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Gastbeitrag: Comic Festival München: Anfängerbonus für die Veranstalter
Andreas Alt ist ein renommierter Kenner der Comicszene und mit seiner Fanzine PLOP bekannt geworden. Außerdem ist er freier Journalist und arbeitet für viele Zeitungen. Er hat uns freundlicherweise diesen Gastbeitrag zum Comicfestival München zugeschickt.

Ein Comicfestival hat es in einer Großstadt nicht leicht. Das zeigt die Entwicklung des Comic Festivals München. Die Veranstaltung gibt es schon seit vielen Jahren. Seit einiger Zeit wird versucht, sie zum Gegenstück des Internationalen Comic Salons Erlangen aufzuwerten. Aber was in Erlangen trotz ständiger Finanznöte der Stadt immer aufs Neue gelingt, hat die Verantwortlichen in München diesmal überfordert. Je mehr sie versuchen, mit ihrem Programm zum Comic Salon aufzuschließen, desto mehr knirscht es in der Organisation. So war jedenfalls der Eindruck in diesem Jahr.

Das Team des Vereins Comicstadt München mit Heiner Lünstedt an der Spitze war mit der zentralen Verlagsmesse wieder einmal in neue Räume umgezogen, das Künstlerhaus am Lenbach-Platz. Hier wurde signiert und auch der ?Peng!?-Preis des Festivals vergeben. Im Innenhof fand die Comicbörse statt. Eine Vielzahl von Ausstellungen war in verschiedenen Einrichtungen in der Altstadt, hauptsächlich Museen, aufgebaut worden. Auf diese Orte, die ebenfalls zum Großteil erstmals ins Festival einbezogen waren, verteilten sich zugleich Vorträge und Diskussionen sowie die nächtlichen Partys.

Auch mit Programmheft und dem darin enthaltenen Innenstadtplan war das für auswärtige Festivalbesucher ziemlich unübersichtlich. Aber es gab noch ein größeres Problem: Das Künstlerhaus bot bei offenbar gewachsener Ausstellerzahl zu wenig Platz. Wenn namhafte Künstler signierten, bildeten sich Schlangen durch den halben Festsaal, und auch sonst war kaum ein Durchkommen. Dabei waren etliche Verlage in Clubräume unter dem Dach ausgelagert worden, was die als Diskriminierung empfanden, auch wenn sie meist nicht über Besuchermangel zu klagen hatten. Es fehlte ein zentraler Ort für Vorträge, Präsentationen und Diskussionen. Es fehlte ein Café oder ähnliche Rückzugsräume, wo man sich mal in Ruhe unterhalten oder sich in die erworbenen Comics vertiefen konnte.

Mit dem Künstlerhaus und den anderen Locations hatten die Veranstalter zumindest fragwürdige Entscheidungen getroffen. Darüber hinaus haperte es an der Organisation: Terminprobleme, überraschende Änderungen, mangelnde Absprachen. Davon berichteten viele Verlage, sichtlich verärgert, ohne aber ihre schlechten Erfahrungen im Detail weiterzugeben. Obwohl der Verein Comicstadt an früheren Comicfesten auch schon mitwirkte, erhielt er einen Anfängerbonus - man wollte die Veranstaltung in zwei Jahren abwarten, bevor man sich laut beschwerte und Konsequenzen zog. Lünstedt wollte, auf die schlechte Stimmung angesprochen, von Organisationsmängeln nichts wissen.

Die Ausstellungen gaben ein gemischtes Bild ab. Unbestreitbar gelungen war die zu Helmut Nickel, "Mit Robinson und Winnetou in die Welt der Abenteuercomics", der, in hohem Alter eigens aus USA angereist, auch für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Andere wurden entweder eher lieblos präsentiert oder waren nur mit Reproduktionen von Comicseiten bestückt oder zu klein. Auch hier mögen Platzprobleme eine Rolle gespielt haben. Was wir vom Begleitprogramm mitbekommen haben, war ordentlich vorbereitet und engagiert dargeboten; manchmal entstand sogar eine angenehme persönliche Atmosphäre zwischen Referenten, Gaststars und diskutierenden Besuchern.

Überhaupt hatten es die Veranstalter geschafft, etliche namhafte Comickünstler nach München zu holen, neben Nickel auch Leute wie Miguelanxo Prado, Juanjo Guarnido, François Walthéry, Howard Chaykin, Brian Bolland, Bill Morrison, Jan Gulbransson, Ulrich Schröder oder Daan Jippes. Sicher war auch ihnen zu verdanken, dass das Comicfest eine erfreuliche Besucherzahl von 8000 bis 10 000 erreicht haben dürfte. Dennoch machte sich immer wieder bemerkbar, dass man nicht auf eine wirklich professionelle Organisation zurückgreifen konnte. Da hätte die Stadt München dem Verein Comicstadt unter die Arme greifen müssen -  Erlangen tritt zum Vergleich seit langem selbst als Veranstalter auf.

Von der bayerischen Landeshauptstadt kann man das vielleicht nicht erwarten. Nahezu zeitgleich fand hier das Filmfest München statt, zudem gibt es viele konkurrierende Kulturveranstaltungen. Somit gewährt das Kulturreferat Fördermittel und nimmt auf diesem Weg auf die Gestaltung des Comicfests Einfluss, überlässt die Arbeit aber den Comicenthusiasten, die meist von zu Hause aus planen und organisieren müssen - was unweigerlich zu diversen Pannen führt. Die Unzufriedenheit war freilich so groß, dass die Vorbereitungen in zwei Jahren eigentlich nicht wieder so laufen können. So sah es jedenfalls Bodo Birk vom Erlanger Kulturamt, der Leiter des Comic Salons, der als Besucher in München den Organisatoren zur Seite sprang. Oder das Festival muss wieder kleiner werden, was aber niemand ernsthaft wollen kann, auch die Stadt München nicht.

Autor des Beitrags: Andreas Alt


Daten dieses Berichts
Bericht vom: 04.07.2011 - 13:29
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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