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Präsentation: How to bau a Cos – Tipps und Tricks für die Anfertigung von Cosplaykostümen
Warum die Baumärkte dieser Welt die Cosplay-Szene noch nicht als Zielgruppe gefunden haben, bleibt nach diesem Workshop ein Rätsel. Den interessierten CosPlayern und den sonstigen Neugierigen im Saal wurden Hilfestellungen bei der Herangehensweise geboten, die unterschiedlichen Werkstoffe für die Kostüme vorgestellt und weitere Tipps und Tricks vermittelt, damit das CosPlay-Hobby nicht zu einem frustrierten Aufschrei führt.

Neulinge waren es jedenfalls nicht, die unter dem Motto How to bau a Cos angetreten waren. Waschechte Profis standen zur Verfügung. Nathalie Frank oder auch Makkuro ist seit zehn Jahren CosPlayerin und hat bereits einen eigenen Online-Shop, der Zubehör für Cosplay vertreibt. Ihr zur Seite stand Katharina Oberender (Yuna), die beim World Cosplay Summit die Nachfolge von Fritjof Eckardt angetreten hat.

Ganz am Anfang steht die Suche nach Bildern von dem Charakter, als den man sich gerne verkleiden möchte. Wichtig ist es ihn aus verschiedenen Richtungen zu sehen. Entweder findet man also ein passendes Character-Sheet oder muss sich aus Einzelbildern oder Stills einen guten Blick auf den Charakter verschaffen. An nächster Stelle steht die Stoffauswahl, welche Farbe ist zu suchen und auch welche Qualität will man für das Kostüm erreichen. Ist dies abgeschlossen geht schon die nächste Suche los, nämlich nach passenden Schnittmustern. Eigene Schnittmusterbücher speziell für CosPlayer gibt es auf dem deutschen Markt noch nicht, also muss man sich mit solchen aus Modezeitschriften begnügen und nicht ganz zum ausgesuchten Charakter passende selbst verändern.

Ist das alles erledigt, fängt die eigentliche Arbeit erst an. Sollte man kein geborener Schneider sein, heißt es learning by doing und die Moderatorinnen geben zu, selbst auch lange rumprobiert zu haben, bevor passable Ergebnisse erzielt wurden. Nur nicht aufgeben, gaben sie als Devise aus. Wenn einen der Frust übermannt, sollte man am besten das Kostüm erst einmal beiseite legen und vielleicht ein oder zwei Tage später erneut herangehen. Geduld zahlt sich bei diesem Hobby letztlich aus. Sollte man gänzlich verzweifeln helfen unter Umständen Hobbyschneider-Foren weiter, die einem auch Tipps geben können, wo man gerade günstig an Stoffe oder Schnittmuster kommt.

Ansonsten soll man seiner Kreativität freien Lauf lassen und auch vor ungewöhnlichen Behelfen nicht zurückschrecken. Aufgestapelte Eimer als Drachenschwanz, abgeschnittene Flaschenböden als Schulteraufsätze sind alles Beispiele für eine gewitzte Herangehensweise, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Sachen und Gegenstände dürfen getrost zweckentfremdet werden. Für Impro-Varianten ist CosPlay immer offen. Und falls selbst das nicht ausreichen sollte, kann man vieles auch selbst herstellen. Styropor, Modelliermasse und Pappmaschee können Wunder wirken. Und mit einem Schwert aus Holz käme man bei Conventions ohnehin nicht hinein.

Etwas aufwendiger als das aus dem Werkunterricht bekannte Arbeiten mit Pappmaschee ist die Handhabung von Polyesterharz und Glasfasermatten. Dazu zeigte Nathalie Frank das Bild eines Bubblegum Crisis-Anzuges, um den Effekt dieser Materialien zu verdeutlichen. Bei dieser Methode bastelt man zunächst ein Modell und erstellt davon dann einen Gipsabdruck als Negativ. Dieser wird dann mit den Glasfasermatten und dem Harz ausgelegt, das sehr schnell fest wird. Anschließend kann man die Gipsform entfernen und hat ein entsprechend geformtes Plastikteil. Entscheidender Vorteil des Ganzen ist das leichte Gewicht der so gebastelten Teile. Katharina Oberender wies aber darauf hin, man solle zum Bemalen dieser Teile keine Lacke auf Kunstharzbasis wählen. Diese würden nicht richtig trocknen. Besser sei Acryllack.

Danach zeigte sie, wie man mithilfe von Klebefolien Motive auf Stoffe bekommt und führte dies auch praktisch vor. Die Folie könnte man sogar mehrmals verwenden, um mehrfach auftauchende Motive stets einheitlich hinzubekommen.

Kurz darauf ging es wieder ans Eingemachte, als Nathalie Frank anhand von Bildern erklärte, wie man Bauschaum für spezielle Formen verwenden könne. Achten sollte man dabei, den Schaum nicht mit bloßen Händen anzufassen, sondern möglichst mit Handschuhen. Einmal versprüht, dehnt sich der Schaum aus und trocknet innerhalb von vier bis acht Stunden. Kauft man etwas teureren dauert es kürzer, wer billigere Produkte wählt, müsse sich entsprechend gedulden. Der getrocknete Bauschaum hat in etwa die Konsistenz von Styropor und man kann beginnen ihn zurechtzuschnitzen. Wichtig ist es dann, eine möglichste dicke Schicht aus Papierschnipseln und Kleister um die Form herumzulegen, bevor man fertiges Pappmachee nimmt. Im Anschluss schleift man alles noch einmal ab, um es glatt zu bekommen und kann sich dann beispielsweise über einen gelungenen Zauberstab mit Drachenkopf freuen.

Eine weitere Möglichkeit, um etwa Rüstungsteile herzustellen, ist das aus Amerika importierte Wonderflex. Der deutsche Markt (also die Baumärkte) hat es bisher noch nicht für sich entdeckt und so werden wohl gerade die Kosten den deutschen CosPlayern Magenschmerzen bereiten. Gibt man für eine, tatsächlich gar nicht so große, XXL-Platte doch schon mal mehr als 60 € aus. Außerdem darf man das fertige Kostüm nicht großer Hitze aussetzen. Ist sie beim eigenen Formen mit dem Industriefön noch sehr nützlich, ist sie verheerend bei einmal fertig gestellten Teilen. Also nichts bei starker Sonne im Auto lassen!

Auch aus den USA kommt friendly plastic. Dies sind kleine Kugeln, die sich bei Hitze verflüssigen und formbar wie Knete werden. Moosgummi sei ebenfalls gut für leichte Rüstungen, ist allerdings schwieriger im Zuschnitt.

Nach den ganzen handwerklichen Anleitungen folgte eine kleine Perücken- und Kunsthaarkunde. Vom guten Sitz, allgemeinen Empfehlungen für die Pflege bis zur unterschiedlichen Qualität von Perücken wurde alles angeschnitten. Kurz vor Schluss stellte Nathalie Frank noch Hartschaumplatten vor, die mit Hitze ebenfalls ein wenig verformbar seien (zum Beispiel für stärkere Wölbungen oder Vertiefungen) und den Vorteil einer glatten Oberfläche böten, die manuell nur schwer zu erreichen ist.

Damit gelangte das ausführliche How to bau a Cos auch schon an sein Ende. Die Moderatorinnen stellten sich den interessierten Fragen der anwesenden Kostümbastler und empfahlen ihre Gäste dann der CosPlay-Corner im Foyer des Congress Center der Frankfurter Buchmesse.

Und vielleicht sieht man irgendwann dann doch den ersten Hornbach, Bahr oder OBI-Werbespot in dem der junge Ninja Naruto sein Unwesen treibt.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 11.10.2010 - 23:20
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Alexander Smolan
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