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Eindrücke
Andreas Alt, langjähriger Herausgeber von "Plop", ist über den Comic-Salon Erlangen geschlendert und schildert seine Eindrücke

Eindrücke vom 13. Comic Salon: "Ich beginne, Fan zu werden"

Signaturjäger Michael Marschall hatte wohl recht, als er den diesjährigen Comic Salon als "relativ entspannt" charakterisierte: Keine Saunatemperaturen, die vor zwei Jahren Beteiligten und Besuchern zu schaffen machten – und vor allem keine Fußball-Weltmeisterschaft, die das Publikum abzieht und fälschlich zu düsterem Krisengerede verleitet. Es war wieder wie früher auf der Messe, in den Ausstellungen und Diskussionsrunden und auf den Straßen der fränkischen Hugenottenstadt, die seit 1984 die Comickultur nachhaltig fördert.

Aber es gab auch viel Neues auf dem Salon: Für gute Außenwirkung sorgten das Schlumpf-Jubiläum und die aus diesem Anlass verteilten, zur Bemalung anstehenden Plastik-Comicgnome. Neu waren vor allem Stickeralben, die die Erlanger Verantwortlichen und "Comixene"-Chefredakteur Martin Jurgeit zusammen mit dem Spezialisten Panini herausgaben. Aufklebersammler mischten sich unter die übrigen Besucher und Fans. An jeder Ecke kauerte jemand und klebte seine zuletzt erjagten Sticker ein.

Michael und Susanne Müller, 40jährige Eheleute aus Bad Tölz, hatte es die große Ausstellung chinesischer Comics im großen Saal des Kongresszentrums besonders angetan. In dieser Größenordnung waren chinesische "Manhuas" hier bislang noch nicht zu sehen. Ansonsten sammelten auch sie eifrig Signaturen. "Ich beginne, ebenfalls Fan zu werden", gestand Susanne Müller, bisher eher als Schlepperin der zu signierenden Alben ihres Mannes dabei, "es macht Spaß, mit den Künstlern zu sprechen."

Neu auf der Messe war unter anderem die Kilopreis-Aktion der Esslinger "Sammlerecke": Für 1,50 Euro gab’s 100 Gramm Comics. Das bedeutet, ein Standardalbum war für etwa 2 bis 3,50 Euro zu haben. Vorher mussten sich die Sammler allerdings durch umfangreiche, wilde Stapel von Alben und Büchern wühlen. "Sparen ist hart verdient bei uns", grinste Sammlerecke-Mitarbeiter Uwe Lochmann. Die Ramschaktion von Secondhand-Ware war nach seiner Auskunft ein voller Erfolg. Nebenbei stolperten die Käufer beim Suchen auch über Serien, die sie neu kennenlernen könnten, so Lochmanns Hoffnung.

Gut war die Stimmung auf dem Salon, so die Einschätzung von Carlsen-Sprecherin Claudia Jerusalem-Groenewald. Sie lobte vor allem die intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Salon-Team der Stadt. Aber es würden einfach alle zusammengebracht: Endkunden, Fans, Nachwuchszeichner, die Zeichnerstars im Verlagsprogramm, Vertreter, Händler und Fachjournalisten. Mit Wohlwollen blickt sie auch auf die Verlagskonkurrenz, insbesondere die neue "Generation, die aus der Fanzineecke kommt": "Die machen selber was und warten nicht, bis die großen Verlage auf sie zukommen", konstatierte sie. Es gebe viele unentdeckte Talente, die aber ihre Comics nicht über ihre eigenen Kreise hinaus vertreiben könnten. Aber da gebe Carlsen gerne Tipps, denn mit diesem Material werde das Geschäft belebt.

Von Seiten der kleineren Verlage wurde das Kompliment zurückgegeben: "Wir werden immer mehr ernst genommen", sagte Gringo-Verleger Holger Bommer. "Die großen Verlage sind richtiggehend neidisch auf uns, weil wir Sachen machen können, die sie auf ihren Vertreterkonferenzen gar nicht durchbringen." Mit den Verkäufen war Bommer hochzufrieden: "Hier triffst du die richtigen Fans."

Signaturjäger Marschall, der den Salon als "entspannt" charakterisiert hatte, gab zu, er stelle sich selbst diesmal nicht so intensiv an den Verlagsständen an. Dafür gab es einen praktischen Grund: Marschall fehlte der Alben-Träger, aber er sammle Signaturen auch nur noch wegen des Erinnerungswerts. Er müsse nicht sechsmal hintereinander bei internationalen Zeichnerstars anstehen, wie das andere täten. Allerdings, merkte er an, seien auffällig viele Zeichner diesmal gar nicht gekommen: Pasqual Ferry oder Mark Buckingham bei Panini, Stephane Tabary bei Ehapa oder Melinda Gebbie, die Frau von Alan Moore. Was aber positiven Gesamteindruck nicht trübte: "Der Salon ist gut besucht, aber nicht zu voll – für mich ist das gut."

Frauke Pfeiffer, Chefredakteurin des Internet- und Printmagazins Comicgate, freute sich über das "sehr aufgeschlossene Publikum" und zog das abschließende Fazit: "Der Comic-Salon ist nun mal die wichtigste und etablierteste Messe – das Mekka!"

- Andreas Alt

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 24.05.2008 - 13:38
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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