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Künstlergespräch IV: Milo Manara

Der italienische Altmeister Milo Manara stand Rede und Antwort. Aktuell liegt bei Panini eine Werkausgabe vor, wo er mit namhaften Künstlern zusammengearbeitet hat. Seine Beziehung zum Autor Hugo Pratt, den er liebe- und ehrfurchtsvoll als „größeren Bruder“ bezeichnet, schilderte er als Glücksfall, da er als einziger Zeichner Texte von Pratt bekam. Pratt hatte keinen Führerschein, weshalb Manara ihn viele Stunden und Tage seines Lebens herumkutschierte und so viel Zeit mit ihm verbrachte.

Der andere große Künstler, mit dem Manara zusammengearbeitet hat, war der große Filmregisseur und Comicliebhaber Frederico Fellini, den er stets bewundert hat. Manara hat alle Filme vom Grandseigneur des italienischen Kinos mit Begeisterung verfolgt, die ihm eine große Inspirationsquelle waren. Anfangs war Fellini überhaupt nicht begeistert von der Idee einen Comic zu machen. Aber dann hat Manara einen Trick angewendet – er hatte ihn mit Vorarbeiten geködert, in denen er eine Anspielung auf Marcello Mastroanni einbaute. Aus Angst vor der Prophezeiung, dass dies seine letzte Arbeit werden würde, hat Fellini das Projekt immer wieder verschoben. Beängstigend ist, dass es tatsächlich seine letztes Werk war.

Manara schätzt sich glücklich mit großen Künstlern wie Woody Allen und Alexandro Jodorowsky („Borgia“) zusammengearbeitet hat. Der historische Borgia-Clan stützte sich auf Thanatos (Tod) und Eros (Liebe). Während er eher auf den Eros-Aspekt eingehen wollte, hatte Jodorowsky darauf verwiesen, dass dies ein wichtiger Punkt in der Familie war und nicht weggelassen werden könne.

Im August wird sein „X-Men“-Projekt mit dem Autor Chris Clearmont erscheinen. Dazu kam es ganz einfach durch eine Anfrage. Ungewöhnlich sind seine „X-Girls“, die keine Superkräfte besitzen und damit eher eine normale Geschichte erzählen, für Kenner nicht. Der Frauenzeichner hatte aber auf Anfrage der großen Verlage schon nach dem 11. September Superhelden-Comics mit US-amerikanischen Künstlern gemacht.

Als Kind durfte er keine Comics lesen, weil in einem bürgerlichen Haus aufgewachsen ist. Erst mit dem Erwachsen werden des Mediums hat er begonnen Comics zu lesen, was er bis heute fanatisch und in aller Breite macht. Manara genießt längst den Luxus von seiner Arbeit leben zu können und sich auszusuchen, ob er selbst oder andere erzählen lässt. Die typischen Manara-Frauenkörper stammen übrigens aus seinen Beobachtungen auf der Straße oder aus dem Alltag, die er dann versucht aufs Papier zu bringen.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 07.06.2010 - 15:56
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Marco Behringer
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