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The International Comics Market 2008

Eine Gesprächsrunde zum Thema „Comics, Absatz und wie schlimm sieht es mit der Comicbranche den wirklich aus?“

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Die Ansichten sind verschieden, so verschiedenen sie nur sein können. Für die einen ist die Situation besser denn je, für die anderen steht das Ende einer Kultur vor der Tür. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen oder besser gesagt, in der Verschmelzung beider Aussagen, denn es tut sich einiges auf dem Markt. Und wo bietet es sich besser an über diese Themen zu reden, wenn nicht auf der Frankfurter Buchmesse, wo sich Spezialisten aller Genre treffen.

Einen Blick auf die Situation des Internationalen Comic Marktes werfen für uns:

Chigusa Ogino, ihres Zeichens nicht nur Japanerin, sondern auch Director von Tuttle-Mori Agency Inc. Sie ist unter anderem dafür verantwortlich, dass Titel wie Dragon Ball, Full Metal Alchemist oder Evangelion in unseren deutschen Manga-Regalen und auch Weltweit zu finden sind, da sie seit 1991 die Lizenzen für diese vertreibt.

Claudio Curcio, wie der Name schon erahnen lässt, ist er aus Italien angereist und Veranstaltungsdirektor der ComiCon, des internationalen Comic-Festivals in Neapel. Er repräsentiert das Wissen über den italienischen und von italienischen Verlagen beherrschten Anteil des Weltmarktes.

Didier Pasamonik repräsentiert den frankobelgischen Comicmarkt und zeigte auf, worauf es bei unseren Nachbarn und deren Lesegewohnheiten ankommt. Als Chefredakteur der Webseite ActuaBD weiß er gut, wie es mit Tim & Struppi, Asterix und Co, um nur die bekanntesten Vertreter zu nennen, bestellt ist.

Chuck Rozanski aus den Vereinigten Staaten ist Betreiber von Mile High Comics und verdient nun seit mehr als 30 Jahren sein Geld mit dem An- und Verkauf von Comics. Er rechnet nicht mehr in Stückzahlen, sondern in Tonnen von Comics oder in Lastern, die diese transportieren müssen. Seine Ansichten sind Positiv, jedoch nicht für jeden.

Last but not least:

Andreas Dirks von comics.de, der nicht nur die deutsche Sichtweise auf den Comic-Markt vertritt, sondern auch zu dieser Runde eingeladen hatte und als Moderator fungierte.

Die Gäste aus der Türkei und Korea konnten aus persönlichen bzw. familiären Gründen nicht an der Runde teilnehmen.

Chuck RosanskiChuck Rosanski sieht die Situation in den USA recht positiv: Obwohl das Damoklesschwert der Finanzkrise über dem Amerikanischen Markt schwebt, erfreut sich der Comicmarkt selbst einer ungebrochenen, eher noch steigenden Beliebtheit. Das stark anwachsende Konsumieren multivisueller Informationsträger, wie Internetdownloads und TV, lässt auch in Amerika die Zahl der klassischen Leser schrumpfen. Man hat das Gefühl, das keiner mehr lesen will oder kann. Immer mehr Buchläden und jene speziell für Comics müssen ihre Pforten schließen.

Die Comics freuen sich ungebrochener Beliebtheit und doch müssen Comic-Shops schließen – Wie passt das zusammen?

Der Markt verschiebt sich hin zum Internet-Markt, und zwar genauer gesagt zum Markt der Sammler unter sich. Während die Nachfrage nach neuen Comic-Publikationen und der Vertrieb im klassischen Sinne über einen Händler und Verkäufer nachlässt, werden für den Collector 2Collector-Markt neue Türen geöffnet. Eine Auswertung des Bereichs Comics von eBay-US hat ergeben, dass im letzten Jahr aus Comics und Comicnahen Produkten ein Umsatz von 400 Mio $ erzeugt wurde. Der amerikanische Comic-Markt ist da, nur woanders.

Nun ein Blick zu unseren Nachbarn nach Frankreich und Belgien:

Mangas retten den nationalen Markt – so könnte man die Erkenntnis des Abends für den frankobelgischen Bereich zusammenfassen. Durch den starken Bekanntheitsgrad der importieren Manga-Titel „stolpern“ immer mehr Jugendliche in die Comicszene und auch über die heimischen Titel, und bleiben dort hängen. Während die Nachfrage nach asiatischen Publikationen nicht mehr so steigt wie in den Vorjahren, erfreuen sich die Titel aus Belgischer und Französischer Schmiede immer größerer Beliebtheit. Im Ganzen werden zwar immer noch mehr Titel produziert als im Vorjahr, doch das Wachstum hat nachgelassen. Was den französischen Markt noch erschwert ist die große Anzahl an Verlagen, die sich diesen scheinbar nicht mehr so üppigen Kuchen teilen müssen, der auch von Internationalen Verlagen beansprucht wird. So wird auf altbewährtes gesetzt: bekannte und beliebte Titel müssen ihre Qualität und die Fahne der frankobelgischen Comics hochhalten.

Chigusa OginoDiese Abwanderung vom klassischen, alleinstehenden Comic weg zu Multimedia-Inhalten ist ein Problem, das auch dem asiatischen Markt bekannt ist. Die Verwertung von Comic-Lizenzen geht über Verwendung in Computerspielen und TV-Serien bis hin zur erfolgreichen Real-Verfilmung von Comic-Stoffen neue erfolgreiche Weg. Wie in Amerika verändert sich hier der Markt und greift neue dem Zeitalter angepasste Sichtweisen auf. Mobile-Manga ist eine in Japan gängig Alternative zum gedruckten Manga, weil die Verbreitung und die Funktionsfähigkeit von Handys die des stationären PCs oder des schweren Buches weit hinter sich gelassen hat. Aber auch hier gilt das Problem, dass immer mehr Publikationen sich einer immer kleiner werdenden Nachfrage stellen müssen

Aber auch aus Richtung der italienischen Comicszene wird bestätigt, dass Veränderungen im Comicmarkt nicht zu verleugnen sind. Während ehemalig große Verlage und Produzenten um ihrer Existenz zu kämpfen haben, können kleinere Independent-Verlage eine Alternative bieten und ihre Präsents ausbauen. Man kann sich nicht mehr auf Althergebrachtem ausruhen, was Walt Disney spüren musste und nun seinen Mitarbeiterstab in Italien reduziert.

Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass der der Comic-Markt noch existiert und existieren wird, nur wird er sich wandeln, um sich den Gegebenheiten einer multimedialen Technikgesellschaft anzupassen.

Der Film und der Podcast zur Veranstaltung folgt in Kürze.



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Bericht vom: 16.10.2008 - 10:43
Kategorie: Filmmitschnitte
Autor dieses Berichts: Michael Waniek
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