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Interview mit Joker

Splash: Mein aktueller Interview-Partner ist Joker alias Jens Konnerth, der Zeichner des Mangas „Katran“. Joker, erzähl doch einfach mal von Deinem Werdegang als deutscher Mangaka. Wie ist es dazu gekommen, dass Du jetzt hier bei Eidalon am Stand sitzt, Bücher signierst und Sketche für die Fans anfertigst?

Joker: Ja, das ergab sich damals, nachdem ich „Zodiac“ fertiggestellt hatte...

Splash: Dein Erstlingswerk.

Joker: Genau. Das habe ich über die „Mangaszene“ vertrieben und quasi als Gegenleistung haben die Leute von der „Mangaszene“ mir für die Bonenkai [Manga- und Anime-Convention] angeboten: „Du kannst Dir einen Tisch nehmen. Eintritt ist frei, und Du kannst dann da zeichnen“. Und ebenfalls auf dieser Bonenkai, ich glaube das war 2002, war auch Stefan Heitzmann vom Eidalon Verlag. Der hat sich meine Sachen angeguckt und gefragt: „Wärst Du interessiert an einer Zusammenarbeit?“

katran.jpg

Splash: Also kam der Verlag auf Dich zu, nicht Du auf den Verlag?

Joker: Ich war sehr, sehr verblüfft, ja. (lacht)

Splash: Aber auf positive Art, oder? Wenden wir uns dem Manga selbst zu. Erzähl mal den Leuten, die keine Ahnung haben, was sie sich darunter vorstellen können. Was kann man von „Katran“ erwarten?

Joker: Also, die Geschichte handelt davon, dass ein Klan, der in dem Land Katran einen Handelsstützpunkt weit oben im Norden bewohnt, von einem feindlichen Klan attackiert wird. Dieser andere Klan will anscheinend Rache ausüben für eine Sache, die irgendwann in der Vergangenheit passiert ist. Nun stellt sich aber heraus, dass der wahre Grund für den Angriff nicht Rache ist, sondern ein Geschäft. Davon wissen die Angegriffenen natürlich nichts... Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Nirrod - das ist ein vierzehnjähriger Katraner-Junge, der mit seiner Familie in diesem Handelsposten lebt. Sein Vater ist der Klan-Chef und damit so was wie der Bürgermeister. Nirrod erlebt diesen Angriff mit, wird von seiner Mutter, die den Evakuierungstrupp leitet, getrennt und will seinem Vater hinterher. Der ist allerdings unerreichbar, weil er sich mitten im Kampf befindet. Der Junge versucht dann auf eigene Faust aus dem Ort zu fliehen, wo alles drunter und drüber geht und die Angreifer merkwürdige Maschinen einsetzen. Jedenfalls geht das ganze Dorf schön den Bach runter, alles steht in Flammen.

Splash: High Drama.

Joker: Genau. Das ist aber auch schon das Ende. Nirrod bekommt nur mit, dass sich sein Klan in einer Großstadt treffen will...

Splash: Verrate für Deine zukünftigen Leser nicht zuviel!

Joker:...und das war’s. (lacht)

Splash: Wie ist die Akzeptanz eines deutschen Mangas und die Akzeptanz von Dir als deutscher Mangaka bei den Lesern?

Joker: Schwer zu sagen. Ein deutscher Manga-Zeichner ist für die deutschen Manga-Fans eigentlich ein Widerspruch in sich, denn ein richtiger Manga kommt für sie nun mal nur aus Japan. Und Deutsche machen hingegen nur Comics. Aber es ist ganz lustig zu beobachten, dass Comic-Leser – ich mache jetzt auch mal diese Trennung, auch wenn ich sie total unnütz finde – dass also Comic-Leser das Format von „Katran“ sehen und die etwas größeren Augen der Figuren auf dem Cover und es sofort für einen Manga halten und sich nicht dafür interessieren. Manga-Leser sehen in „Katran“ auch erst mal einen Manga, nur wenn sie es durchblättern, sagen sie dann so etwas wie „Ach, das ist ja kein richtiger Manga.“

Splash: Weil er aus Deutschland ist.

Joker: Weil er aus Deutschland ist und wegen der europäischen Leserichtung. Die Akzeptanz ist also schwer zu finden.

Splash: Aber es scheint auch Fans zu geben. Du hast ja auf der Comic Action nicht die ganze Zeit völlig einsam und verlassen am Stand gesessen, sondern auch ordentlich signiert und gezeichnet.

Joker: Ja, es freut mich auch immer mehr, dass normale Comic-Leser sich nicht von dem Cover abschrecken lassen und auch mal die Story lesen und dann denken „Oh ja, wann kommt der zweite Teil?“

Splash: Wann kommt denn der zweite Teil?

Joker: Der wird jetzt im März erscheinen. Er wird auf der Leipziger Buchmesse präsentiert.

Splash: Ein guter Termin. Du wirst dann wahrscheinlich auch in Leipzig anwesend sein, nehme ich an.

Joker: Ja.

Splash: Ist „Katran“ erst mal alles für Dich oder gibt es noch weitere Projekte, an denen Du arbeitest?

Joker: „Katran“ hoffe ich, wenn der Verlag mitspielt, über sechs Bände erzählen zu können. Nebenbei versuche ich noch meinen Comic-Strip „Lö-Samur-Ei“ an einen Verlag zu bringen. Da geht es um zwei Samurai, die sich Kurosawa-mäßig gegenüberstehen. Wer jetzt diese typischen Samurai-Filme kennt, weiß, dass erst mal lange Zeit gar nichts geschieht, bis sie endlich die Schwerter ziehen und aufeinander zustürmen. Und danach gibt es die große Pause und man sieht den Helden vorne im Bild und seinen Gegner im Hintergrund. Es passiert eine Weile wieder nichts und dann bricht der Gegner endlich zusammen. Und diesen langen Zeitraum, in dem nichts passiert, habe ich versucht zeichnerisch umzusetzen.


Den Eidalon-Verlag, bei dem "Katran" erscheint, findet ihr unter www.eidalon.de. 



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 03.11.2004 - 17:33
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Andreas Vllinger
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