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Comic-Besprechung - Die Comics mit dem grossen Plus+

Geschichten:
Autor: Eckart Sackmann
Mit einem Grußwort von Bodo Birk



Story:
Ein Vierteljahrhundert Comics aus der Zwei-Mann-Schmiede von Eckart Sackmann und Peter Hörndl bietet Anlaß zur ausführlichen Reminiszenz. In elf Kapiteln wird Bilanz gezogen.

Meinung:
Hut ab! Wir gratulieren zu einer stolzen Leistung und zum 25jährigen Bestehen!

Als die Herren Sackmann und Hörndl im Juli 1985 einen eigenen Verlag gründeten, da war nicht abzusehen, wie lange das kleine Unternehmen Bestand haben wird. Es war die Zeit des großen Booms, als sich die Comic-Szene in Deutschland erst richtig formierte. Carlsen hatte sein franco-belgisches Albenprogramm ausgeweitet. Der Buchhandel nahm Comics ins Sortiment. Spezialgeschäfte für Bildergeschichten schossen wie Pilze aus dem Boden. Fachmagazine und Comicbörsen etablierten sich.

Eckart Sackmann hatte zu jener Zeit wichtige Erfahrungen als Lektor beim Marktführer Carlsen gesammelt und wagte zusammen mit dem Grafik-Designer Peter Hörndl den Sprung ins kalte Wasser. So kalt und tief war es jedoch damals nicht. Es gab eine starke Nachfrage nach Comics und Carlsen konnte bei weitem nicht den gesamten Bedarf abdecken. Sackmann beschreibt die Situation recht treffend: „So wie man erkannt hatte, dass jeder einen Comicladen aufmachen konnte, ohne dafür eine Ausbildung zum Buchhändler zu absolvieren, so wuchs die Erkenntnis, dass zu einem Verlag nicht viel mehr als ein Gewerbeschein und etwas Kleingeld gehörten.“

Das Foto der Verlagsgründung ist fast schon Kult. Man sieht die beiden Jungverleger auf einer Decke im Garten der Hörndls sitzen. Peter ist nur mit einer schwarzen, kurzen Hose bekleidet und unterschreibt barfüßig und mit nacktem Oberkörper den einseitigen Vertrag. Als Schreibunterlage hat er ein Holzbrett und zur Stärkung steht eine kleine Schale mit Nervennahrung im Gras.

Ohne große Planung schlug man auf unbekanntem Gebiet seine Zelte auf. Man war gekommen, um zu bleiben. Legendär ist der erste Titel des Verlags: als „Buch zum Tier“ erschien der feine Sekundärband Huba Huba. Das Marsupilami-Buch von Biologe und Marsupilamiforscher Andreas Mietzsch. Der Titel erreichte eine Auflage von traumhaften 20 000 Exemplaren. Heutzutage wäre eine solche Zahl ein Ding der Unmöglichkeit. Damals gab es noch den Segen von André Franquin gratis dazu. Der handgeschriebene Brief des französischen Superstars ist als Faksimile im Jubiläumsbuch abgedruckt. Ein einzigartiges Dokument, welches nun einer breiten Leserschaft zugänglich gemacht wird.

Überhaupt, das Buch von Sackmann ist voller seltener Fotos und Bilder. Jede Phase des Verlages wird nicht nur in lebhaften Worten, sondern auch treffenden Illustrationen anschaulich gemacht. Anhand der Fotografien kann man nicht nur sehen, wie sich die Frisuren und der Kleidergeschmack der beiden Macher im Laufe der Zeit veränderten. Auch die Liste der Leute, mit denen sie über alle die Jahre in Kontakt gekommen sind, ist beachtlich. Ein Foto vom ersten Stand auf dem Comic-Salon Erlangen 1986 fehlt ebenso wenig, wie Bilder von deutschen Zeichnern wie Ralf König (als er noch ganz unten auf der Karriereleiter stand, mit jungenhafter Erscheinung und Woodstock-T-Shirt) oder hochkarätigen Franzosen wie André Juillard, Paul Gillon oder Michel Blanc-Dumont.

Sackmann spannt den Bogen von den Anfängen der Comic-Szene und seines Verlags über die mageren Jahre bis hin zur Neuzeit. Er widmet eigene Kapitel den Magazinproduktionen wie RRAAH! oder comics info. Er schildert den Weg ins Internet (man hatte immerhin den richtigen Riecher und konnte sich die Domain „comic.de“ sichern) und beschreibt die Auftritte auf Messen wie Erlangen (Comic-Salon) oder Frankfurt (Buch-Messe).

Laut eigener Aussage hat Eckart Sackmann den Text in zehn Tagen niedergeschrieben. Bedenkt man die Fülle an Informationen und Anekdoten, die geboten werden, dann muss das wie ein Dammbruch gewesen sein. Man merkt, wie tief er in der Szene verwurzelt ist, denn seine Erinnerungen sind sehr anschaulich, jedes Kapitel endet mit einer kleinen Pointe oder einem Nachdenker. Natürlich hat es für manche immer ein gewisses „Geschmäckle“, wenn einer seine eigene Geschichte niederschreibt. Das Buch ist aber keineswegs aufgeblasene Selbstbeweihräucherung, denn Sackmann nimmt kein Blatt vor den Mund und gibt freimütig zu, mit welchen Ideen und Aktionen man sich verspekuliert hat. Somit gibt das Buch einen sehr guten Einblick in die Historie des Verlages und verblüfft mit seinem ehrlichen Detailreichtum. Dabei verzettelt sich Sackmann jedoch nicht mit fitzeligen Kleinigkeiten, sondern schafft es, die Geschichte von comicplus+ in seiner Gesamtheit zu analysieren.

Das Buch wird abgerundet durch eine alphabetische Komplett-Comicographie aller comicplus+-Titel. Damit ist Die Comics mit dem grossen Plus+ in seiner Gesamtheit eine vorbildliche, runde Sache geworden. Einzig ein Inhaltsverzeichnis und ein Namen- und Stichwortregister fehlen, aber dies fällt bei dem enormen Lesespaß während der Lektüre gar nicht richtig auf. 

Fazit:
Eckart Sackmann hat mit Die Comics mit dem grossen Plus+ ein extrem brauchbares Stück Sekundärliteratur vorgelegt. Der Hardcoverband im Albenformat ist nicht nur für Freunde dieses Comic-Kleinverlags von Interesse, sondern für alle, die sich für die Geschichte der deutschen Comic-Szene interessieren.

Der Band ist sehr kurzweilig und anschaulich geschrieben. Wenn man einmal angefangen hat, legt man ihn kaum mehr aus der Hand. Es bleibt zu hoffen, dass andere Verlage sich ein Beispiel nehmen und ihre Geschichte in ähnlicher Weise aufarbeiten. Schön, dass es solche Bücher gibt.

Die Comics mit dem grossen Plus+ - Klickt hier für die große Abbildung zur Rezension

Die Comics mit dem grossen Plus+

Autor der Besprechung:
Matthias Hofmann

Verlag:
comicplus+

Preis:
€ 15.00

ISBN 13:
978-3-89474-203-4

56 Seiten

Die Comics mit dem grossen Plus+ bei Comic Combo Leipzig online bestellen
Positiv aufgefallen
  • lebhaft, kurzweilig und interessant geschrieben
  • passend und reichhaltig illustriert
  • für alle Freunde von Comic-Sekundärliteratur ein Muss
Negativ aufgefallen
Die Bewertung unserer Leser für diesen Comic
Bewertung:
2
(1 Stimme)
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Rezension vom: 23.06.2010
Kategorie: Sekundrliteratur
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