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Bibel im Comic: Eine eigenwillige szenische Lesung
Auch dieser Bericht stammt aus der Feder unseres Gastautors Andreas Alt

Bibel im Comic: Eine eigenwillige szenische Lesung

Viele biblische Geschichten haben eine ungeheure dramatische Wucht. Künstler aller Zeiten und Genres haben das entdeckt, und auch in der bei Ehapa erschienenen Comic-Bibel des englisch-nigerianischen Künstlers Siku ist das zu entdecken. Bei einer szenischen Lesung in der Neustädter Kirche arbeiteten das der freie Regisseur Rainer Hertwig und die Schauspielerin Lea Schmocker heraus.

Es konnten nur Kostproben aus dem Alten und dem Neuen Testament dargeboten werden – mehr hätte jeglichen zeitlichen Rahmen gesprengt. Hertwig begann, indem er schlicht die ersten Verse aus dem Buch "Genesis" vorlas, legte das Buch aber gleich mit den Worten: "Nee, nee, also noch mal von vorne" aus der Hand.

Dann wurden Klänge aus dem Musical "Jesus Christ Superstar" eingespielt und die ersten Bilder von Siku auf die Leinwand geworfen. Siku zeichnet in einem markanten, sehr manieristisch zwischen Jugendstil- und verschiedenen Comic- und Manga-Einflüssen changierenden Schwarz-weiß-Stil. Zum Kontrast wurden auch kurze Auschnitte aus Bibelverfilmungen von Cecil B. deMille und Pier Paolo Pasolini eingespielt.

Für Hertwig zeigt der Gegensatz von Hollywood-Bibelfilm und italienischem Neorealismus, dass die Grafik von Siku nicht mehr dem früher üblichen naiven Bibelstil folgt, sondern eine "künstlerische Reibung" besitzt. Die mindestens seit der Renaissance übliche Ikonographie der Bibel verlässt er allerdings auch nicht völlig.

Die beiden Rezitatoren trugen aus dem Alten Testament neben der Erschaffung der Welt auch Grundzüge der Wüstenwanderung der Israeliten unter Führung von Mose und die Geschichte vom starken Richter Simson und seinem Kampf gegen die Philister vor. Dann wurden etliche Episoden aus dem Leben Jesu vorgestellt, die meist dem Matthäus-Evangelium entnommen waren.

Hertwig beendete die szenische Lesung unvermittelt mit dem Tod Jesu am Kreuz: "Plötzlich rief Jesus seine letzten Worte und starb." Das sei ein "klares erzählerisches Ende", das sich dramaturgisch angeboten habe, sagte er hinterher auf "Splashcomic"-Anfrage. Die Siku-Bibel setzt die Geschichte, getreu der Vorlage, mit dem leeren Grab fort und bebildert auch den Rest der Bibel bis zur Offenbarung des Johannes.

Als Schwäche des Comics empfindet Hertwig nach eigenen Worten, dass der Bibelcomic vom Englischen ins Deutsche übersetzt wurde, ohne sich dabei auf einen deutschen Bibeltext zu stützen. Siku wählt zwar teilweise eine bewusst lässige Sprache ("Halt die Klappe!"), dennoch könnten viele Textpassagen besser wiedererkennbar sein, wenn man etwa die Einheitsübersetzung zu Grunde gelegt hätte.

Die etwa 50 Besucher spendeten am Ende freundlichen Beifall. Die Hauptzielgruppe, junge Comic- und Mangafans, die mit dem Werk an die Bibel herangeführt werden sollen, waren allerdings kaum vertreten.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 27.05.2008 - 16:10
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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