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Interview mit Mille Möller zu Turm Manga
Nach Tokyopop und Heyne traut sich noch ein Verlag in den deutschen Mangamarkt: Der Schwarze Turm bringt Manga. Wir haben uns mit Michael "Mille" Möller, einem der beiden Verleger vom Turm, über ihre Pläne unterhalten.

Der Schwarze Turm will sich jetzt auch im Manga-Bereich betätigen. Für alle die, die mit dem Schwarzen Turm noch nicht so viel zu tun hatten: Was ist der Schwarze Turm, wo kam er her, wo will er hin?

Wir haben uns gegründet, um eine Krimiserie aus Amerika fortzusetzen (Stray Bullets, d. Red.). Die wurde damals bei Ehapa eingestellt, und das fanden wir so schade, daß wir uns zusammengetan haben und sie in Deutschland rausgebracht haben. Ziemlich bald darauf haben wir begonnen, schon eigene Serien mit deutschen Zeichnern zu produzieren. Darauf liegt jetzt eigentlich unser Hauptaugenmerk.

Das wollt Ihr auch im Manga-Bereich fortsetzen?

Genau, das Prinzip wollen wir jetzt im Manga-Bereich fortsetzen.

Wie seid Ihr denn auf die Idee gekommen, Manga zu machen? Das liegt beim Schwarzen Turm nicht unbedingt nahe.

Mein Mitverleger Robi und ich sind nach Leipzig auf die Buchmesse gefahren und haben uns schnell anstecken lassen von der Begeisterung, die man da an allen Ecken spüren kann. Da war es ziemlich schnell beschlossene Sache, eine Anthologie mit deutschen Zeichnern zu machen.

Ihr arbeitet dabei mit dem Animexx zusammen. Wie ist dieser Kontakt entstanden?

Ich bin dann nach Leipzig sofort auf die Animexx-Webseite und habe begonnen, die Zeichner dort unter die Lupe zu nehmen. Die Zeichner für unsere Projekte stammen fast ausschließlich aus dem Animexx-Umfeld. Da war es eigentlich ein ganz logischer Schritt, auf den Animexx direkt zuzugehen und eine Coproduktion anzubieten.

Aber prinzipiell können auch Nicht-Animexx-Mitglieder bei Euch veröffentlicht werden?

Auf jeden Fall, ja. Wir sind da offen für alles Mögliche.

Auch in thematischer Hinsicht?

Ja, auch das.

Du hast von Anthologien gesprochen. Hat diese Anthologie ein bestimmtes Thema, oder ist die eher allgemein?

Bei der ersten Reihe, die wir starten, Paper Theater, haben wir ein Thema vorgegeben. Bei den anderen Anthologien, die wir noch planen, werden wir keine Themen vorgeben, sondern die Reihen selbst sind schon thematisch ausgerichtet auf bestimmte Genres.

Es wird also noch weitere Anthologien geben?

Ich denke, mindestens drei.

Werdet Ihr zu Beginn auch schon Einzelserien von Künstlern veröffentlichen?

Ja, das haben wir so geplant. Wenn jemand mit einem interessanten Projekt zu uns kommt, ist das durchaus möglich.

Die deutschen Zeichner sind ja nicht überall beliebt, gerade im Vergleich mit den japanischen. Oft werden ihnen Qualitätsmängel vorgeworfen, sowohl bei den Zeichnungen als auch beim Erzählen der Geschichten. Glaubt Ihr, Ihr könnt mehrere Anthologien und nahezu ein komplettes Verlagsprogramm mit deutschen Zeichnern füllen, rein von der Qualität her?

Von der Qualität her ist es ausgesprochen hoch, finde ich, was man bei Animexx finden kann. Man muß es eben erst mal finden. Aber es gibt genug deutsche Mangaka, die man veröffentlichen kann, das ist mit Mangafieber (erscheint bei Tokyopop, d. Red.) längst nicht abgedeckt. Was die Stories angeht, da sind wir bereit, die Zeichner auch zu unterstützen. Man kann nicht voraussetzen, daß jemand außerordentlich gut zeichnet und gleichzeitig auch noch ein guter Geschichtenerzähler ist. Da kommt uns natürlich sehr zu gute, daß mein Mitverleger Robi seit zwanzig Jahren Drehbuchautor für Film und Fernsehen ist.

Es gibt ja noch ein weiteres Vorurteil gegenüber Manga in der nicht Manga-lesenden Öffentlichkeit, nämlich daß Manga im wesentlichen nur aus großen Brüsten, kurzen Röckchen und generell Sex besteht. Nun gibt der Schwarze Turm auch einige Erotik-Comics heraus. Könnte die Tatsache, daß ein Verlag, der Erotik-Comics im Programm hat, jetzt auch noch Manga herausbringt, dieses Vorurteil noch weiter verstärken?

Wer sich die Erotik-Comics, die wir herausbringen, mal genauer anschaut, wird sehr schnell merken, daß dort qualitativ ein außerordentlich hohes Niveau geboten wird. Falls wir erotische Mangas machen sollten, wird es da auch nicht anders werden.

Das schließt Ihr also nicht generell aus?

Das ist durchaus möglich, ja.

Du hattest vorhin von der Comic-Förderung gesprochen. Setzt Ihr in die Manga-Schiene auch kommerzielle Erwartungen?

Es wäre natürlich schön, wenn sich die Comics auch finanziell tragen. Aber man kann nicht davon ausgehen, daß eine neugestartete Serie sich gleich sensationell verkauft. Dafür muß man ein bißchen den langen Atem haben, und den haben wir.

Aber es kann auch passieren, daß eine Serie, die künstlerisch sozusagen "gut läuft", aus kommerziellen Gründen eingestellt werden muß?

Das kann leider vorkommen, aber ich bin außerordentlich optimistisch.

Wir bedanken uns herzlich für das Gespräch.

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Bericht vom: 03.09.2005 - 11:45
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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