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Die Verleihung des Max und Moritz-Preises
Während wir noch an der Aufarbeitung und dem Zusammenschnitt unser Filme von der Preisverleihung arbeiten, bieten wir Euch hier schon einmal einen Textbericht. Andreas Alt, langjähriger Herausgeber das Fanzines "Plop", schildert als Gastautor seine Eindrücke vom Max-und-Moritz-Preis 2008.

"Durch Comiczeichnen wird man alt und fröhlich": Zur Verleihung der Max und Moritz-Preise

Isabel Kreitz und Reinhard Kleist waren die großen Gewinner der diesjährigen Max und Moritz-Gala. Sie waren in ihren Kategorien jeweils auch die Favoriten des Publikums. Kreitz durfte sich zudem über insgesamt drei Nominierungen freuen. Die Jury des Max und Moritz-Preises bemühte sich nach Kräften um Internationalität. Allen voran elektrisierte der Sonderpreis für den britischen Kult-Autor Alan Moore die Festversammlung. Prämiert wurden außerdem neben französischen Werken der Manga "Vertraute Fremde". Mit dem Spezialpreis der Jury sollte eine deutsch-deutsche Brücke zwischen den Nachkriegspionieren Hannes Hegen ("Digedags") und Hansrudi Wäscher ("Sigurd", "Nick") geschlagen werden.

Moderator Denis Scheck, bekannter Literaturkritiker in Radio und TV, ließ zwar zu Beginn Befürchtungen aufkommen, den Abend entgleisen lassen zu wollen, als er Kulturpreisverleihungen mit Geiselnahmen verglich und den Fußballer Luca Toni mit den Worten zitierte: "Wenn gewinne, isse immer gut." Dann aber fiel er angenehm durch eine weitgehend straffe Programmführung auf.

Der Wiener Nicolas Mahler erhielt den Preis für den besten Comicstrip für "Flaschko – der Mann mit der Heizdecke", nach Ansicht von Juror Andreas C. Knigge die "originellste Comicschöpfung seit George Herrimans ,Crazy Cat’". Zum besten Comic für Kinder wurde "Der 35. Mai. Als Comic" von Isabel Kreitz gekürt. Autor Erich Kästner wird nach Ansicht von Knigge künftig "ohne Zeichnungen von Kreitz kaum noch vorstellbar sein". Reinhard Kleists Musikerbiographie "Cash – I see a darkness", die sich nach den Worten der Jurorin Brigitte Helbling so liest, "als sähe man, was Kleist sieht, wenn er Cash hört", wurde bester deutschsprachiger Comic. Der sperrigen Künstlerin Anke Feuchtenberger wurde der Titel "bester deutschsprachiger Comickünstler" zugesprochen.

Olivier Ka räumte mit dem Missbrauchsdrama "Warum ich Pater Pierre getötet habe" den Preis als bester Szenarist ab. Hier begann zugleich die Reihe von Preisverleihungen in Abwesenheit. Immerhin war stellvertretend Kas Zeichner Alfred ins Markgrafentheater gekommen. Der Japaner Jiro Taniguchi, dessen Band "Vertraute Fremde" zum besten Manga erklärt wurde, appellierte in einer schriftlichen Grußbotschaft an die völkerverbindende Kraft des Comics.

Stille im Saal breitete sich aus, als der sehr zurückgezogen lebende Alan Moore per Telefonverbindung aus England für den Sonderpreis für ein herausragendes Lebenswerk dankte. Er bremste die Frage von Scheck nach Comicleidenschaft und industriellen Zwängen elegant mit dem Hinweis aus, er habe sie akustisch kaum verstehen können, und sprach dafür einige vorbereitete, nichtsdestoweniger heftig bejubelte Dankesworte.

Die Reise nach Erlangen hatte der Franzose David B. auf sich genommen, der mit dem Preis für den besten internationalen Comic für "Die heilige Krankheit.Geister" ausgezeichnet wurde. Er thematisiert darin die Epilepsie-Erkrankung seines Bruders. David B. schlug sich auf der Bühne wacker mit ordentlichem Englisch, was eine Übersetzung seiner Aussagen erübrigte. Erstmals war eine zehnte Preiskategorie im Spiel, der Spezialpreis für eine studentische Comicpublikation, die auf Initiative von Zeichner und Hochschullehrer Hendrik Dorgathen ins Leben gerufen worden war. Der Preis ging an die deutsch-schweizerische Koproduktion "PlusPlus Comics", von der bislang drei Ausgaben erschienen sind. Nach Ansicht von Juror Jan Taussig wird hier "das nicht unproblematische Format der Anthologie" zu "überzeugender Geschlossenheit" gebracht.

Der Spezialpreis der Jury für die Veteranen der 50er Jahre Hansrudi Wäscher und Hannes Hegen verlor etwas von seiner Wirkung, weil ihn zwar Wäscher persönlich entgegennahm, Hegen sich dagegen aus gesundheitlichen Gründen von zwei Verlagsmitarbeiterinnen vertreten lassen musste. Beide um die 80-jährigen Herren ließen übrigens verlauten, sie läsen kaum noch oder keine Comics mehr, was den Verdacht nahe legte, der Preis komme um einige Jahre zu spät. Wäscher versicherte jedoch launig, durch Comics-Schreiben und Comiczeichnen werde man "alt und fröhlich". Das wollte das amüsierte Publikum nur allzu gern glauben. Nach der Gala ging es mit der Mannheimer Band "The Wright Thing" im Schlossgarten in ausgelassener Feierstimmung weiter.

- Andreas Alt

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 24.05.2008 - 10:56
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Henning Kockerbeck
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