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Zeichenworkshop: Von Panel zu Panel – Seitenaufbau im Manga

Die auch unter ihrem Künstlernamen „Chiron-san“ bekannte Martina Peters zeigte in ihrem Zeichenworkshop auf der Frankfurter Buchmesse einen kleinen Ausschnitt aus dem Fertigkeitenköfferchen einer Mangaka. Bei dem Kleinverlag Fireangels erschien ihr erste Manga-Arbeit K-A-E, während sie für Carlsen E-Motional und Lilientod verwirklichte. In einer kleinen Präsentation klärte sie die Zuhörer jetzt über die Besonderheiten des Panelling in Mangas auf.

Als erstes stellte sie ein Grundlayout für eine Seite vor, welches variabel zu handhaben ist, allerdings aus nicht mehr als 4 – 8 Panels bestehen sollte, sonst verlöre sich der ordnende Effekt des Ganzen wieder. Vor allem auf die Gutter, nach Scott McLoud die Räume zwischen den Panels, sollte man achten, wenn man den Leser angemessen über die Seite führen will. Denn eines ist Panellayout nämlich auch: Leserbeeinflussung. Dabei betrifft das Layout nicht bloß den Panelrahmen, sondern auch den Panelinhalt sowie sogar die schnöden Sprechblasen.

Denn Weißflächen, und damit auch Sprechblasen, ziehen das Auge ebenso an, wie Inhalte, die einen Panelrand überlappen. Der Leser wird diese unbewusst möglichst an den Anfang der Betrachtungsreihenfolge stellen. So werden sie zu Wegweisern, die die Aufmerksamkeit lenken. Für den Zeichner damit Chance und Fehlerquelle zugleich. An ausgesuchten Beispielen führte Martina Peters diesen Effekt vor und ging auf Möglichkeiten zur Variation ein, wodurch im besten Fall die Leserführung optimiert, im schlechtesten der Leser gewissermaßen auf die Mitte der Seite zurück und letztlich in eine Sackgasse geführt wird.

Aber allein schon der Panelrahmen selbst kann dazu dienen Emotionen und Spannung wiederzugeben. Klare Strukturen vermitteln Ruhe und Harmonie, während gekippte Panels eine angespannte Situation verdeutlichen. Diesen Effekt kann man mit dem Inhalt des Panels sogar unterstreichen, indem man bei einer eigentlich horizontalen Szene die Perspektive kippt. Das derart verschobene Gefüge vermittelt Unruhe und damit dem Leser Aktion, Spannung, Konflikt.

Daraufhin erklärte Martina Peters noch weiteres zu den Möglichkeiten mit dem Inhalt eines Panels zu arbeiten. Sei es durch einen „establishing shot“, der einem später die Hintergründe erspart, oder offene Panels ohne Gutter, die einem das Eintauchen in die Handlung erleichtern sollen und die Geschichte atmen lassen. Auch mit unterschiedlichen Perspektiven lässt sich gut arbeiten. Stichwortartig führte sie als Beispiele die „dutch angle“ und die „Froschperspektive“ an.


Der Workshop war dann überraschend schnell durchgezogen, keine zwanzig Minuten hatte er gedauert, und so hatte Martina Peters noch ein wenig Muße über ihre eigene Arbeitsweise zu sprechen und Fragen des Publikums zu beantworten.

Sobald sie von der Autorin ein Skript erhält und es durchgeht, spielt sich die Geschichte in ihrem Kopf wie bei einem Film ab. Sie filtert anschließend die wichtigsten Momente und Szenen heraus und macht sich an die ersten Layouts. Diesen Teil der Arbeit bezeichnete sie als den schwierigsten des ganzen Prozesses, der sie auch am meisten schlauchen würde. Er erfordere das meiste Nachdenken und sei die wichtigste Phase bei der Erstellung des Manga. Steht das Layout erstmal und wird es vom Redakteur oder der Autorin  abgesegnet, wird es einfach eingescannt, vergrößert und mit den Reinzeichnungen begonnen.


Ob sie während des Layoutings auch einmal ein Skript an die Autorin zurückschickt, weil sie Veränderungen anbringen will, verneinte Martina Peters. Auf Unterschiede bei der Arbeit mit einem Klein- oder Großverlag angesprochen, antwortete sie, dass der Ablauf bei einem kleineren Verlag mehr in ihrer eigenen Hand läge, sie selbst dafür aber mehr Anstrengungen in die Vermarktung stecken müsste. Und dies meist auch gegenüber einem kleineren Publikum. Da konnte ein großer Verlag mit seinen Budgets sehr viel mehr leisten, nur hätten die eher Scheu davor bereits im Vorfeld aus gerade im Entstehen begriffenen Mangas Material zu veröffentlichen. Kleinverlage sähen dies mehr als willkommene Werbung. Als Zeichner verblieben einem in Sachen Eigenwerbung ohnehin nur Signierstunden oder eben Workshops, wie der heutige.
Im Anschluss tat sie dann zur Freude ihrer Fans auch noch ersteres.



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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 08.10.2010 - 20:47
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Alexander Smolan
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