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Der Messezeichner
faszination_comic2008_freitag4223_kleinAbends im Labor, einem Grafikatelier in der Mörfelder Landstraße, wird Andy Bleck dann doch erstmals von einem unbekannten Menschen angesprochen: Eine Hamburgerin, die die „Laborprobenparty“ besucht, sieht ihn in seiner Ecke sitzen und zeichnen und fragt ihn, ob er der aus der FAZ-Messezeitung ist („Wenn sie diesen Mann sehen…“). Der 40-Jährige zeichnete für die ersten drei Ausgaben jeweils Messeeindrücke und wurde zu Beginn von FAZ-Redakteur Andreas Platthaus vorgestellt. Um den zu erwartenden Ruhm ist es ihm aber nicht zu tun. Als die Frau gegangen ist, konstatiert er: „Sie war ganz nett, hat mich nicht belämmert.“

Vorher hatte es sogar so ausgesehen, als hätten die Veröffentlichungen in der FAZ – wenn auch nur in den auf der Buchmesse verteilten Sonderausgaben und im Internet – für Bleck gar keine Auswirkungen. Es hätten ihn nur ein paar Leute darauf angesprochen, die ihn schon kannten, berichtet er. Bleck, der sich selbst als „Amateur-Comichistoriker“ bezeichnet und seine Zeichnungen seit vielen Jahren in eigenen Fanzines mit Mini-Auflage veröffentlicht, hatte schon lange zu Platthaus Kontakt. Etwa einen Monat vor der Buchmesse kam ein e-Mail aus dem Frankfurter Zeitungshaus: Ob er zur Buchmesse komme und ob er sich vorstellen könne, Skizzen zu liefern. Bleck kam, und er konnte es sich vorstellen.

„Ich musste dann schon am Montag in Frankfurt sein, als Uwe Tellkamp im Kaisersaal des Rathauses den Deutschen Buchpreis erhielt“ sagt Bleck. Platthaus besorgte ihm eine Eintrittskarte. Seit Dienstag war er dann pausenlos auf der zunächst noch im Aufbau befindlichen Messe unterwegs und suchte nach Zeichenmotiven. Platthaus hatte ihm zwar eine Liste mit Vorschlägen gegeben, „aber er sage, ich solle machen, was ich immer mache.“ Er hatte also alle Freiheit bei seiner Arbeit.

Andy Bleck ist eine ungewöhnliche Erscheinung auf der Messe: Er nimmt auf einem mitgebrachten Klappstühlchen Platz und vertieft sich dann für Stunden in seinen Skizzenblock. Er zeichnet sehr detaillierte Panoramen, innen und außen. Er hat darin schon langjährige Übung. Befinden sich Menschen auf der Szene, dann bricht er die Skizze ab, sobald sie den Raum wieder verlassen. Der nächste Messebesucher, der ihm ins Auge fällt, wird in den begonnenen Umriss hineingezeichnet. Auf diese Weise wird die Zeit in seinen Zeichnungen sichtbar. Mindestens ebenso interessieren ihn aber die Räume und ihre Struktur, Gebäudefassaden und Straßenansichten.

Persönliches lässt sich Bleck kaum entlocken. Am ehesten ist er bereit, sich über seine Leidenschaft für Comics zu äußern. Ihn regt auf, dass Comics in Deutschland bestenfalls als Unterhaltungsmedium wahrgenommen werden und die meisten Menschen nicht bereit sind, sich ernsthaft mit ihnen auseinander zu setzen. Er begeistert sich vor allem für sehr frühe Comics, die er bereits im 19. Jahrhundert ausmacht: „Sie sind oft sehr komisch, aber nicht bösartig.“ Deutschland brauche ein Comicmuseum, fordert er. Gibt’s doch schon – aber das Museum, das ihm vorschwebt, müsste die ganze Comicgeschichte abbilden und über ein großes Archiv verfügen.

Weil es eine solche Einrichtung in Deutschland tatsächlich nicht gibt, durchstreift Bleck fieberhaft Antiquariate auf der Suche nach alten Comics, Bilderbögen und Satirezeitschriften. Seine Erwerbungen stellt er anschließend ins Internet, neben seinen eigenen Zeichnungen und Fotos. Es gibt in diesem Bereich auch andere Sammler, räumt er ein, aber „die machen ihre Funde ja selten öffentlich zugänglich“.

Andreas Alt

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 18.10.2008 - 17:13
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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