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Comics à la Carte – Ein Gespräch mit Lewis Trondheim

Er ist kein einfacher Mensch - und das weiß er auch und macht keinen Hehl daraus.
Er ist ein Künstler – und das sehr erfolgreich, was die vielen von ihm gezeichneten Comics beweisen, die auch auf der Buchmesse ihr Publikum gefunden haben.
Er ist Franzose – und das merkt man auch, denn das Gespräch erfolgt auf Französisch und wird dann ins Deutsche übersetzt.
Ein Gespräch mit ihm kann sehr anstrengend sein - genau dass merken Andreas Platthaus (FAZ) und Kai Wilksen (Comicvertrieb Passe-Partout), die durch dieses Gespräch führen.

Und vor allem sollte man das Präsentationsequipment zum Weiterblättern der Bilder dem Moderator und nicht dem Gast in die Hand geben, denn dadurch können für den Zuschauer irritierende und lustige Situationen entstehen.

Das der Künstler Minimalist ist, andere würden "faul" sagen, würde man ihm gar nicht glauben. Aber am Beispiel des ersten Comics des Abends „Außer Dienst“ erklärt der Künstler, dass er nicht nur in seinen Zeichnung, sondern vor allem in seiner ganzen Arbeit nur das tut, was unbedingt nötig ist. Er arbeitet sich ohne Szenario von Bild zu Bild und macht sich erst dann um eine Zeichnung Gedanken, wenn diese an der Reihe ist. Auch die Sprache, die er seinen Figuren in den Mund bzw. Schnabel legt, ist weder historisch noch der Situation angepasst. Es ist die Sprache seines Alltags: Sie reden wie ihnen der Schnabel gewachsen ist.

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Das Buch ist eine autobiografische Geschichte über ihn und den Augenblick, bei welchem er an der Arbeit an einem 200-Seiten-starken Auftrag einfach die Lust verliert und sich eine Auszeit gönnt. Er war einfach des gewohnten frankobelgischen Stils überdrüssig und wollte was Neues probieren.

"Er zieht einen schlecht gezeichneten aber gut erzählten Comic einem gut gezeichneten und schlecht erzählten dreimal vor."

Wenn aber Verlage Zeichnungen anfänglich ablehnen, weil sie zu einfach erscheinen, als wären sie für Kinder gezeichnet, dann muss man an seinem Stil arbeiten. Dies geschah in der Zusammenarbeit bei „Die Insel Bourbon“. Auch etwas Neues zu probieren, was in Frankreich keine Tradition hat, war im dabei wichtig. So sind seine Tiercharaktere entstanden. Auch sind seine Schöpfungen keine Comics nur für Kinder oder nur für Erwachsene. Wenn eine Band für Erwachsene ist, kann er auch von Kindern gelesen werden und umgekehrt, denn er spricht in Kinderbüchern deren „erwachsene“ Seite an und in Erwachsenenbüchern deren „kindliche“ Seite.

Er ist ein Spieler – was er ohne Scheu von sich behauptet – und das Medium Comic ist dazu da um mit ihm zu spielen und immer wieder neues auszuprobieren. Darum mag er es mit immer neunen Konzepten zu arbeiten. Vielleicht ist das ein möglicher Weg für ihn seine Angst zu überwinden, dass er Comics bald nicht mehr nur zum Spaß zeichnet, sondern weil er damit sein Geld verdienen muss. Aus diesem Grund macht er lukrative kleine Jobs z.B. in der Werbung um damit seine extravaganten Arbeiten ohne Geldsorgen durchziehen zu können.

Genau so locker geht Lewis Trondheim auch bei der Auswahl der Titel in seiner Funktion als Verleger vor – er macht was er will, und hat dazu auch freie Hand. Diese Ungebundenheit spiegelt sich auch in der Arbeit an den schon 13 Jahre laufenden Geschichten von Donjon wieder, für die kein Ende in Sicht ist.

Donjon ist somit ein weiteres großes Thema des Abends. Eine Serie die einige Besonderheiten aufzuweisen hat. So gibt es hier verschiedenen Teil-Serien mit Nummerierungen ab 101 oder -99. Oder das Protagonisten (in diesem Fall Monster) von Band zu Band von unterschiedlichen „Gast“-Zeichnern angefertigt werden. Dies ist jedoch sehr schwer, da laut Aussage von Lewis Trondheim, viele der „Eingeladenen“ entweder gleich absagen oder nach einer Zusage und dem Lesen des Szenarios „das Weite suchen“. In der Zusammenarbeit mit Joann Sfar hat sich auch einiges geändert. Während anfänglich ein Band 101 von Lewis abgelehnt wurde konnte er sich nach ein paar Probe-Faxen dafür entscheiden. Danach wurde die Geschichte mehr schlecht als recht durch beide am Telefon weiter gesponnen bis man sich seit 7 Jahren im Sommer für ein paar Wochen trifft und die Szenarien für den Rest des Jahres ausarbeitet.

Wie verwunderlich sein Arbeitsstil und seine Erscheinung auch ist, noch verwunderlicher war die Wahl seiner Person zum Amt des Präsidenten des Comicsalons in d'Angoulême, da er eher ein zurückgezogen lebender Mensch ist. Auch hat er dieses Amt eher anders ausgefüllt als man es von ihm erwartet hatte. Zum Beispiel ließ er keine Ausstellung über sein Lebenswerk zu, denn er ist eine Person, die hast Auszeichnungen zu erhalten.

Er ist, obwohl Sohn eines Buchhändlers und sehr stark mit Papier und Büchern aus solchem verbunden, dem neuen Medium eBook und Internet nicht abgeneigt. Um dieses neue Medium auch zu nutzen hat er sich schon Gedanken zu einem neuen Comic speziell für Handy und Internet überlegt. Woran er aber noch arbeitet ist die Form der Vermarktung und der Lizenzen, die es dann wohl nicht global, sondern für jedes Land separat geben wird. Mit einer kurzen Frage-Runde wurde die recht kurzweilige Runde abgeschlossen, damit man den Gast nicht zu arg beansprucht.



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Bericht vom: 18.10.2008 - 23:11
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Michael Waniek
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