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Tipps für Buchhändler und Bibliothekare – Kindercomics 2010 (mit Film)
Kindercomics

Manchmal wünscht man sich fast alte Vorurteile zurück: Noch vor nicht allzu langer Zeit galten Comics in der breiten Öffentlichkeit als etwas für Kinder, womit man sich als Erwachsener lnicht abzugeben braucht. Mit dem Aufstieg der Graphic Novel sollte inzwischen mehr hinreichend bewiesen sein, dass Comics sehr wohl etwas für ältere Leser bieten können. Jetzt stellt sich aber das umgekehrte Problem, wie der Comicjournalist Klaus Schikowski feststellte – es gibt kaum noch gute Kindercomics. Neben Graphics Novels, Fantasy-Epen und Manga wird der "klassische" Comic für Kinder mittlerweile vernachlässigt. Einige empfehlenswerte Titel stellte er am Donnerstag im Comic-Zentrum auf der Frankfurter Buchmesse vor.

Da sind zunächst die All Agers wie Asterix, Tim & Struppi oder Spirou, die auch für Kinder immer eine gute Wahl sind. Der Strip Calvin & Hobbes von Bill Watterson wird leider nicht mehr fortgesetzt, weil er ironischerweise zu erfolgreich war. Die Schlümpfe sind als Comics gar nicht mehr auf dem deutschen Markt vertreten. Eine Neuauflage scheitert laut Schikowski vor allem daran, dass die Lizenzgeber von Studio Peyo in Deutschland nicht nur teure Sammlerausgaben mit ein paar hundert Stück Auflage sehen wollen, sondern auch einen aktuellen Kiosk-Titel für das breite Publikum. Und es gibt hierzulande nicht viele Verlage, die sowohl das eine als auch das andere bieten können.

Anschließend stellte der Journalist einige ausdrückliche Kindercomics bei deutschen Verlagen vor. Besondere Verdienste in diesem Bereich hat sich interessanterweise der Küchentischverlag Salleck Publications erworben. Der überaus emsige Eckart Schott hat nicht nur die Geschichten um den Indianerjungen Yakari im Programm, bei denen die TV-Serie den Verkaufszahlen der Comics sehr gut getan hat. Waldi Wichtig und die Naseweise oder Das Katzenschloss sind weitere Titel, die sich Eltern einmal näher ansehen sollten.

Darüber hinaus gibt es Titel wie Amelia ist die Größte (Comikat) oder Lou! (Tokyopop), die beide auch schon beim diesjährigen Gratis-Comic-Tag vertreten waren. Aber auch bei Verlagen, die man eigentlich eher für anspruchsvolle Comics für ein älteres Publikum kennt, lässt sich etwas für den Nachwuchs finden. Avant hat beispielsweise den kleinen Vampir Desmodus im Programm, während Reprodukt die Geschichten von "Louis am Strand" oder "Louis fährt Ski" herausgebracht hat. Der letztgenannte Verlag aus Berlin hat außerdem einen Klassiker im Programm, den viele sicher aus anderen Medien aus ihrer eigenen Kindheit kennen. Die Mumins gibt es nicht nur als Roman, als Trickserie oder als Hörspiel, sondern auch als Comic – und das aus der Feder von Tove Jansson höchstpersönlich.

Eine interessante Entwicklung beobachtet Schikowski beim Deutschen Jugendliteraturpreis, in dessen Nominierungslisten sich immer häufiger auch Comics finden. Zwar ist die Auswahl und die Zuordnung zu den einzelnen Kategorien gelegentlich durchaus diskutabel, aber als Inspirationsquelle für Eltern, die Lesestoff für ihre Kinder suchen, ist der Preis eine gute Anlaufstelle.

Auch deutsche Klassiker wie Vater & Sohn, Lurchi oder Mecki sind eine Option, allerdings ist fraglich, inwieweit die oft schon jahrzehnte alten Comics heute noch Kinder begeistern können. Hier sind in der Zielgruppe wohl eher die inzwischen herangewachsenen Kinder von damals.

Eine weitere Quelle für gute Kindercomics können die klassischen Bilderbuchverlage sein. Denn die bringen immer öfter auch Titel heraus, die man durchaus im Grenzbereich zwischen Bilderbuch und Comic ansiedeln kann. Hier stehen beispielsweise Rotraut Susanne Berners Märchencomics, der kleine Roboter Akkuratus² von Ulf K. und Martin Baltscheid oder "Die große Reise des kleinen Mouk" von Marc Boutavant auf der Liste.

Was Comicfassungen von Kinderbüchern betrifft, ist vor allem Isabel Kreitz mit ihren Adaptionen von Romanen von Erich Kästner zu nennen. Auch Joann Sfars Version vom kleinen Prinzen gehört in diese Rubrik.

Im Indie-Bereich kann man gelegentlich auch auf sehr gute Kindercomics stoßen. Klaus Schikowski nennt beispielsweise die Familie Rappelrüber von Rautie oder Gustav (Leo Leowald und Haimo Kinzler). Wenn man den Blick über die Grenzen hinweg in den internationalen Bereich weitet, gibt es lobenswerte Ansätze wie Little Lit oder Toon Books, beide unter Mitwirkung von Art Spiegelman. Der französische Verlag Dupois hat mit der Collection Paceron ein eigenes Label mit Comics unter sechs Jahren gegründet. Dessen "große Schwester", die Collection Punaise, ist auf die Zielgruppe bis acht Jahren ausgerichtet.

Zum Schluss seines Rundgangs durch die Kindercomics widmet sich Schikowski dann doch noch dem Manga, den er zu Beginn eigentlich ausgeschlossen hatte. Es zeigt sich allerdings, dass es in Deutschland auch Manga, die wirklich für Kinder geeignet sind, kaum gibt. Viele beliebte Titel richten sich eher an Jugendliche. Als positives Beispiel für einen Kinder-Manga hob der Journalist "Yotsuba & ..." hervor.

Einen ausführlichen Artikel rund um das Thema Kindercomics hat Klaus Schikowski auch für das Comic! Jahrbuch 2011 verfasst, das in den nächsten Wochen erscheinen wird.

Der Filmmitschnitt direkt zum Anschauen
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Daten dieses Berichts
Bericht vom: 08.10.2010 - 14:45
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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