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Specials Eventspecials

Gespräch – Das Neueste aus Springfield
Moderation: Steffen Volkmer (Panini)

Teilnehmer: Sergio Aragonés (Künstler – The Simpsons, MAD) und Bill Morrison (Künstler – The Simpsons)

Springfield – woooooohooooooooo!, um es einmal mit den Worten eines Bewohners  Springfields aus dem Kinofilm zu sagen. Besser hätten die zahlreichen Simpsons-Fans es wahrscheinlich auch nicht ausdrücken können, als sich zum zweiten Mal auf der Frankfurter Buchmesse 2010 die Comicgrößen Sergio Aragonés und Bill Morrison ein Stelldichein gaben.

Anders als angekündigt, ging es dann jedoch nicht um tatsächliche Neuigkeiten aus Springfield und mögliche Überraschungen für die Zuschauer, sondern darum, so formulierte es der Moderator Steffen Volkmer, wer von den dreien auf der Bühne der größere Simpsons-Nerd sei. Statt den Ehrenpreis gleich an Sergio Aragonés zu geben, diskutierten die Simpsons-affinen über ihre Sammlungen und allerlei Seltsames, was die Merchandising-Industrie in den Jahren seit Bestehen der gelben Familie so auf den Markt geworfen hat.

Was einen Fan ausmacht, also einen richtigen Fan, das ist seine Sammlung. Und so begannen Volkmer, Aragonés und Bill ihr kleines Neidgefecht, um die beste Sammlung von Simpsons-Artikeln. Bill Morrison startete seine Karriere sogar bei den Simpsons im Merchandising-Bereich und so hat sich bei ihm über die Jahre fast so etwas, wie ein persönliches Archiv angesammelt, welches viel aus älteren Sachen besteht. Obwohl er auch zugeben musste, dass er ein ebenso großer Bewunderer von Batman sei und er mit seinen Leidenschaften dementsprechend haushalten müsse.

Dagegen ist Sergio Aragonés geradezu ein Purist. Er war gebannt von der Serie ab dem ersten Tag. Mit staunenden Augen konnte er bewundern, wie sich die Geschichte um die Familie Simpson immer weiter entwickelte. Nachbarn, Freunde, das soziale Umfeld, ja die gesamte Stadt wuchs empor und Aragonés nahm voller Freude Anteil. Allerdings sammelt er nicht alles, was so von den Simpsons produziert wird. Hauptsächlich nach aktuellen Artikeln hält er Ausschau und allem, was eine gewisse Räumlichkeit besitzt. T-Shirts oder Socken mit Simpson-Motiven wird man bei ihm vergeblich suchen. Figuren, Gläser oder derartiges dafür um so mehr. Aber auch so füllt seine Sammlung inzwischen ein ganzes Lagerhaus, nämlich sein großzügig angelegtes Zeichenstudio.

Nach Sergio Aragonés zur Schau gestellten Enthusiasmus zu urteilen, ist es sicherlich nicht übertrieben zu behaupten, dass die Simpsons-Show nicht bloß seine Leidenschaft ist, sondern seine ganz große Liebe. Das Gespräch kreiste dann um die in seinem Besitz befindliche Simson-Pinballmachine, die er damals mit Bill Morrisons Hilfe bekommen hatte. Morrison besaß selbst einmal eine solche, hat sie dann aber unbenutzt gegen eine Originalseite aus einem Batman-Comic von Neal Adams weggetauscht. Auch wenn eine Pinball-Machine schon etwas Besonderes sei, gerade wenn sie aus einer limitierten Herstellung stammte, so könnte Morrison noch selteneres präsentieren. Als Chef des Merchandisings der Simpsons bekam er teilweise Prototypen von Figuren, die niemals in Produktion gingen. Das wäre dann aber mehr das seltsame Zeug in seiner Sammlung.

Um an besondere Gegenstände zu kommen, wirft Sergio Aragonés manches Mal einen Blick über den großen Teich und schaut, welche Produkte in anderen Ländern angeboten werden. Denn die Auswahl ist alles andere als überall gleich. Diesen Punkt erläuterte Bill Morrison sogleich. In Amerika war der Markt für Simpsons-Merchandise irgendwann gesättigt. Die Kunden hatten kein Interesse mehr an neuer Ware, weshalb schließlich keine mehr produziert wurde. Dagegen begann die Nachfrage in anderen Ländern, wie beispielsweise Deutschland, gerade erst zu wachsen. Also bekamen dortige Hersteller Lizenzen, um eigene Produktlinien anzufertigen, da die amerikanischen, wie gesagt, ihre Herstellung bereits eingestellt hatten. Irgendwann begannen dann aber amerikanische Simpsons-Fans auf die vielen Artikel aus dem Ausland eifersüchtig zu werden und wollten diese ebenfalls haben. Manche, so wie Aragonés, bedienten sich dann einfach aus diesem neuen Pool.

Steffen Volkmer fragte dann die beiden Künstler, ob sie ihre Sammlung tatsächlich nutzen würden oder sie unangetastet einfach verstauten. Er selbst habe sich eine kleine Moe-Bar zu Hause eingerichtet, mit allerlei Bildern zu den Simpsons und sonstigen Fan-Artikeln der gelben Familie. Bei ihm werde jedenfalls alles verwendet und er fände dies einen schönen Weg, um anderen seine Sammlung zu präsentieren. Da schüttelte Aragonés bereits den Kopf. Brächte man seine ganzen Sachen in die Wohnung, bedeutete das für die Beziehung nur eines: Scheidung! Sein ganzes Zeug ist in seinem Studio untergebracht. In seinem Haus fände man dagegen nichts, was irgendwie „cartoony“ wäre. Auch Morrisons Frau hat anscheinend ihre Vorbehalte. Zwar ist die Trennung nicht ganz so strickt, wie bei Aragonés, aber sie wolle nicht, dass die Sammlung irgendwann das Haus dominiere. Diese Sorgen schien Steffen Volkmer nicht zu teilen.

Gegen Ende des Gespräches sollte jeder noch einmal das Stück aus seiner Sammlung nennen, welches er am liebsten hatte. Volkmer selbst fände die simpsonisierte Version seiner selbst sehr schön. Außerdem eine Bart-Figur, die ihm einmal Alice Cooper mit Edding so bemalte, bis sie am Ende aussah, wie der Rockmusiker. Sergio Aragonés viel die Entscheidung sichtlich schwer. Er nannte einmal eine Simpsons-Briefmarkensammlung, in der jede einzelne Briefmarke von Matt Groening, dem Schöpfer der Simpsons, unterzeichnet worden sei. Als Zweites nannte er eine Sammlung von Simpsons-Figuren, die von einem mexikanischen Händler in Eigenproduktion erstellt worden war und in der die Figuren nicht größer seien als etwa einen Zentimeter und trotzdem alle Details abbildeten. Bill Morrison lag eine fürchterliche Marge-Figur am Herzen, die er als Prototyp bekommen hätte und die glücklicherweise niemals das Licht der Welt erblickt hat. Daneben nannte er noch einige Originalzeichnungen, die sich in seinem Besitz befanden.

Daraufhin von einem Zuschauer gefragt, sagte Sergio Aragonés, dass er während des Zeichnens zwar keine Musik, aber zumindest Fernsehen schaue. Beim Schreiben vertrüge er aber keine Ablenkung, da er sich gänzlich auf die Entwicklung seiner Geschichten konzentrieren müsse. Bill klärte dann noch darüber auf, wie seine Ideen für Handlungen aus alltäglichen Situationen erwachsen können und wie auch die eigene Vergangenheit eine gute Ressource dafür sei. Besonders angetan war Morrison von einer Geschichte Aragonés in der Homer eine Alarmanlage in sein Haus einbauen möchte. Trotz der vielen Sendungen im Fernsehen und der unzähligen Comics hätte es etwas derartiges noch nicht gegeben. Es sei inzwischen unglaublich schwierig geworden eine Handlung für die Simpsons zu erfinden, die bisher noch nicht da gewesen sei. Sergio Aragonés ist dieses Kunststück aber gelungen, wie nachzulesen im aktuellen Bart Simpson Comic Nr.50.

Kaum war das Gespräch beendet, setzten sich Sergio Aragonés und Bill Morrison schon an die Signiertische und veredelten den aufgeregten Fans ihre Hefte. Für Simpsons-Freunde hatte sich die Frankfurter Buchmesse 2010 in jedem Fall gelohnt.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 12.10.2010 - 18:59
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Alexander Smolan
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