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Gespräch Cosplay – Vom Hobby zur Lebensperspektive
Bei der von Arte präsentierten Runde stand es diesmal nicht so sehr an, Cosplay kulturell zu deuten, sondern auf die Personen zu schauen, die aus ihrem Hobby zugleich eine berufliche Perspektive herleiten. Ganz außen vor blieb dabei ein Überblick über die Cosplay-Szene natürlich nicht, denn wie zu sehen war, erfahren die berufliche und private Sphären nicht unbedingt eine strikte Trennung.

Nachdem einige Arbeiten der Schneiderin Lucia Metz bewundert und die popkulturellen Vorlagen thematisiert wurden, drängte sich dem Moderator Dr. Christian Schlüter die Frage auf, inwieweit die Erweiterung des Hobbys, dessen Professionalisierung, eine Veränderung für die Cosplay-Szene bewirkt.

Eine Veränderung sei durchaus zu beobachten, stellte die Kulturwissenschaftlerin Karen Heinrich fest und zog zugleich einen Vergleich zu den USA und Japan. In Deutschland sei Cosplay noch eine recht junge Szene, die erst Ende der 90er entstand, während sie in den genannten Ländern bereits etablierter sei. Und gerade dort sei es üblicher sich ein Kostüm nicht selbst herzustellen, sondern es sich einfach ganz oder in Teilen zu kaufen. Dazu sagte sie später noch, dass diese Haltung in den USA vor allem kulturell bedingt sei. Dort sehe man es weniger kritisch, wenn man gegen Geld eine Dienstleistung in Anspruch nimmt.

Demgegenüber präge die hiesige Szene eher eine typisch deutsche Neidkultur und das selber anfertigen stünde noch höher im Kurs. Aber der Trend geht auch hier zum Kauf, und vor allem ältere Fans seien eher bereit für ihr Kostüme zu bezahlen. Davon können dann wiederum natürlich Unternehmer profitieren, die sich mit der Szene beschäftigen. In den USA und Japan gäbe es zum Beispiel mehr Personen, die sich professionell mit dem Hobby beschäftigen und daraus auch eine Berufsperspektive machen.

In diesem Rahmen stellte sich dann die Frage von der Erschwinglichkeit solcher Dienstleistungen. Bei Kostümen würde man durchaus in einem dreistelligen Bereich landen, sagte Lucia Metz. Allerdings musste Karen Heinrich daraufhin klären, dass die Preise je nach Szene stark schwanken. So würde man gerade im SF-Bereich, der verstärkt in den USA zu beobachten sei und Filme, wie Star Wars thematisiert, auch schnell bei vierstelligen Summen anlangen. Dies hätte vor allem mit den Kostümen selbst zu tun, die zumeist Rüstungen darstellten und dementsprechend anders verarbeitet und teurer wären, als solche aus dem Manga/Anime-Segment, welches eher in Deutschland vorherrscht.

Sie wies dabei zugleich darauf hin, dass das jeweils gewählte Genre auch Bedeutung für die Altersstruktur hätte. Während sich die Manga-Sparte eher aus Teenagern zusammensetzte, besteht die Star Wars-Szene zumeist aus älteren Personen (30-40jährigen) und rückt daher mehr in die Kategorie eines Erwachsenenhobbys. Entsprechend sei dann auch die Haltung dazu und man sei bestrebt Alltag und Hobby stärker zu trennen. Auch stünde die professionelle Ausarbeitung des Kostüms dann mehr im Vordergrund, als bei jüngeren, denen es mehr auf den Spaß und das Selbermachen ankäme. Aber wie gesagt ist dieser Markt in Deutschland erst langsam am Entstehen.

Wird dadurch und durch die Ausrichtung von teils internationalen Wettbewerben nicht eine Kommerzialisierung des Hobbys befördert, fragte der Moderator dann die Anwesenden. Das Hobby Cosplay, so Heinrich, arbeite bereits mit kommerziell gefertigten Sachen, bezöge sich ganz selbstverständlich auf gekaufte Produkte, wie Zeichentrickserien, Comics oder Viedeospiele. Der Bezug zur Kulturindustrie stellt gewissermaßen bereits das Grundgerüst für dieses Hobby dar. Cosplay hat von vornherein etwas mit Geld ausgeben zu tun und die Fans bräuchten den Kommerz auch, um es zu betreiben. Es sei für sie eine logische Entwicklung vom beispielsweise gekauften Manga, der einen später zu einem Kostüm inspiriert.

Auch die Globalisierung wirke dabei mit. Das Fandom beschäftigt sich ganz automatisch mit internationaler Popkultur und den Szenen in anderen Ländern. Der Blick geht ins Ausland und man tauscht sich viel über das Internet aus, kommuniziert mit anderen Fans aus Szenen, die teils weiter entwickelt sind. Dieses würde dann wieder zum Ansporn, es selbst ebenfalls besser zu machen, professioneller.

Trotz dieser Entwicklung, so konnte in der Runde festgestellt werden, und trotz des Arbeitens mit einer Massenkultur, bleibt die ureigene Interpretation des Cosplay immer auf die einzelne Person gerichtet. Die Unternehmer stammen zum Teil selbst aus dem Fandom und sehen ihre eigene Arbeit eher als eine Verlängerung dieses Hobby-Gedankens. Dadurch steht man immer im Dialog mit der eigenen Zielgruppe und passe sich den aus ihr bestehenden Personen an. Auch sei manchmal das Wissen der Fans ein essentieller Teil der eigenen Arbeit als Unternehmer. Viel fachliches Wissen kann nur über den Austausch mit den Fans und der jeweiligen Szene gewonnen werden, um das gewünschte Produkt überhaupt herstellen zu können.

Eine weitere Konsequenz dieser Verbindung von Hobby und Beruf sei es, dass man auch denjenigen Hilfestellungen anbietet, die ein Kostüm bene nicht kaufen, sondern es selbst herstellen möchten. So findet man auf der Internetpräsenz der Schneiderin Lucia Metz auch Tutorials, die einem die Herstellung eines Kostüms Schritt für Schritt zeigten. Sie selbst sieht dies als Service am Kunden und auch mit dem Blick, selbst ein Fan zu sein und anderen Fans damit zu helfen. Außerdem sei es auch durchaus üblich Privates über sich mitzuteilen. Die eigene Person sei, auch als Unternehmerin, immer Teil des Cosplay-Hobbys.

Die Unternehmerin Sara Hochuli konnte für die Runde noch einen kleinen Ausblick auf Frankreich geben, wo der Stellenwert, gerade was Mangas und Animes betrifft ein gänzlich anderer als in Deutschland sei. Erstaunlicherweise ist Deutschland, trotz einer größeren Verbreitung des Comics und des Japanese Lifestyles in Frankreich, in Sachen Cosplay weiter als sein europäischer Nachbar. Allerdings schlägt dieses Hobby auch dort bereits erste Wurzeln und wird so für Unternehmer, die diese Sparte bedienen, interessant.

Zum Ende wurde noch die Rückkopplung beleuchtet, die das Cosplay oder der noch breitere Rahmen des von Japan inspirierten Lebensstiles auf die Popkultur hat. Die Entwicklung und Professionalisierung erreiche langsam einen Punkt an dem beispielsweise Accessoire aus dem Cosplay-Bereich Eingang in die Alltagskultur fänden. Oder auch Designer bei ihren Entwürfen eindeutig auf Vorbilder zurückgreifen würden, die vorwiegend durch die japanische Kultur geprägt sind, ohne Cosplay zu sein. Dadurch verschwimmen die Grenzen zwischen den Sphären Hobby/Beruf/Privates/Alltag immer weiter. Momentan trügen diese Accessoires allerdings auch noch den Charakter von Erkennungszeichen innerhalb der Szene, als Versuch Gleichgesinnte auch innerhalb des Alltags zu finden.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 14.10.2010 - 21:27
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Alexander Smolan
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