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Splash: Jetzt
sitze ich hier mit Lee Bermejo, der gebürtiger Amerikaner ist und momentan in
Italien lebt. Italien scheint sich zu einer Art europäischem Treffpunkt für
amerikanische Comiczeichner zu entwickeln...
Lee
Bermejo: Daran ist Jim Lee schuld!
Splash: Du hast an einer Reihe unterschiedlicher Projekte
gearbeitet, wie dem One-Shot „Superman/Gen 13“, der Mini-Serie
„Batman/Deathblow: After the Fire“ und „Hellblazer“. Was zeichnest Du momentan?
Lee Bermejo: „Lex Luthor: Man of Steel“, zusammen mit Brian
Azarello. Eine fünfteilige Mini-Serie.

Splash: Wie weit bist Du mit Deiner Arbeit an dieser Serie
bereits?
(Lee lacht bei dieser Frage – Kein Wunder, denn wie ich
später gehört habe, musste er am Abend dieses Tages noch das dritte Heft auf
seinem Hotelzimmer zu Ende zeichnen.)
Lee Bermejo: Ich arbeite im Moment an Ausgabe 3.
Splash: Und ich habe erfahren, dass Du demnächst mit Mike
Mignola zusammenarbeitest...
Lee Bermejo: Ja, ich übernehme „Hellboy“ von Mike. Mike
zeichnet noch eine Mini-Serie namens „The Island“, die nächstes Jahr erscheint,
und danach kommt unsere gemeinsame Mini-Serie raus. Sie wird sechs Ausgaben
umfassen.
Splash: Hat Mike die Serie und den Hauptcharakter etwa satt?
Lee Bermejo: Nein, nein. Nicht im Geringsten. Mike wird
weiterhin sehr in die Serie involviert sein. Er wird den Comic schreiben, die
Redaktion übernehmen und die Cover zeichnen. Und er wird auch stark in Sachen
Charakter-Design mitmischen. Ich denke einfach, dass es noch andere Projekte
gibt, die er gerne in Angriff nehmen würde. Er hat für „Hellboy“, der gerade
jetzt durch den Film einen viel größeren Bekanntheitsgrad erlangt hat, immer
noch eine Menge Geschichten auf Lager, die er erzählen möchte, aber einfach nicht
die Zeit dafür. Er macht „Hellboy“ jetzt seit elf Jahren und ich glaube, er
will einfach noch ein paar andere Dinge zeichnen. Daher suchten die Leute von
Dark Horse einen Ersatzmann.
Splash: Warum wurdest Du ausgewählt, um in Mignolas
Fußstapfen zu treten?
Lee Bermejo: Ich habe den „Hellboy“-Redakteur Scott Allie
vor zwei Jahren auf dem Chicago Con getroffen. Ich bin damals zu ihm gegangen,
um ihn zu ein paar großartigen Comics zu gratulieren, die er für die
Horrorschiene von Dark Horse betreut hat. Sie haben ein paar tolle Serien
rausgebracht, wie „Freaks of the Heartland“ und „Goon“, die ich wirklich
interessant fand. Es war nett, diese Art von Comics auf dem Markt zu haben. All
das Horror-Zeug, das bei Dark Horse erschienen ist. Ich fand es großartig und
ich gab Scott ein Sketchbuch von mir – es ist für Künstler in den Staaten sehr
populär eins zu haben – und darin waren zwei „Hellboy“-Zeichnungen. Ich hatte
zu diesem Zeitpunkt keine Ahnung, dass sie nach jemandem suchten, um „Hellboy“
zu zeichnen. Ich hätte nicht in einer Millionen Jahren daran gedacht, dass Mike
jemand anderen diesen Charakter zeichnen lassen würde. Zwei Wochen später bekam
ich einen Anruf von Scott Allie und er sagte: „Ich habe ein Angebot, das Du
nicht ablehnen kannst.“ Sie boten mir „Hellboy“ an und ich fühlte mich
natürlich extrem geschmeichelt. Es ist eine meiner liebsten Comic-Serien aller
Zeiten. Außerdem war es eine Chance, mit Mignola zusammenzuarbeiten, der eines
meiner größten Vorbilder ist. Ich respektiere und bewundere ihn sehr.
Splash: Du hast höchstwahrscheinlich auch den „Hellboy“-Film
gesehen. Mochtest Du ihn?
Lee Bermejo: Ja, ich liebe den Film. Ich denke, dass es
definitiv eine der bisher besten Comic-Adaptionen ist. Und es war toll, so viel
von Mike Mignolas Humor zu sehen. Es war mehr als nur sein Stil – der Film hat
wirklich Mike Mignolas Geist eingefangen. Ihm und seiner Schöpfung wurde so
viel Achtung entgegen gebracht und der Film zeigt, wie sehr seine Macher das
Original-Material mochten. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas gesehen habe
bei der Film-Adaption eines Comics.
Splash: Und Ron Perlman ist Hellboy, nicht wahr?
Lee Bermejo: Ja, definitiv. Wenn ich jetzt „Hellboy“ lese,
höre ich Ron Perlmans Stimme.
Splash: Nachdem Du uns schon von Deinen gegenwärtigen und
zukünftigen Comic-Projekten erzählt hast, wie sieht es mit Deiner Vergangenheit
aus? Wie ist es dazu gekommen, dass Du professioneller Comiczeichner geworden
bist? Ich habe gelesen, dass Du bereits mit 18 Jahren bei Wildstorm angefangen
hast
Lee Bermejo: Ja, ich wurde von Scott Dunbier eingestellt,
der jetzt Chefredakteur bei Wildstorm ist. Damals war er noch einfacher
Redakteur und ich hatte ihm bereits mehrere Jahre lang meine Arbeit bei
Conventions gezeigt. Wildstorm hatte ein Praktikanten-Programm, das zu dieser
Zeit gerade auslief, und ich war der letzte Praktikant, der über einen Zeitraum
von fünf Jahren eingestellt wurde..

Splash: Wo hatte Wildstorm damals seine Studios?
Lee Bermejo: La Hoya, Kalifornien. Nahe bei San Diego.
Splash: Du bist dann also nach Kalifornien gezogen, um in
den Wildstorm Studios zu arbeiten?
Lee Bermejo: Ich lebte bereits seit meinem elften Lebensjahr
in Kalifornien. Meine Familie war damals [von Ohio] nach Südkalifornien
gezogen. So war es nur ein Umzug über eine Vier-Stunden-Distanz. Keine große
Sache. Ich bin also umgezogen und sie haben mich in einem Appartement
einquartiert, in dem auch ein paar andere Praktikanten lebten. Am besten
vergleichbar war das Ganze mit einer Art Studenten-WG für Comic-Zeichner.
Splash: Klingt nach Spaß.
Lee Bermejo: Man wurde bezahlt, um zu lernen wie man Comics
zeichnet und war von anderen Leuten umgeben, die Comics liebten. Es war
fantastisch. Und natürlich war da noch Jim Lee - und man arbeitete im selben Studio wie Jeff Campbell. Travis Charest
war auch für eine kleine Weile dort. Es war einfach eine coole Erfahrung, in
einer Atmosphäre zu arbeiten, die einige wirklich fantastische Künstler
hervorgebracht hat.
Splash: Abgesehen von Jim Lee und Mike Mignola, wer hat Dich
sonst noch inspiriert zu zeichnen? Wenn Du dich an deine Kindheit erinnerst,
wer war damals Dein Held unter den Comic-Zeichnern?
Lee Bermejo: Okay... wer war der erste Künstler, den ich
damals bewusst wahrnahm? Eigentlich waren es zwei. Einer war Howard Chaykin.
Ich glaube, ich bekam eine Ausgabe von „Blackhawk“ in die Hände, als ich im
fünften Schuljahr war. „Blackhawk“ war gemalt und mir gefiel wirklich die Art
wie Howard Chaykin Menschen zeichnete. Die Leute sahen real aus und der Comic
war wunderschön gemacht. Ich mochte auch die Tatsache, dass es nicht wirklich
um Superhelden ging, es war eher wie „Indiana Jones“. Ich dachte: Das ist
fantastisch. Und dann schenkte mir meine Großmutter „Batman: Die Rückkehr des
Dunklen Ritters“ zu Weihnachten.
Splash: Als du im fünften Schuljahr warst?
Lee Bermejo: Ja. Ich war auf Anhieb begeistert von Frank
Miller. Für mich war es damals das Gleiche wie mit „Blackhawk“. „Die Rückkehr
des Dunklen Ritters“ war anders als die übrigen Comics. Dieser Comic war
gemalt, er hatte das bessere Papier und eine bessere Bindung. Und als Kind ist
man es eigentlich gewöhnt, sich nicht um den Zustand seiner Comics zu kümmern.
Man rollt sie einfach zusammen. Es war seltsam, dass ich auf einmal einen Comic
besaß, bei dem ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, ich müsste ihn gut
behandeln. Und dann habe ich begonnen, mich für andere Erwachsenen-Comics zu
interessieren.
Splash: Und damals hast Du dich entschieden, auch Comics zu
zeichnen?
Lee Bermejo: Ich habe bereits als Kind angefangen zu
zeichnen. „Star Wars“ und so was und auch immer schon Superhelden. Batman ist
einer meiner Lieblingscharaktere seit ich ein kleines Kind war.
Splash: Und wann hast Du zum ersten Mal gedacht, dass Du
vielleicht davon leben könntest?
Lee Bermejo: Ich glaube, damals, im fünften Schuljahr. Da
hatte ich den Gedanken: Mann, es wäre wirklich cool, wenn Du das machen
könntest. Wenn man dann älter wird, wird man natürlich durch anderen Interessen
abgelenkt. In der High School war ich besessen von Filmen und es gab eine
Phase, in der ich Kameramann werden wollte. Aber währenddessen habe ich die
ganze Zeit Comics gezeichnet – einfach für mich. Dann habe ich ein Jahr an der
Universität verbracht und wollte Maler werden. Wie gesagt, habe ich die ganze
Zeit über immer noch Comics gezeichnet, aber das stand für eine Weile einfach
nicht im Mittelpunkt. Ich bin zu Conventions gegangen, habe meine Arbeit
rumgezeigt und niemand hat mir einen Job gegeben. Und ich dachte: Okay,
vielleicht soll es einfach nicht sein. Vielleicht versuche ich mich einfach an
den anderen Dingen, für die ich mich interessiere. Und natürlich, genau zu
diesem Zeitpunkt wurde ich von Wildstorm eingestellt.
Splash: Glücklicher Zufall oder vielleicht Schicksal...
Zurück in die Gegenwart. Ist die „Comic Action“ Deine erste Convention in
Deutschland?
Lee Bermejo: Ja, meine aller erste Convention in
Deutschland.
Splash: Und wie war der erste Tag hier?
Lee Bermejo: Es war fantastisch. Es ist interessant, die
Conventions in verschiedenen Ländern zu vergleichen. Da gibt es schon
Unterschiede, aber im Großen und Ganzen sind die Leute immer sehr nett. Das ist
das Beste an diesen Veranstaltungen.

Splash: Haben sich die Fans gut benommen?
Lee Bermejo: Ich glaube,
ich habe niemals eine wirklich schlechte Erfahrung mit Fans gemacht. Sie waren
bisher immer sehr freundlich. Und ich bin einfach glücklich, dass jemand den
Mist, den ich zeichne, haben will. (lacht)
Splash: Wenn Du es so siehst... Glaubst Du, dass Du die
nächsten drei Tage Dauerzeichnen durchhältst? Ist Deine Hand noch in Ordnung?
Lee Bermejo: Ja, meine Hand ist noch nicht gebrochen. Und
ich bin ein Künstler, der sich über Nacht auflädt. (lacht) Also wird das
Nachtleben hier entscheidend sein, wie die nächsten Tage verlaufen werden.
Splash: Und was steht für Dich für die Zukunft an? Gibt es
noch weitere Projekte neben „Hellboy“ und der Lex Luthor-Mini-Serie?
Lee Bermejo: Ein paar Sachen, aber nichts, was schon
wirklich spruchreif wäre. Ich habe da ein eigenes Projekt – zwei, um genau zu
sein. Eins entwickle ich sowohl für Film als auch Comic, das andere ist nur für
den Comic-Markt gedacht. Es gibt wirklich einige Dinge, die ich in Zukunft tun
möchte. „Hellboy“ wird aber eine Menge meiner Zeit in Anspruch nehmen. Ich
denke also über andere Projekte nach, doch sie müssen alle um meine Arbeit an
„Hellboy“ herum geplant werden. Es wird in nächster Zeit aber hoffentlich mehr
von mir erscheinen als in den letzten Jahren.
Splash: Das hoffe ich auch. Danke für das Interview.
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