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Antisemitic Italian comics from 1938 to this day
Italien war im zweiten Weltkrieg das „bessere Deutschland“, so kann man wohl sagen. Auch wenn dies euphemistisch klingt. Sicherlich war die Diktatur durch Mussolini auch nicht gerade eine Zuckerschlecken, aber Italien hatte noch Glück im Unglück. Der Diktator wurde geschasst, bevor es zu spät war. Es gab zwar Internierungscamps für Juden, aber sie wurden nicht massenhaft abgeschlachtet. Und der Krieg war in Italien deutlich früher zu Ende, als im Rest Europas. Beste Voraussetzungen also, um den Antisemitismus auf die leichte Schulter zu nehmen.

Und doch ist es so, dass Giulio Cesare Cuccolini trotz intensiver Recherche keine weiteren antisemitischen Tendenzen in italienischen Comics nach dem Ende des Krieges feststellen konnte. Es gab zwar immer mal wieder rechtsgerichtete Comics, aber im Vergleich zum Ausstoss zwischen 1938 und 1945, können diese als vernachlässigbare Größe angesehen werden. Auch wenn dieser Ausstoss insgesamt betrachtet nicht besonders groß war, besonders im Vergleich mit der Produktion von Comics, die den Antisemitismus nicht weiter förderten.

Erstaunlich ist sicherlich, dass viele der deutschen Symbole aus der Nazizeit auch in Italien auftauchten. Cuccolini verglich in seinem Vortrag ein Titelbild des zweiwöchentlich in Rom erschienenen Magazins „La Difesa della Razza“ (Die Verteidigung der Rasse) mit einer Abbildung aus „Der Stürmer“ aus Deutschland. Auf beiden Abbildungen war ein Schwert zu sehen, dass die „gute Rasse“ von den „hässlichen Juden“ trennte.

Nicht immer war die Ablehnung der Juden so deutlich zu sehen. In so manchem Comic waren die Juden einfach auch nur die Reichen und Mächtigen, die ihre Macht missbrauchten. Zum Teil, um sich eine Frau zu sichern, zum Teil aber auch, um Spionage zu betreiben. Meistens wurden die Juden dabei als verschlagen und trickreich beschrieben, während die Helden der Geschichten diese Machenschaften aufdeckten. Die Bildsprache indes war immer eindeutig: Die Juden wurden mit Hakennasen und verschlagenen Gesichtern dargestellt. Dabei hatte diese Darstellung durchaus Tradition, denn bereits im 19. Jahrhundert gab es Zeichnungen und auch Cartoons, die die Juden in dieser Form darstellten.

Nachdem Mussolini gestürzt worden war und die Allierten Italien erobert hatten, änderte sich sowohl die Bildsprache, als auch die Art, wie die Geschichten erzählt wurden. Die Juden wurden zu Helden, die den zweiten Weltkrieg überlebt hatten, die jetzt ihr Bestes taten, um das Erlittene wieder wett zu machen.

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Letztendlich war die Produktion der antisemitischen Comics in Italien „nur“ eine kurze Periode, ein „Blitz“, wie es Cuccolini beschreibt. Ein Blitz, der allerdings zeigte, wie gemein und hinterhältig Menschen sein können. Cuccolini gab zu bedenken, dass die meisten Italiener in der faschistischen Zeit passiv geblieben sind und sich weder für Juden eingesetzt haben, noch gegen sie agitiert haben. Hier hat Italien seiner Meinung nach auch heute noch ein mit Schuld beladenes Gewissen.

Cuccolini fragte sich freilich, warum überhaupt antisemitische Comics in den sieben Jahren des Faschismus veröffentlicht worden waren, denn freilich waren es nicht wirklich viele. Warum waren die Richtlinien der italienischen Regierung nicht konsequenter umgesetzt worden. Er sah den Grund im nationalen Verständnis der Italiener verborgen. Italiener sind gerne einmal anarchistisch, aufbrausend und lassen Disziplin vermissen. Mit Heldentum scheint das aber wenig zu tun gehabt zu haben.

Vielleicht lag es aber auch daran, dass selbst Mussolini nicht alle negativen Ressentiments der Deutschen übernommen hatte. Denn laut mancher historischer Quelle war Mussolini durchaus davon überzeugt, dass italienische Juden im ersten Weltkrieg gut gekämpft hatten und gute Patrioten waren. Durch den Einfluss Hitlers schien aber der Rassismus in Mussolinis Denken zuzunehmen. Andere Quellen sagten aber aus, dass der Rassismus in Italien durchaus von Deutschland unabhängige Wurzeln hatte. Hier ist man sich im eigenen Land einmal mehr uneinig über die Ursachen.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 30.03.2010 - 09:57
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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