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Die Schrannenhalle
Am Samstag findet in der Schrannenhalle die Comicbörse statt, ein Stelldichein von vielen Händlern aus der Region und "Zuag'reiste". Die Schrannenhalle bietet dafür das ideale Umfeld, wäre vielleicht sogar insgesamt als Veranstaltungsort für das Comicfestival denkbar. Dies ist der zweite Teil unserer Serie über die Veranstaltungsorte des Comicfestivals 2009.

Die Schrannenhalle wirkt modern, insbesondere wenn man sie mit dem alten Rathaus vergleicht. Und doch ist sie gar nicht so jung, wie sie aussieht. Denn zum ersten Mal öffnete die Halle am 15.09.1853 ihre Türen. Damals diente sie als Getreideumschlagplatz. Nicht immer war die Halle aber für das Publikum geöffnet.

1851 hatte Ingenieur und Stadtbaurat Franz Karl Muffat die Schrannenhalle in Angriff genommen. Für damalige Verhältnisse wurde sie mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit erbaut. Das ist kein Wunder, denn hier kam ein damals moderner Baustoff zum Einsatz: Gußeisen. Über 30 Jahre vor der Erbauung des berühmten Eiffelturms in Paris wurde in München ein kühnes und mit einer sehr offenen Architektur sehr leicht wirkendes Gebäude in Angriff genommen. Die Schrannenhalle war lichtdurchflutet, wie es nur wenige Bauwerke der damaligen Zeit waren. München zeigte sich durch den Bau weltoffen und modern.

1926 wurde der Bau allerdings … abgebaut. Die Konstruktion erlaubte einen Rückbau und die anderweitige Verwendung. Es sollte über 50 Jahre dauern, bis man sich an den Bau erinnerte und ihn aus dem Dornröschenschlaf befreite. Nunja, man wollte es jedenfalls. Doch es vergingen weitere 23 Jahre von 1980 bis zum 17.03.2003. Dann wurden die Bauarbeiten für den Wiederaufbau der Halle in Angriff genommen.

Im 19. Jahrhundert dauerte die Blütezeit der Schrannenhalle gerade einmal 20 Jahre. Getreide wurde damals dort gehandelt. Der Handel mit Getreide wurde aber 1873 in die neue Großmarkthalle verlegt und bis 1914 wurde die Schrannenhalle für andere Märkte und Messen genutzt. Der Beginn des ersten Weltkriegs kennzeichnete auch den Anfang der Demontage der Halle. Von einst 430 Metern Länge wurden 110 Meter an die Gaswerke in der Dachauer Straße gegeben. Ein Glücksfall, denn dieser Abschnitt der Halle soll bis in die Gegenwart erhalten bleiben. Der Rest der Halle wurde bei einem Brand am 07.04.1932 zerstört, lediglich der Kopfbau blieb erhalten.

1978 entdeckt der Architekt und Stadthistoriker Volker Hütsch durch Zufall den 110 Meter langen Abschnitt der Halle auf dem Gelände der Gaswerke. 1980 wird ein Gutachten der Technischen Universität bestätigen, dass dieser Abschnitt ab- und wieder an der alten Stelle aufgebaut werden kann. 23 Jahre vergehen, bis man diesen Wiederaufbau in Angriff nahm. Am 16.08.2005 eröffnete das Wirtshaus "Der Pschorr" in der Halle und am 05.09.2005 wurde die Halle an sich eröffnet.

Die Hochphase sollte diesmal kürzer dauern als zuvor. Nach gerade einmal vier Jahren steht die Schrannenhalle wieder leer. Bereits im August 2008 hatte sich dieses Ende abgezeichnet. Die Mischung aus Verkaufsständen und Gastronomie war nicht aufgegangen und der Betreiber der Schrannenhalle musste Insolvenz anmelden. Kritiker hatten das abenteuerliche Finanzkonstrukt, das hinter der neuen Schrannenhalle stand, kritisiert.

Für das Comicfestival könnte sich das Ganze als Glücksfall heraus stellen. Die Comicbörse findet dieses Mal bereits in der Schrannenhalle statt. Und wer weiß, vielleicht ist dies auch für das gesamte Festival im Jahr 2011 möglich. Die zentrale Lage und die großzügige Halle wären ein idealer Standort.


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Bericht vom: 11.05.2009 - 01:28
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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