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Interview mit Giuseppe Camuncoli

Splash: Giuseppe, an welcher Serie arbeitest Du momentan?


Giuseppe Camuncoli: Momentan mache ich einen Fill-in-Job für „Hellblazer“ und zwar die Nummer 106, zusammen mit Mike Carey. Ich beende die letzten Seiten hier in meinem Hotelzimmer, weil jetzt Abgabetermin ist. Außerdem arbeite ich an einer neuen Serie für Wildstorm namens „The Intimates“, die von Joe Casey geschrieben und von Sandra Hope geinkt wird. Und Jim Lee macht die Cover für dieses Projekt. Es ist eine fortlaufende Serie, die im Wildstorm-Universum spielt und die erste Ausgabe wird im November erscheinen. Ich werde in dem Monat zu einer Comic Convention in Dallas reisen, wo die Serie ihre Premiere feiert.


Splash: Erzähl uns ein bisschen über „The Intimates“, wovon handelt die Serie?

Giuseppe Camuncoli: Es ist eine Geschichte über eine Gruppe von Jugendlichen mit Superkräften, die diese Schule namens „The Seminary“ besuchen, um zu lernen, wie man ein Superheld wird. Das Problem dabei ist, dass die Leute, die hinter der Schule stecken, nicht gerade nette Typen sind und auch die Schüler sind alles andere Musterschüler. Sie wollen lernen, mit ihren Kräften umzugehen, aber haben dabei nicht unbedingt das Wohlergehen der Menschheit im Sinn. Die Lehrer am „Seminary“ sind entweder gescheiterte Ex-Superhelden oder Superhelden, die in Rente gegangen sind und sich entschieden haben zu unterrichten. Es ist alles ein bisschen verrückt. Joe Casey ist ein abgefahrener Autor.

Splash: Hast Du ihn persönlich getroffen?

Giuseppe Camuncoli: Ja, ich habe ihn dieses Jahr in San Diego getroffen und er ist fantastisch. Er nimmt niemals seine Sonnenbrille ab.

Splash: Er ist auch ein Rockstar, oder? Er singt in einer Rockband und spielt Gitarre...

Giuseppe Camuncoli: Ja, das habe ich auch gehört. Aber ich hab ihn nie spielen gesehen.

Splash: Und seine Scripts, sind die genauso verrückt wie er?

Giuseppe Camuncoli: Ja, sie sind fantastisch. Ich habe bereits fünf Ausgaben gezeichnet. Jetzt mache ich die „Hellblazer“-Ausgabe und dann geht es zurück an die Arbeit zu „The Intimates“, Ausgabe 6. Wie gesagt, es ist eine fortlaufende Serie. Außerdem bin ich nächstes Jahr Teil eines großen Batman-Projekts für DC Comics namens „Batman: Europa“. Es ist eine Geschichte, die in Europa spielt, geschrieben von Brian Azarello und Matteo Casali, der auch „Bonerest“ mit mir gemacht hat. Jede Ausgabe wird von einem anderen Künstler gezeichnet. Eine von mir, eine von Lee Bermejo, eine von Gabriele Dell’Otto und eine von Jim Lee.

Splash: Da Du gerade von Jim Lee sprichst, ihr beiden seid befreundet, richtig?
Giuseppe Camuncoli: Ja, er lebte für ein Jahr in Italien und wir teilten uns ein Zeichenstudio.

Splash: Wie ist es dazu gekommen? Ich meine, er ist Jim Lee. Wie hast Du ihn kennen gelernt?


Giuseppe Camuncoli: Ich habe ihn 2003 in Neapel getroffen, bei einer Convention, und er war im Begriff für ein Jahr nach Italien zu ziehen – mit seiner Familie, er hat eine Frau und drei Kinder. Aber er hatte sich noch nicht für eine Stadt entschieden. Zuerst zog er nach Bologna, das in der Nähe meiner Heimatstadt liegt, aber das war zu groß für seine Kinder. Ich lebe in einer Stadt namens Reggio Emilia, die 150.000 Einwohner hat. Wenn Du im Stadtzentrum wohnst, kannst Du jede Ecke der Stadt erreichen, ohne ein Auto zu benutzen. Außerdem haben wir die besten Kindergärten und Schulen der Welt. Jim und ich entschlossen uns dann, ein Studio zu teilen. Es war seine Idee, denn er war es gewohnt, mit anderen Leuten in einem Zeichenstudio zu arbeiten. So fragte er mich, ob ich Interesse hätte, mir ein Studio mit ihm zu teilen und ich sagte „ja“. (lacht)

Splash: Das ist nett.

Giuseppe Camuncoli: Und dann fragte er mich, ob ich an dieser Wildstorm-Serie mitarbeiten wollte und ich sagte: „ja“.

Splash: Wer würde da nicht "ja" sagen? Die neue Serie, die erwähnt hast, heißt auffallender Weise „Batman: Europa“, nicht „Batman: Europe“. Es ist also wirklich so etwas wie eine Europäisch-Amerikanische Co-Produktion. Der Autor ist Amerikaner und die Künstler...

Giuseppe Camuncoli: Ein Autor ist Amerikaner und einer aus Italien, denn Matteo [Casali] ist ja Italiener.

Splash: Okay. Haben Du und Jim [Lee] die Idee für diese Serie zusammen entwickelt?

Giuseppe Camuncoli: Es war Jims Idee. Die Geschichte spielt in Europa. Jede Ausgabe wird gemalt sein und in einer anderen Stadt spielen. Ich glaube, das erste Heft wird in Berlin spielen, ich bin aber noch nicht sicher. Und dann folgen vielleicht Paris und Rom. Wir müssen das noch entscheiden, sind noch mitten in der Planungsphase. Aber DC hat das Projekt bereits angekündigt.


Splash: Und wie kam es zu der Idee, dass jede Ausgabe von einem anderen Künstler gemalt werden soll?
Giuseppe Camuncoli: Nun, wir wollten einen Batman Comic haben, an dem wir vier Zeichner alle arbeiten konnten. Dieses Konzept ist daher perfekt.

Splash: Kannst Du uns vielleicht ein paar Hinweise zur Story geben? Batman ist also in Europa unterwegs...

Giuseppe Camuncoli: Ja. Ich glaube, der Joker wird auch involviert sein. Aber ansonsten weiß ich nicht viel mehr.

Splash: Du hast das Script also noch nicht gesehen?

Giuseppe Camuncoli: Ich habe Brians Plot gelesen, aber der ist auch noch in der Entwicklungsphase. Daher könnten sich noch Dinge ändern und ich will nichts Falsches sagen.

Splash: Und die Serie erscheint wann?

Giuseppe Camuncoli: Sie soll im Mai [2005] rauskommen. Zur selben Zeit, wenn der neue Batman-Film anläuft.

Splash: Was für ein Zufall... Ist das hier eigentlich die zweite oder etwa schon die dritte Comic Action, bei der Du dabei bist?

Giuseppe Camuncoli: Es ist bereits meine vierte!

Splash: Dann bist Du ja ein echter Veteran.

Giuseppe Camuncoli: Ich kam 2000 nach Essen, als „Bonerest“ bei Speed erschien. Und dann 2002, 2003 und dieses Jahr. Ich war auch zweimal in Erlangen dabei und fahre ständig zu Conventions in Frankreich, Italien und den USA. Ich mag es wirklich, zu Conventions zu gehen. Es ist anstrengend, aber es ist die einzige Chance, Deine Leser zu treffen.

Splash: Ja, es ist eine einsame Arbeit, die man als Comickünstler macht.

Giuseppe Camuncoli: Genau. Obwohl es jetzt anders ist, weil ich in einem Studio arbeite. Es ist aber auch sehr wichtig zu sehen, ob die Leute Deine Comics mögen und was sie über die Story denken, an der Du arbeitest. Ich finde, es ist wichtig, dieses Gefühl zu haben.

Splash: Und die deutschen Fans? Sind die nett zu Dir?

Giuseppe Camuncoli: Ja, sehr nett.

Splash: Keine Kommunikationsprobleme?

Giuseppe Camuncoli: Nein. Ich spreche kein Deutsch, aber Englisch, und die meisten Leute hier sprechen sehr gutes Englisch.


Splash: Hat auch mal jemand Italienisch mit Dir gesprochen?

Giuseppe Camuncoli: Ja, ein paar Leute sogar.

Splash: Was war der merkwürdigste Wunsch, den heute jemand hatte?

Giuseppe Camuncoli: Du meinst Zeichenwunsch? Nichts merkwürdiges heute, aber ich hatte bereits eine Menge merkwürdiger Erlebnisse. In meinem ersten Jahr in Deutschland, in Erlangen, fragte mich ein Typ, ob ich einen Mann zeichnen könnte, der fällt.

Splash: Einfach einen Mann, der fällt? Und er war zufrieden damit?

Giuseppe Camuncoli: Ja, ich habe Bonerest, den Charakter aus „Bonerest“, gezeichnet, der in eine Art Abgrund gefallen ist.

Splash: Vielleicht ist es sein Hobby, abstürzende Kerle zu sammeln...

Giuseppe Camuncoli: Und dann gibt es Leute, die jeden Künstler um den gleichen Charakter bitten. Hier in Deutschland gibt es einen Typen, der immer nach Rogue fragt.

Splash: Ich kenne den Kerl!

Giuseppe Camuncoli: Er kommt immer mit einem Portfolio mit all den verschiedenen Versionen von Rogue an.

Splash: Da du ja bereits zum vierten Mal hier bist, scheint Dich Panini wirklich gut zu behandeln, oder?

Giuseppe Camuncoli: Ja, ich bin sehr glücklich mit Panini.

Splash: Füttern sie dich mit Pizza?

Giuseppe Camuncoli: Nein. (lacht) Gemüselasagne. Und sie haben einen Tisch-Kicker für mich, was fantastisch ist. Tony [Verdini, Chefredakteur von Panini Comics] und ich sind das beste Team - unschlagbar!

Splash: Du bist also Fußball-Fan. Was ist dein Team?

Giuseppe Camuncoli: Juventus.

Splash: Natürlich...

Giuseppe Camuncoli: Nein, nicht natürlich. Gabriele [Dell’Otto] ist für Rom, denn er kommt aus Rom. Aber er ist ein Verlierer. (lacht)

Splash: Ich sehe schon, so habt ihr immer Stoff für Diskussionen. Wirst Du für die Fußball-Weltmeisterschaft zurück nach Deutschland kommen?

Giuseppe Camuncoli: Ja, würde ich gerne.

Splash: Du könntest rüberkommen und dann gleich für die Comic Action da bleiben.

Giuseppe Camuncoli: Nein, es ist doch im Sommer...

Splash: Stimmt, aber dann könntest Du ja gleich bleiben und Urlaub machen.

Giuseppe Camuncoli: Ein langer Urlaub. (lacht)

Splash: Zurück zu den Comics. Arbeitest Du immer noch an eigenen Projekten?

Giuseppe Camuncoli: Ja, ich arbeite immer noch an „Bonerest“.

Splash: Bisher sind zwei Tradepaperbacks erschienen...

Giuseppe Camuncoli: Ja, zwei Tradepaperbacks und wir arbeiten am dritten, denn nächstes Jahr wird Image Comics „Bonerest“ wahrscheinlich in den USA rausbringen. Wir arbeiten also an neuem Material, das sie veröffentlichen können. Es ist schwierig, denn ich arbeite ja gleichzeitig an anderen Projekten, High Profile-Projekten.

Splash: Die wahrscheinlich auch besser bezahlt werden...

Giuseppe Camuncoli: Und „Bonerest“ ist hingegen das, was man wohl Kult-Comic nennt, denn er hat eine sehr treue Leserschaft. Er verkauft sich vielleicht nicht so gut wie die großen Namen, aber er ist immer noch unsere Kreation und darum lieben wir es, daran zu arbeiten – und dann wollen wir ja auch noch eines Tages die Story zu Ende bringen.

Splash: Hat schon jemand Interesse daran gezeigt, einen Film aus „Bonerest“ zu machen? Ich meine, es ist guter Stoff für einen Film...

Giuseppe Camuncoli: Ja, da war eine Film-Firma, die Interesse daran hatte, einen Film aus „Bonerest“ zu machen. Das ist drei Jahre her. Aber es ist nichts daraus geworden. Ich glaube, jetzt wird es einfacher sein, denn die neuen Comic-Verfilmungen waren im Großen und Ganzen recht gut und es ist leichter, Spezialeffekte mit dem Computer zu erzeugen. Ich denke, wir können noch warten, aber es wäre nett, einen „Bonerest“-Film zu sehen.


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Bericht vom: 22.10.2004 - 00:51
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Andreas Vllinger
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