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Geschichte des Antisemitismus im Comic
Dass Marco Behringer in der Zwischenzeit für Splashcomics Rezensionen schreibt, hat in keiner Weise etwas mit seiner Anwesenheit bei dieser Tagung zu tun. Er hat schlicht und ergreifend seine Magisterarbeit zu diesem Thema geschrieben, die in der Zwischenzeit auch als Buch herausgekommen ist.

Für seinen Vortrag hatte er die beiden Comics „Das Komplott“ und „Judenhass“ heraus gepickt und diese anhand wissenschaftlicher Kriterien bewertet, ob sie als Unterrichtsmaterial genutzt werden könnten. „Das Komplott“, das sich mit dem angeblichen Komplott der Zionisten befasst und von Will Eisner herausgebracht wurde, wurde sowohl von ihm, als auch vom Anwesenden Publikum ohne jede Frage als geeignetes Unterrichtsmaterial eingeordnet. Marco stellte allerdings auch klar, dass der Begriff „Antisemitismus“ für die gewählten Comics eigentlich der Falsche sei, denn in den Comics ginge es um Judenhass, während der „Antisemitismus“ nicht nur auf die Juden fokussiert sei, sondern auch andere Gruppen beinhalte.

„Judenhass“ hingegen wurde munter diskutiert. Der Comic zeigt unter anderem auf, dass auch historische Personen wie Martin Luther, Voltaire oder Mark Twain den Antisemitismus wenn nicht gerade lebten, doch auch nicht negativ gegenüberstanden. Ganz im Gegenteil sind Zitate erhalten geblieben, die zeigen, dass sie den Judenhass durchaus im Kopf hatten. Selbst also so aufgeklärte Personen sprachen davon, wie die Juden am Leid der Menschheit Schuld seien. Der Comic „Judenhass“ setzt diese Zitate im Zusammenhang mit Bildern vom Holocaust in Szene. Verstörende Bilder, in schwarz-weiß gehalten, die Leichen zeigen.

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Es entspann sich eine angeregte Diskussion, bei der die Anwesenden durchaus ihre Probleme damit hatten „Judenhass“ in den Unterricht einzubringen. Gerade Jugendlichen seien solchen Bilder nur schwer zu vermitteln, wurde argumentiert. Man habe doch endlich eine andere Bildersprache gefunden, die nicht mehr den Massenmord in den Vordergrund stelle, sondern die individuellen Schicksale in den Mittelpunkt rücke. Ein Realschullehrer argumentierte hingegen, dass es wichtig sei diese Bilder zu zeigen, dass die Kinder heutzutage so abgestumpft seien, dass sie nur durch Horrorbilder wach gerüttelt, erreicht werden könnten.

Es gibt wohl keine korrekte Vorgehensweise, keine Political correctness, auf die sich jeder zurück ziehen kann, wenn man den Judenhass betrachten will. Jede Bevölkerungsgruppe, jeder Mensch vielleicht sogar, benötigt eine eigene Herangehensweise und es wird sicher in der Aufgabe der jeweiligen Lehrer (auch in der Erwachsenenbildung) liegen, das Unterrichtsmaterial korrekt zu wählen und die eigenen Schüler so heran zu führen, dass sie von dem Thema nicht abgeschreckt und auch nicht gelangweilt werden. So ungefähr könnte man das Fazit aus der sehr interessanten und anregenden Diskussion zusammen fassen.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 30.03.2010 - 18:18
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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