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Comic-Besprechung - Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften

Geschichten:

Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften
Ein Beitrag zur Geschichte der Kindermedien
(Originalausgabe)


Autor: Dr. Peter Lukasch



Story:
Peter Lukasch legt eine Betrachtung der deutschsprachigen Kinder- und Jugendzeitschriften vor, die in elf Kapitel unterteilt ist.

Sein, laut Untertitel, Beitrag zur Geschichte der Kindermedien ist chronologisch gegliedert. Er beginnt mit den Jugendzeitschriften des 18. Jahrhunderts und endet mit den Kinder- und Jugendzeitschriften der Gegenwart. Dazwischen gibt es einen Exkurs über den Kampf gegen Schmutz und Schund in Österreich.

Meinung:
Micky Maus ist eine Kinderzeitschrift, genauer gesagt ein Magazin. Das ist nicht nur die offizielle Bezeichnung des wöchentlichen Hefts aus dem Hause Egmont Ehapa, sondern auch die Ansicht von Dr. Peter Lukasch, ein österreichischer Jurist im Ruhedienst, der im Frühjahr 2010 eine bemerkenswerte Untersuchung der bevorzugten Zeitschriftenlektüre der Kinder in deutschsprachigen Ländern vorgelegt hat (vorwiegend Deutschland und Österreich, die Schweiz kommt so gut wie gar nicht vor).

Hinter dem etwas sperrigen Titel Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften verbirgt sich eine ziemlich akribische Analyse der gesamten Palette der Publikationen, die diesem Bereich zugeordnet werden können. Dem Bereich „Comics“ und gezeichneter Unterhaltung im Allgemeinen wird an vielen Stellen breiten Raum eingeräumt. Hier ist aus Sicht des Comiclesers das Kapitel Die Jugendzeitschriften im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts von besonderem Interesse. Neben den alten Bekannten Micky Maus, Fix & Foxi, Superman, Tarzan, Sigurd und Co. wird unter anderem die Wechselwirkung zwischen Fernsehen und Printmedien für Kinder beleuchtet. Frühe Animes hatten in der Zeit vor dem Privatfernsehen großen Einfluss auf eine ganze Generation und wurden stets mit einer oder gar mehreren Comicserien begleitet. Wickie und die starken Männer, Barbapapa, Die Biene Maja, Pinocchio, Heidi, Sindbad, Nils Holgersson, Puschel das Eichhorn, Alice im Wunderland – jede dieser japanischen TV-Serien hatte damals einen oder mehrere Comics zu bieten, damit sich der kindliche Leser zusätzlichen Lesestoff zu Gemüte führen konnte.

Was ist eine Kinderzeitung oder eine Jugendzeitschrift überhaupt? Eine Definition ist nicht so einfach, weshalb es passieren kann, dass man viele verschiedene Titel genannt bekäme, würde man eine spontane Umfrage in einer x-beliebigen Fußgängerzone starten. Peter Lukasch probiert es in seiner vielsichtigen Einleitung dennoch, und es wird schnell klar, dass es fließende Übergänge zur Kinder- und Jugendliteratur (Stichwort: Bilderbücher, Romane für Kinder) oder zu Cartoon-Sammlungen und reinen Comics gibt.

Dass hier ein sehr weites, wie breites, Feld beackert wurde, wird spätestens klar, wenn man sich im ersten Kapitel in die Materie einliest. Lukasch beginnt im 18. Jahrhundert. Bis dahin galten Kinder, sobald sie der pflegenden mütterlichen Fürsorge entwachsen waren, als kleine Erwachsene, die auch als solche behandelt wurden. Erst in der späten Aufklärung definierte man die Kindheit als eigenen Lebensabschnitt, den man gezielt fördern oder beeinflussen konnte.

Die erste deutschsprachige Kinderzeitschrift war das Leipziger Wochenblatt für Kinder. Sie erschien von 1772 bis 1774 bei Crusius in Leipzig, hatte einen Umfang von acht Seiten, nur ganz wenige Bilder und kostete 6 Pfennige. Inhaltlich wurden Fabeln, Erzählungen, Briefe, Rätsel, Gedichte und ähnliches geboten. Die erste erfolgreiche Jugendzeitschrift war der Kinderfreund und erschien von 1775 bis 1782.

Fast schon archäologisch muss es zugegangen sein, als Lukasch diese und viele andere Informationen zusammengetragen hat. Er selber sieht sich als interessierter Sammler, dessen Beschäftigung mit alten Kinderzeitungen über das nostalgisch motivierte Schmökern hinausgeht. Für ihn ist es mehr als nur eine Zeitreise. Es hat sehr viel mit Geschichte und Kulturgeschichte zu tun. In seinem Vorwort stellt er treffend fest: „[Die Beschäftigung] öffnet uns nämlich ein Fenster in vergangene Jahrzehnte und Jahrhunderte zurückliegende Epochen, deren Ansichten und Probleme aus einer völlig ungewohnten, in ihrer naiven Unmittelbarkeit frappierenden Perspektive deutlich werden. „

Lukasch versteigt sich nicht in eine langweilige Auflistung der Publikationen, die ins Themengebiet gehören. Durch geschickte Verknüpfung von Informationen, Zitaten und Anekdoten gelingt ihm eine höchst interessante Beschreibung eines Printmediums von den Anfängen im 18. Jahrhundert bis heute. Alle wichtigen Bereiche werden abgedeckt, dabei gibt es immer wieder kleine Ausflüge in die jeweilige Zeitgeschichte. Jugendblätter, Jugendlust, Der gute Kamerad, Die Kinderlaube,  Illustrierte Kinderwelt, Rama-Post vom kleinen Coco, Dideldum, Blaubandwoche, Papagei, Schmetterling, Kiebitz, Kinderpost, Liliput, Pinguin, Das Zelt, Junior Magazin, Rasselbande – selbst Bravo, Twen oder Konkret werden bedacht. Und das ist nur eine kleine Auswahl der Titel, die Lukasch in seinem Buch behandelt.

Sehr schön sind weiterführende Erklärungen, die mit feinem Gespür als Fußnoten platziert werden und anders, als bei ähnlicher Fachliteratur, wirklichen Mehrwert besitzen. Für den unbeleckten Leser werden nicht selten auch Literaturbegriffe kurz erläutert, ob Aufklärung, Biedermeier, Pietismus, Volksbücher, Schwarze Pädagogik, Thekenliteratur, Wandervogelbewegung – wer nicht mehr genau weiß, was sich hinter dem ein oder anderen Begriff verbirgt, dem wird kurz und prägnant geholfen. Das Gleiche gilt übrigens für die vielen heutzutage vergessenen Zeichner, die erwähnt werden. Zu den meisten werden in ein, zwei Sätzen Lebens- und Publikationsdaten geliefert.

Das umfangreiche Werk ist vorzüglich illustriert mit vielen Schwarzweiß-Abbildungen, aber auch einigen Farbbildern. Neben dem Hauptthema gibt es sehr ausführliche Abstecher in den Bereich der Heftromane und den Kampf gegen Schmutz und Schund. Es wird deutlich, wie sich die Moral- und Wertvorstellungen mit der Zeit geändert haben. Kaum zu glauben: was nach dem 2. Weltkrieg noch für Aufregung gesorgt hat, das ruft heute nicht mal ein Achselzucken hervor.

Was man abschließend besonders erwähnen sollte, denn es ist für diese Art von Sekundärliteratur nicht selbstverständlich, versteigt sich so mancher Autor doch in abgehobenes, elitäres Blabla: die knapp 400 Seiten sind sehr anschaulich geschrieben und lassen sich flüssig lesen. Man bekommt richtig Lust, sich den einen oder anderen Titel zu besorgen oder „auszugraben“. Der zu erwartende muffige Geruch wird in den meisten Fällen ganz sicher vom wohligen Glanz in den Augen wieder ausgeglichen.

Fazit:
Mehr als 300 Jahre deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften hat Peter Lukasch untersucht. Eine große Leistung, wenn man bedenkt, dass vieles nur bruchstückhaft (oder über viele Stellen verteilt) vorhanden ist, weil man diese Publikationen vorwiegend als Wegwerflektüre betrachtet und sich kaum weitergehend damit beschäftigt hat.

Das im Digitaldruck (Book-on-Demand) herstellte Sachbuch kann als Standardwerk für dieses Gebiet angesehen werden. Es glänzt durch seine erfrischende Art und seinen Detailreichtum. Wer sich für die Geschichte der Jugendzeitschriften, der Comics oder der Heftromane interessiert, kommt an diesem Wälzer nicht vorbei. Der Preis scheint auf den ersten Blick etwas hoch, aber wenn man ihn an den Preisen von ähnlich gelagerten Titeln misst, ist er vergleichsweise günstig. Und hier kann man sich sicher sein: Das Buch ist jeden Cent wert.

Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
Books on Demand

Preis:
€ 31.90

ISBN 10:
3839170052

ISBN 13:
978-3839170052

404 Seiten

Deutschsprachige Kinder- und Jugendzeitschriften bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • reichhaltig bebildert
  • anschaulich geschrieben
  • Standardwerk
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
1.83
(6 Stimmen)
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Rezension vom: 03.07.2010
Kategorie: Sekundrliteratur
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