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Interview mit Sascha Krämer

Splash: Mein Interviewpartner ist Sascha Krämer, Zeichner des Comic Strips „Deutsche Helden“, der regelmäßig im COMIXENE-Magazin erscheint. Mittlerweile ist auch ein kleiner Sammelband rausgekommen. Sascha, du bist wahrscheinlich die am besten geeignetste Person, um uns zu erzählen, worum es bei „Deutsche Helden“ überhaupt geht.

Sascha Krämer: „Deutsche Helden“ ist eine Parodie. Es geht um drei Freunde: Nachtkrabbler, der Rote Schädel und E-Blitz. Ähnlichkeiten mit irgendwelchen existierenden oder toten oder wiederauferstandenen Charakteren aus dem Marvel-Universum wären rein zufällig und absolut unbeabsichtigt. Diese drei Jungs leben in Düsseldorf in einer WG und erleben so allerlei Alltägliches und Außergewöhnliches. Es sind halt immer wieder kleine Comic Strips, keine zusammenhängenden Geschichten...
(An dieser Stelle unterbricht ihn „Hit Comics“-Herausgeber und „Deutsche Helden“-Kollaborateur Jörg Krismann, der jetzt ebenfalls am Stand aufgetaucht ist.)

Jörg Krismann: Ich bin der Autor, aber mich fragt ja keiner...

Sascha Krämer: Und der Autor ist natürlich Jörg Krismann, mein alter Busenkumpel!


Splash: Wie ist es zu der Idee gekommen? Stammt sie von dir oder war es eine Gemeinschaftsarbeit von euch beiden?

Sascha Krämer: Die Idee ist Jörg gekommen. Ich glaube, es war wieder eine seiner Toiletten-Ideen. Die besten Ideen kommen ihm immer, wenn er auf der Toilette sitzt... Das war jetzt ein Scherz, um Gottes Willen... Die Idee kommt aber auf jeden Fall von Jörg und er hat sie mir vor zwei Jahren in Erlangen erzählt. Ich hatte dann darüber nachgedacht und ein paar Zeichnungen zum [Roten] Schädel und Nachtkrabbler gemacht. Am nächsten Tag sind wir dann zu Tony Verdini von Marvel gegangen. Wir hatten gedacht, dass wir das vielleicht mit denen bei Panini zusammen machen könnten. Tony sagte damals, dass das wohl nicht so gut wäre, weil Marvel USA sich bei solchen Sachen immer sehr anstellen würde. Aber er meinte auch, was er nicht weiß, macht ihn nicht heiß – also mit anderen Worten: Macht mal. Wir haben es also gemacht und es hat relativ guten Anklang bei den Fans gefunden. Mal schauen, was noch kommen wird.

Splash: Gibt es denn auch Fans im Marvel Deutschland-Lager? Gab es von dort vielleicht Lob oder nicht ganz ernstgemeinte Androhungen wegen Copyright-Verletzungen?

Sascha Krämer: Gar nichts, eigentlich. Aber ich gehe davon aus, dass es da Fans gibt.

Splash: Dass man „Deutsche Helden“ also kennt und drüber lacht und beide Augen zudrückt?

Sascha Krämer: Ich denke schon. Wir haben ja auch einige Leute, die für Panini arbeiten und für die Comixene schreiben und die kriegen die Sachen natürlich auch zu Gesicht. Also, es wäre schon sehr seltsam, wenn Panini die Sachen nie gesehen hätte. Ich gehe davon aus, dass da ein stillschweigendes Einvernehmen herrscht. Solange wir hier nicht die großen Gewinne einfahren, dürfte das alles gar kein Problem sein.

Splash: Apropos Gewinne, wie läuft denn das Geschäft hier auf der Messe? Habt ihr viele neue Leser dazu gewonnen?

Sascha Krämer: Es kamen viele Fans. Also, mein Ego ist schon befriedigt. Und es macht auch Spaß. Die Leute freuen sich, wenn sie eine gute Zeichnung kriegen. Bei uns muss nicht darum gewürfelt werden [wie am Panini-Stand]. Ich mache die Zeichnungen, die ich auch als Fan immer gerne bekommen habe.

Splash: Das ist löblich. Du arbeitest ja wie gesagt mit Jörg Krismann zusammen an „Deutsche Helden“. Wie genau kann man sich eure Zusammenarbeit vorstellen? Ruft Jörg dich an und sagt: „Ich hab da eine neue Idee für einen Strip“ oder schickt er dir einfach Stichpunkte per Email zu?

Sascha Krämer: Ab und zu läuft das so. Manchmal kommt es aber auch vor, dass ich eine Idee habe und dann Jörg anrufe. Ich bin nicht der gute Schreiber, das muss man dazu sagen, aber ich habe oft so kleine Geistesblitze, mit denen Jörg dann weiter arbeiten kann. Jörg und ich sind schon lange Freunde, wir schwimmen auf der gleichen Wellenlinie und wir verstehen uns schon fast blind. Der eine weiß also meist schon, worauf der andere hinaus will. Bei manchen Gags haben wir natürlich auch lange, lange Auseinandersetzungen, aber im Endeffekt kommen wir immer auf einen gemeinsamen Nenner. Es ist also wirklich ein sehr gutes Teamwork.


Splash: So soll es sein. Gibt es schon Ideen für weitere Co-Produktionen von euch?

Sascha Krämer: Es gibt einige Ideen, aber da möchte ich jetzt noch nichts zu sagen.

Splash: Vielleicht ein Tipp?

Sascha Krämer: Man muss dazu sagen, ich fange viele Sachen an und bringe sie kaum zu Ende. Ich möchte nichts ankündigen, sondern lieber etwas das ich schon fertig habe, auch gleich präsentieren können. Also, ich verspreche nichts, was ich nicht auch halten kann. Aber es wird etwas kommen...

Splash: Als Zeichner hast du bestimmt Vorbilder aus dem Cartoon-Bereich...

Sascha Krämer: Eher weniger. Wen könnte ich denn da als Vorbild nennen? In Sachen Humor: Gary Larson.

Splash: Okay, der sollte allen bekannt sein.

Sascha Krämer: Auf jeden Fall. „The Far Side“ ist eine der besten, abgedrehtesten und kränksten Serien, die ich mir vorstellen kann. Dann wäre da noch „Nicht Lustig“...

Splash: ...von Joscha Sauer.

Sascha Krämer: Ja. Das ist das deutsche Pendant dazu. Seine Lemminge sind einfach unglaublich. Ansonsten habe ich einfach sehr breit gefächerte Interessen. Ich lese franko-belgische Comics, japanische Comics, deutsche, amerikanische – ich habe sogar indische Comics.

Splash: Also bist du sozusagen ein Comic-Weltbürger...

Sascha Krämer: Ich lese alles, was mir in die Finger kommt. Sehr gerne habe ich früher Comics von John Byrne gelesen. Vor allen seine „Next Men“ fand ich damals sehr gut. Was mich auch ziemlich interessierte war [Mike] Mignolas „Hellboy“. Und Erik Larsen, fand ich auch sehr, sehr gut.

Splash: Und das sagst du auch nicht nur, weil dessen „Savage Dragon“ jetzt bei Hit-Comics erscheint [das von Jörg Krismann herausgegeben wird]?

Sascha Krämer: Nun, er ist auch einer von Jörgs liebsten Superhelden-Zeichnern. Wie gesagt, wir schwimmen auf der selben Wellenlinie. Und da wir fast die gleichen Interessen haben, mögen wir auch die selben Serien. Und Erik Larsen fand ich schon immer recht gut. Die erste Mini-Serie von „Savage Dragon“ war einfach einmalig. Der Zeichenstil war etwas gröber, nicht so ausgefeilt, ein bisschen ironisch. Gerade das Ironische finde ich sehr gut.

Splash: Nicht das schlechteste Vorbild, auf jeden Fall. Gibt es für Leute, die jetzt sagen „Hey, 'Deutsche Helden' hört sich verdammt gut an“, die Chance,sich im Internet schon mal eine kleine Vorab-Dosis zu geben oder den Sammelband zu bestellen?

Sascha Krämer: Leider gibt es im Internet keine Möglichkeit, sich die Strips anzuschauen. Wir haben bislang keine Internet-Seite, zumindest nicht speziell für „Deutsche Helden“. Ich weiß jetzt gar nicht, ob auf den Seiten von „Hit Comics“ oder COMIXENE was drauf ist. Dafür bin ich zu selten im Internet. Ich würde vorschlagen: Kauft euch die COMIXENE [die gibt es in Comic-Läden und Bahnhofsbuchhandlungen], da ist allerhand Interessantes drin und es ist immer ein Cartoon von uns dabei. Da könnt ihr euch auf jeden Fall schon eine kleine Dosis geben. Den „Deutsche Helden“-Sammelband kann man auch übers Magazin bestellen. Ich denke mal, im Comic-Handel wird es uns nicht geben, dafür ist die Auflage zu klein. Es ist halt doch eine Spezialität. Aber es lohnt sich! Und es kommt mit Sicherheit noch Nachschub.

Splash: Mit diesen Worten beenden wir das Interview. Besten Dank und viel Erfolg noch am letzten Messe-Tag!

Die Webseite der COMIXENE findet ihr unter www.comixene.de, alles über das neue „Hit Comics“ unter www.image-etc.de.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.11.2004 - 17:34
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Andreas Vllinger
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