SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 42 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Inteview mit Lee Bermejo


Splash: Jetzt sitze ich hier mit Lee Bermejo, der gebürtiger Amerikaner ist und momentan in Italien lebt. Italien scheint sich zu einer Art europäischem Treffpunkt für amerikanische Comiczeichner zu entwickeln...

Lee Bermejo: Daran ist Jim Lee schuld!

Splash: Du hast an einer Reihe unterschiedlicher Projekte gearbeitet, wie dem One-Shot „Superman/Gen 13“, der Mini-Serie „Batman/Deathblow: After the Fire“ und „Hellblazer“. Was zeichnest Du momentan?

Lee Bermejo: „Lex Luthor: Man of Steel“, zusammen mit Brian Azarello. Eine fünfteilige Mini-Serie.


Splash: Wie weit bist Du mit Deiner Arbeit an dieser Serie bereits?

(Lee lacht bei dieser Frage – Kein Wunder, denn wie ich später gehört habe, musste er am Abend dieses Tages noch das dritte Heft auf seinem Hotelzimmer zu Ende zeichnen.)

Lee Bermejo: Ich arbeite im Moment an Ausgabe 3.

Splash: Und ich habe erfahren, dass Du demnächst mit Mike Mignola zusammenarbeitest...

Lee Bermejo: Ja, ich übernehme „Hellboy“ von Mike. Mike zeichnet noch eine Mini-Serie namens „The Island“, die nächstes Jahr erscheint, und danach kommt unsere gemeinsame Mini-Serie raus. Sie wird sechs Ausgaben umfassen.

Splash: Hat Mike die Serie und den Hauptcharakter etwa satt?

Lee Bermejo: Nein, nein. Nicht im Geringsten. Mike wird weiterhin sehr in die Serie involviert sein. Er wird den Comic schreiben, die Redaktion übernehmen und die Cover zeichnen. Und er wird auch stark in Sachen Charakter-Design mitmischen. Ich denke einfach, dass es noch andere Projekte gibt, die er gerne in Angriff nehmen würde. Er hat für „Hellboy“, der gerade jetzt durch den Film einen viel größeren Bekanntheitsgrad erlangt hat, immer noch eine Menge Geschichten auf Lager, die er erzählen möchte, aber einfach nicht die Zeit dafür. Er macht „Hellboy“ jetzt seit elf Jahren und ich glaube, er will einfach noch ein paar andere Dinge zeichnen. Daher suchten die Leute von Dark Horse einen Ersatzmann.

Splash: Warum wurdest Du ausgewählt, um in Mignolas Fußstapfen zu treten?

Lee Bermejo: Ich habe den „Hellboy“-Redakteur Scott Allie vor zwei Jahren auf dem Chicago Con getroffen. Ich bin damals zu ihm gegangen, um ihn zu ein paar großartigen Comics zu gratulieren, die er für die Horrorschiene von Dark Horse betreut hat. Sie haben ein paar tolle Serien rausgebracht, wie „Freaks of the Heartland“ und „Goon“, die ich wirklich interessant fand. Es war nett, diese Art von Comics auf dem Markt zu haben. All das Horror-Zeug, das bei Dark Horse erschienen ist. Ich fand es großartig und ich gab Scott ein Sketchbuch von mir – es ist für Künstler in den Staaten sehr populär eins zu haben – und darin waren zwei „Hellboy“-Zeichnungen. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass sie nach jemandem suchten, um „Hellboy“ zu zeichnen. Ich hätte nicht in einer Millionen Jahren daran gedacht, dass Mike jemand anderen diesen Charakter zeichnen lassen würde. Zwei Wochen später bekam ich einen Anruf von Scott Allie und er sagte: „Ich habe ein Angebot, das Du nicht ablehnen kannst.“ Sie boten mir „Hellboy“ an und ich fühlte mich natürlich extrem geschmeichelt. Es ist eine meiner liebsten Comic-Serien aller Zeiten. Außerdem war es eine Chance, mit Mignola zusammenzuarbeiten, der eines meiner größten Vorbilder ist. Ich respektiere und bewundere ihn sehr.

Splash: Du hast höchstwahrscheinlich auch den „Hellboy“-Film gesehen. Mochtest Du ihn?

Lee Bermejo: Ja, ich liebe den Film. Ich denke, dass es definitiv eine der bisher besten Comic-Adaptionen ist. Und es war toll, so viel von Mike Mignolas Humor zu sehen. Es war mehr als nur sein Stil – der Film hat wirklich Mike Mignolas Geist eingefangen. Ihm und seiner Schöpfung wurde so viel Achtung entgegen gebracht und der Film zeigt, wie sehr seine Macher das Original-Material mochten. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe bei der Film-Adaption eines Comics.

Splash: Und Ron Perlman ist Hellboy, nicht wahr?

Lee Bermejo: Ja, definitiv. Wenn ich jetzt „Hellboy“ lese, höre ich Ron Perlmans Stimme.

Splash: Nachdem Du uns schon von Deinen gegenwärtigen und zukünftigen Comic-Projekten erzählt hast, wie sieht es mit Deiner Vergangenheit aus? Wie ist es dazu gekommen, dass Du professioneller Comiczeichner geworden bist? Ich habe gelesen, dass Du bereits mit 18 Jahren bei Wildstorm angefangen hast

Lee Bermejo: Ja, ich wurde von Scott Dunbier eingestellt, der jetzt Chefredakteur bei Wildstorm ist. Damals war er noch einfacher Redakteur und ich hatte ihm bereits mehrere Jahre lang meine Arbeit bei Conventions gezeigt. Wildstorm hatte ein Praktikanten-Programm, das zu dieser Zeit gerade auslief, und ich war der letzte Praktikant, der über einen Zeitraum von fünf Jahren eingestellt wurde..


Splash: Wo hatte Wildstorm damals seine Studios?

Lee Bermejo: La Hoya, Kalifornien. Nahe bei San Diego.

Splash: Du bist dann also nach Kalifornien gezogen, um in den Wildstorm Studios zu arbeiten?

Lee Bermejo: Ich lebte bereits seit meinem elften Lebensjahr in Kalifornien. Meine Familie war damals [von Ohio] nach Südkalifornien gezogen. So war es nur ein Umzug über eine Vier-Stunden-Distanz. Keine große Sache. Ich bin also umgezogen und sie haben mich in einem Appartement einquartiert, in dem auch ein paar andere Praktikanten lebten. Am besten vergleichbar war das Ganze mit einer Art Studenten-WG für Comic-Zeichner.

Splash: Klingt nach Spaß.

Lee Bermejo: Man wurde bezahlt, um zu lernen wie man Comics zeichnet und war von anderen Leuten umgeben, die Comics liebten. Es war fantastisch. Und natürlich war da noch Jim Lee - und man arbeitete im selben Studio wie Jeff Campbell. Travis Charest war auch für eine kleine Weile dort. Es war einfach eine coole Erfahrung, in einer Atmosphäre zu arbeiten, die einige wirklich fantastische Künstler hervorgebracht hat.

Splash: Abgesehen von Jim Lee und Mike Mignola, wer hat Dich sonst noch inspiriert zu zeichnen? Wenn Du dich an deine Kindheit erinnerst, wer war damals Dein Held unter den Comic-Zeichnern?

Lee Bermejo: Okay... wer war der erste Künstler, den ich damals bewusst wahrnahm? Eigentlich waren es zwei. Einer war Howard Chaykin. Ich glaube, ich bekam eine Ausgabe von „Blackhawk“ in die Hände, als ich im fünften Schuljahr war. „Blackhawk“ war gemalt und mir gefiel wirklich die Art wie Howard Chaykin Menschen zeichnete. Die Leute sahen real aus und der Comic war wunderschön gemacht. Ich mochte auch die Tatsache, dass es nicht wirklich um Superhelden ging, es war eher wie „Indiana Jones“. Ich dachte: Das ist fantastisch. Und dann schenkte mir meine Großmutter „Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ zu Weihnachten.

Splash: Als du im fünften Schuljahr warst?

Lee Bermejo: Ja. Ich war auf Anhieb begeistert von Frank Miller. Für mich war es damals das Gleiche wie mit „Blackhawk“. „Die Rückkehr des Dunklen Ritters“ war anders als die übrigen Comics. Dieser Comic war gemalt, er hatte das bessere Papier und eine bessere Bindung. Und als Kind ist man es eigentlich gewöhnt, sich nicht um den Zustand seiner Comics zu kümmern. Man rollt sie einfach zusammen. Es war seltsam, dass ich auf einmal einen Comic besaß, bei dem ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, ich müsste ihn gut behandeln. Und dann habe ich begonnen, mich für andere Erwachsenen-Comics zu interessieren.

Splash: Und damals hast Du dich entschieden, auch Comics zu zeichnen?

Lee Bermejo: Ich habe bereits als Kind angefangen zu zeichnen. „Star Wars“ und so was und auch immer schon Superhelden. Batman ist einer meiner Lieblingscharaktere seit ich ein kleines Kind war.

Splash: Und wann hast Du zum ersten Mal gedacht, dass Du vielleicht davon leben könntest?

Lee Bermejo: Ich glaube, damals, im fünften Schuljahr. Da hatte ich den Gedanken: Mann, es wäre wirklich cool, wenn Du das machen könntest. Wenn man dann älter wird, wird man natürlich durch anderen Interessen abgelenkt. In der High School war ich besessen von Filmen und es gab eine Phase, in der ich Kameramann werden wollte. Aber währenddessen habe ich die ganze Zeit Comics gezeichnet – einfach für mich. Dann habe ich ein Jahr an der Universität verbracht und wollte Maler werden. Wie gesagt, habe ich die ganze Zeit über immer noch Comics gezeichnet, aber das stand für eine Weile einfach nicht im Mittelpunkt. Ich bin zu Conventions gegangen, habe meine Arbeit rumgezeigt und niemand hat mir einen Job gegeben. Und ich dachte: Okay, vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht versuche ich mich einfach an den anderen Dingen, für die ich mich interessiere. Und natürlich, genau zu diesem Zeitpunkt wurde ich von Wildstorm eingestellt.

Splash: Glücklicher Zufall oder vielleicht Schicksal... Zurück in die Gegenwart. Ist die „Comic Action“ Deine erste Convention in Deutschland?

Lee Bermejo: Ja, meine aller erste Convention in Deutschland.

Splash: Und wie war der erste Tag hier?

Lee Bermejo: Es war fantastisch. Es ist interessant, die Conventions in verschiedenen Ländern zu vergleichen. Da gibt es schon Unterschiede, aber im Großen und Ganzen sind die Leute immer sehr nett. Das ist das Beste an diesen Veranstaltungen.


Splash: Haben sich die Fans gut benommen?

Lee Bermejo: Ich glaube, ich habe niemals eine wirklich schlechte Erfahrung mit Fans gemacht. Sie waren bisher immer sehr freundlich. Und ich bin einfach glücklich, dass jemand den Mist, den ich zeichne, haben will. (lacht)

Splash: Wenn Du es so siehst... Glaubst Du, dass Du die nächsten drei Tage Dauerzeichnen durchhältst? Ist Deine Hand noch in Ordnung?

Lee Bermejo: Ja, meine Hand ist noch nicht gebrochen. Und ich bin ein Künstler, der sich über Nacht auflädt. (lacht) Also wird das Nachtleben hier entscheidend sein, wie die nächsten Tage verlaufen werden.

Splash: Und was steht für Dich für die Zukunft an? Gibt es noch weitere Projekte neben „Hellboy“ und der Lex Luthor-Mini-Serie?

Lee Bermejo: Ein paar Sachen, aber nichts, was schon wirklich spruchreif wäre. Ich habe da ein eigenes Projekt – zwei, um genau zu sein. Eins entwickle ich sowohl für Film als auch Comic, das andere ist nur für den Comic-Markt gedacht. Es gibt wirklich einige Dinge, die ich in Zukunft tun möchte. „Hellboy“ wird aber eine Menge meiner Zeit in Anspruch nehmen. Ich denke also über andere Projekte nach, doch sie müssen alle um meine Arbeit an „Hellboy“ herum geplant werden. Es wird in nächster Zeit aber hoffentlich mehr von mir erscheinen als in den letzten Jahren.

Splash: Das hoffe ich auch. Danke für das Interview.



Daten dieses Berichts
Download als MP3-Datei: Download - 2.63 MB (1.085 Downloads)
Direkt anhören:
Download als Real Media-Datei: Download - 1.37 MB (233 Downloads)
Bericht vom: 22.10.2004 - 12:36
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Andreas Vllinger
«« Der vorhergehende Bericht
Interview mit Giuseppe Camuncoli
Der nächste Bericht »»
Zeichnerallee - Vorstellung der Zeichner Teil I