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Schon zu Beginn der Veranstaltung wird klar, dass es Unterschiede
zwischen Deutschland und der Türkei gibt, nämlich als erstes die Sprache. Damit
Otto-Normal-Deutscher dennoch in den Genuss der recht derb-lustigen Unterhaltung
zwischen Moderator und den 5 Zeichnern kommt, durfte eine Dolmetscherin hin-
und her übersetzen was das Zeug hielt. Sie durfte auch erklären, warum der in
den Programmheften abgedruckte Titel für die Veranstaltung nicht unbedingt dem
gewünschten entspricht aber sehr nahe kommt. Eher wäre ein Titel in der Art und
Weise „Von hungrigen Künstlern mit kräftiger Hand“ gewünscht worden. Immer diese
bildhaften Sprachen, da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt. Aber es geht
halt um
„Türkische Zeichner und ihre bildhafte Sprache“
Von dem Gastland Türkei kennen die meisten
Buchmesse-Besucher höchstens den Teil, den sie als Tourist bereist oder im
Fernsehen gesehen haben. Dass dieses Land an der Grenze zum Orient mehr zu
bieten hat als man anfänglich denkt, hat es in den vielen Ausstellungen in und
rund um die Buchmesse schon gezeigt. Wenn man noch dazu erfährt, dass auch in
der Türkei eine Comic-Kultur existiert, ist man gespannt, wie die eigenen
Vorstellungen mit den kulturellen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden
können.

Was dann aber als Gruppe auf die Bühne kommt erinnert eher an
einer deutschen Großstadt-Gang oder Sprayer aus der Bronx. Fünf junge Künstler,
welche nach der Angabe des türkisch sprechenden Moderators in ihrem Land
gefeierte Zeichner sind, nehmen Platz und fangen ohne Vorwarnung an, alles was
nur Papier ähnelt mit ihren Kunstwerken zu verschönern. In Windeseile entstehen
Skizzen und Karikaturen von Situationen die just in diesem Augenblick auf und
um die Bühne herum geschehen. Dabei machen sie nicht vor ihrem Moderator oder
der Dolmetscherin, ja nicht mal vor sich selbst halt. Es wird alles so
dargestellt, wie es die jeweiligen Zeichner sehen oder uns sehen lassen wollen.
Aktuelle Themen aus der Gesprächsrunde werden aufgenommen
und zu Papiergebracht noch eher der Satz ins deutsche Übersetzt wurde. Dabei
bedienen sich die Zeichner teilweise einer sehr „starken“ Bildsprache, die laut
FSK nur mit ab 18-Stempel durchgehen würde. Damit der Leser dies versteht muss gesagt
werden, dass Comics in der Türkei für ein Publikum zwischen 15 und 35 Jahren
gezeichnet werden und somit fast ausschließlich Erwachsenenliteratur darstellen.
Titel für Jugendliche und Kinder sind selten bis fast nicht vorhanden. Die uns
präsentierten Bilder erinnern auch nicht an Cinderella und Co, sondern nach
einer blonden Variante vom kleinen Vampir, der mit einem weiblichen Conan dem Barbaren gekreuzt
wurde. "Underground oder Punk" - so wird der Stil vom Moderator bezeichnet und
prompt mit einem "Underground"-Konterfei seiner selbst belohnt.
Auf die Frage, was den Gästen so im Vergleich zwischen
Deutschland, speziell Frankfurt, und der Türkei aufgefallen sei, nannten sie,
dass ihnen das alles hier so unwirklich erscheint. Alles sei so geordnet ,
mechanisch und perfekt. Was noch viel schlimmer kommt: die Menschen arbeiten
sogar ständig auf diesen Zustand hin. Bei ihnen sei so einiges unvollkommen und darum
fühlen sie sich hier wie auf einem anderen Planeten.
Auch dass sie aufgrund ihrer Arbeit Probleme in ihrer Heimat
hätten, sei noch nicht vorgekommen. Und das ihre Arbeit so freizügig sei – es
ist halt die Art wie sich die Jugendlichen und Erwachsenen unterhalten und so
etwas sei nicht unbedingt neu. Frauen, ja Frauen gibt es auch in ihrem Beruf, genau so
viele wie Männer. Es ist halt ein Beruf wie Bauingenieur.
Und was sie von Deutschland mitnehmen würden? Die
Freundlichkeit der Menschen und die deutschen Pornos, denn die türkische
Porno-Industrie sei ja noch nicht so weit. Der Film zum Event folgt in Kürze.
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