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Von weißen Mäusen und befreiten Inhalten - Pressekonferenz zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse 2010
Ein Gastbeitrag von Splashbooks

Wie gewohnt stand am Anfang der Frankfurter Buchmesse die Pressekonferenz am Dienstag mittag. In diesem Jahr hatte sich zu den "Stammgästen" auf dem Podium, Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und Jürgen Boos, Direktor der Buchmesse, die Bestseller-Autorin Cornelia Funke gesellt. Nach ihren großen Erfolgen mit der "Tintenherz"-Trilogie hat sie mit ihrem neuen Roman "Reckless. Steinernes Fleisch" auf Anhieb wieder die Spitze der Hitlisten erobert.

Dr. Honnefelder beschäftigte sich in seiner Rede unter anderem mit der aktuellen Diskussion um den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Bücher. Auf gedruckte Bücher werden bekanntlich nicht 19%, sondern nur 7% Steuer erhoben. Das gilt allerdings nicht für eBooks, für die der volle Satz fällig wird. Dr. Honnefelder appellierte an die Bundesregierung, auch eBooks auf 7% "herabzustufen". Kritisch sah er Bestrebungen, umgekehrt die Ermäßigung auf Gedrucktes zu kippen mit dem Argument, auf eBooks würden ja auch 19% erhoben.

Jürgen Boos sah sich von der aktuellen Situation an die Lage vor einigen hundert Jahren erinnert. Als seinerzeit Johannes Gutenberg den Buchdruck mit beweglichen Lettern erfand, wurde die Art und Weise, wie die Menschen mit Texten und Informationen umgingen, grundlegend auf den Kopf gestellt. Viele erhielten sogar erstmals überhaupt Zugang zu Informationen, die früher einzeln und mühsam von Hand kopiert werden mussten, die Inhalte wurden regelrecht befreit. Aber es kam nicht nur neues hinzu: Minnesänger und eben die Kopisten verloren oft ihre Arbeit, die Kirche verlor ihre Deutungshoheit. Heute, meint Boos, ist die Buchbranche in einer ähnlichen Situation. Die neuen technologischen Möglichkeiten werden wieder zu einer „kreativen Demontage“ führen. Viele gewohnte Pfade, Regeln und Arbeitsweisen werden über den Haufen geworfen, aber es wird sich auch viel Neues entwickeln. Insbesondere die Zusammenarbeit mehrerer Künstler bietet faszinierende neue Möglichkeiten zum kollektiven Erzählen von Geschichten. Das konnte Cornelia Funke direkt in "Fleisch und Blut" belegen, denn "Reckless. Steinernes Fleisch" ist in enger Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Lionel Wigram entstanden, dem Produzenten unter anderem der "Harry Potter"-Reihe.

An Funke gab er dann auch das Wort weiter, mit der Anmerkung, dass sie eigentlich zwischen den beiden "grauen Mäusen" Honnefelder und Boos habe sprechen sollen, aber man sich dann doch anders entschieden habe. Daraufhin meinte Cornelia Funke, wenn die beiden grauen Mäuse seien, dann sei sie selbst eben eine weiße Maus. Im Leben der meisten Menschen gebe es ein prägendes Erlebnis, nämlich wenn man das erste Mal von einem Buch, von einer Geschichte verzaubert werde. Viele würden sich noch daran erinnern, wie sie etwa mit drei Jahren in ihrem ersten Lieblings-Bilderbuch geblättert haben, oder wie die Eltern ihnen vorgelesen haben. Dieses Erlebnis, prophezeite Funke, werden auch zukünftige Generationen haben, unabhängig davon, ob sie ihre Geschichten auf Papier oder zum Beispiel auf einem eBook-Reader lesen. Ihr Sohn sei viel in Facebook unterwegs, was im Endeffekt auch nur eine Form sei, sich mit Worten auszudrücken und zu kommunzieren. Eine Frage aus dem Plenum brachte sie dazu, sich an ihr eigenes erstes prägendes Leseerlebnis zu erinnern. Als Cornelia Funke noch ein kleines Kind war, musste wieder und wieder "Kapitän Bommel und die Seeschlange" von Günter Spong und Beatrice Braun-Fock aus der Bücherei ausgeliehen werden. Bis heute bevorzugt sie gedruckte Bücher, aber für einen ganz bestimmten Zweck denkt sie darüber nach, sich einen eBook-Reader zuzulegen. Für die Recherche zu einem Buch, das sie schreibt, muss sie selbst mehrere Dutzend Bücher lesen, und irgendwann ist einfach der Stauraum zu Ende.

Kurz vor Ende der Pressekonferenz wurde noch die Frage gestellt, nach welchen Kriterien das Gastland Argentinien ausgewählt wurde. Jürgen Boos erwähnte zum einen wirtschaftliche Kriterien. Mit welchem Land möchte die Buchbranche ins Gespräch kommen und Geschäfte machen? Aber den Ausschlag geben kulturelle Kriterien. Die Literatur welches Landes muss wieder stärker auf die Landkarte, ins Aufmerksamkeitszentrum der Menschen gebracht werden? Seit dem Anfang der Achtziger ist die südamerikanische Literatur weitgehend aus dem Fokus verschwunden. Da soll die Präsentation des Gastlandes Argentinien Abhilfe schaffen. Besonders auf die junge Literatur des Gastlandes möchte Boos die Aufmerksamkeit lenken, alleine 70 junge argentinische Autoren seien auf der Messe vertreten.

Auch im Anschluss an die Pressekonferenz blieb Argentinien im Fokus, denn es ging direkt zum Rundgang durch die Präsentation des Gastlandes weiter.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 05.10.2010 - 15:53
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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