenden in Samsas Vergangenheit als Mensch und Stadtansichten sorgen für Abwechslung und Auflockerung der Enge innerhalb der Wohnung, die ansonsten der einzige Schauplatz bleibt. Den „Tatsachenbericht“ aus der Vorlage legt der Szenarist in Voice Overs über die Bilder Hornes.



Fazit:
Kongeniale Adaption eines zeitlosen Literaturklassikers. Die dicht erzählte und in Noir-Bildern umgesetzte Geschichte eignet sich hervorragend, um Comicleser für das groteske Kafka-Werk zu begeistern.

Die Verwandlung - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Verwandlung

Autor der Besprechung:
Marco Behringer

Verlag:
Knesebeck

Preis:
€ 19,95

ISBN 10:
3868732667

ISBN 13:
978-3868732665

48 Seiten

Die Verwandlung bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • literarischer Klassiker als Noir-Adaption
  • dichter Erzählstil
  • düstere Zeichnungen und individueller Zeichenstil
  • tolle Covergestaltung: schlicht und treffend
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2.38
(8 Stimmen)
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Rezension vom: 08.09.2010
Kategorie: Rezensionen
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Unser Leser ukart schreibt dazu:Note: 6
Kafka ja, Comic ja, beides zusammen nein
Ich bin ein großer Fan von Kafka sowie von guten Comics.
Beides zusammen ist aber wirklich nicht zu ertragen.
Ein solches Buch auf einen Comic mit 48 Seiten zu reduzieren ist ein Witz.
Dazu sind die Zeichnungen mittel Klassik. Was einem Werk von Kafka nicht gerecht wird.
Wenn jemand eine Bildnerische Umsetzung ges Buches sucht, kann ich nur folgendes empfehlen :
Bildnerische Betrachtungen zu Kafkas "Die Verwandlung"
Martin Linnartz.