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Sonderpreise beim Max und Moritz-Preis - Biografien der Künstler
Die Nominierungen für den Max und Moritz-Preis 2008 wurden heute bekannt gegeben. Mehr dazu in unserer News zu diesem Thema. Hier nun Biografien der Künstler, die für Sonderpreise in diesem Jahr auserkoren worden waren.

Max und Moritz-Preis 2008 Preis für ein herausragendes Lebenswerk: Alan Moore
Alan Moore
Alan Moore, 1953 im englischen Northampton geboren und in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen, schlug sich zunächst als Hilfsarbeiter durch, bevor 1979 sein erster Comic-Strip „Roscoe Moscow“ in der Musikzeitschrift „Sounds“ veröffentlicht wurde. Damals zeichnete er noch selbst.

Das Zeichnen gab er aber bald auf und konzentrierte sich ganz auf das Schreiben. Für die britischen Magazine „2000 AD“ und „Warrior“ schuf er unter anderem „Miracleman“ und „V wie Vendetta“, eine bissige Abrechnung mit der sozialen Kälte der Thatcher-Ära. Alan Moore machte aus einer extrem politisierten Geschichte ein Kunstwerk der Nebenstränge: Rückblicke und eindringliche Porträts von Nebenfiguren tragen mindestens ebenso zur Faszination des Geschehens bei, wie der Terrorismus des Rächers. Ein Erzählprinzip, dem Moore bis heute treu geblieben ist. Seine anschließenden Arbeiten für DC Comics, „Swamp Thing“ und vor allem die bahnbrechende zwölfteilige Serie „Watchmen“, haben das Genre der Superhelden-Comics nachhaltig geprägt und Alan Moore zu einem der populärsten Comic-Autoren der Welt gemacht.

Seit den 90er-Jahren pendelte Moore zwischen ambitionierten Graphic Novels wie „A Small Killing“ oder „From Hell“ und phantasievollen Superhelden-Comics („America’s Best Comics“). 1996 erschien sein erster Roman „Voice of the Fire“. Im Jahr 1988 legte Moore „The Killing Joke“ vor, für viele Leser die beste Batman-Story aller Zeiten. Gemeinsam mit Bill Sienkiewicz veröffentlichte er im Jahr darauf „Brought to Light“, eine düstere Parabel über den Missbrauch politischer Macht. Mit Eddie Campbell als Zeichner folgte „From Hell“, eine schlussendlich auf 600 Seiten angewachsene Rekonstruktion des Kriminalfalls um Jack the Ripper. In den späten 90er-Jahren veröffentlichte Moore eine Reihe anspruchsvoller und allegorischer Superhelden-Comics wie „Top 10“ und „Tom Strong“. Er spielte mit fiktiven Gestalten der viktorianischen Literatur in „The League of Extraordinary Gentlemen“. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin, der amerikanischen Künstlerin Melinda Gebbie, entstand „Lost Girls“ – eine erotische Comic-Fabel, die kunstgeschichtliche und literaturästhetische Ansätze mit Pornografie verbindet.

Für seine Geschichten hat sich Alan Moore immer wieder neue Zeichner gesucht, darunter David Lloyd („V für Vendetta“), Brian Bolland („The Killing Joke“), Dave Gibbons („Watchmen“) und Kevin O'Neill („The League of Extraordinary Gentlemen“) sowie Melinda Gebbie für „Lost Girls“, die Moore nach Abschluss der gemeinsamen Arbeit geheiratet hat. In der Vielfalt seiner Stoffe ist er nur noch mit dem Asterix-Erfinder René Goscinny zu vergleichen. Dabei agiert Moore weitaus kompromissloser, was seine Qualitätsmaßstäbe angeht: Drei seiner Graphic Novels wurden verfilmt – „From Hell“, „The League of Extraordinary Gentlemen“ und „V wie Vendetta“ – von allen drei Filmen hat er sich aber distanziert. Gespannt darf man deshalb auf die anstehende Verfilmung von „Watchmen“ sein, da Regisseur Zack Snyder („300“) vor allem eins möchte: „Einen Film inszenieren, der Moore gefällt.“

Alan Moore ist nicht nur einer der gefragtesten und renommiertesten Comic-Schaffendenden unserer Zeit, er ist auch einer der originellsten und wagemutigsten, wenn es darum geht, der Gattung neue Wege aufzuzeigen und neues Terrain auszuloten. Er ist weltweit mit zahlreichen Comic-Preisen ausgezeichnet worden, unter anderem 2000 mit dem Max und Moritz-Preis als bester Szenarist. Moore lebt mit Melinda Gebbie nach wie vor zurückgezogen in seiner Geburtsstadt Northampton in Mittelengland.

„Das Leben kann man nicht in literarische Gattungen unterteilen. Es ist ein erschreckender, romantischer, tragischer, komischer, Science Fiction-Western-Krimiroman. Mit ein bisschen Glück kommt auch ein wenig Pornografie drin vor.“ Alan Moore

Max und Moritz-Preis 2008 Spezialpreis der Jury: Hansrudi Wäscher und Hannes Hegen in Würdigung Ihrer Pionierleistung für den deutschen Comic in West und Ost
Hansrudi Wäscher
Hansrudi Wäscher wurde am 5. April 1928 in St. Gallen geboren. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in der deutschsprachigen Schweiz. Danach zog er mit seinen Eltern nach Lugano. Dort verfiel er, wie die meisten seiner Altersgenossen, der Comic-Lektüre, die er später in Deutschland schmerzlich vermissen musste. 1940 kam Wäscher nach Hannover. Nach dem Abschluss der Mittleren Reife begann er 1944 eine Lehre als Plakatmaler, entschied sich dann aber für ein Studium der Gebrauchsgrafik an der Werkkunstschule. In dieser Zeit zeichnete er ein Verkehrserziehungsheft für die Stadt Hannover namens „Der Herr Boll“ und ein „Peterle-Heft“ für den Schwarzwald Verlag, das jedoch nie veröffentlicht wurde. Während und nach dem Studium schlug er sich als Illustrator für Zeitschriften und als Plakatmaler für Kinofilme durch. Von 1953 bis 1968 war Hansrudi Wäscher der produktivste Comic-Zeichner des Walter Lehning Verlages, Hannover. Nach den Abenteuern des Ritters „Sigurd“ entwickelte er historische Geschichten um „Gert“ und „Jörg“ und setzte die Dschungelserie „Akim“ des Italieners Augusto Pedrazza fort. Unter dem Druck der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften und einem jahrelangen Lizenzstreit mit dem italienischen Herausgeber, wurde „Akim“ eingestellt und Wäschers Dschungelheld „Tibor“ ins Leben gerufen. Es folgten der Ritter „Falk“, der Weltraumfahrer „Nick“, die Piloten „Bob“ und „Ben“ und der Stuntman „Roy Stark“. Gleichzeitig zeichnete Wäscher Titelbilder und Einzelepisoden für andere Verlagsreihen. Im Jahr 1959 erreichte Hansrudi Wäscher die höchste Produktivität seines Lebens und arbeitete oft an vier Serien gleichzeitig. Im Jahr 1969 wechselte Wäscher zum Bastei Verlag. Dort zeichnete er die Serie „Buffalo Bill“, die alternierend mit anderen Westernhelden in der Heftreihe „Lasso“ erschien. Von 1975 bis Ende 1984 wurde „Buffalo Bill“ als Eigentitel fortgesetzt. Für diese Reihe entwickelte er etwa 150 Abenteuer. 1982 begann Wäscher die Reihe „Gespenster Geschichten“ mit insgesamt 49 Episoden. Ebenfalls 1982 erfand Wäscher für den Norbert Hethke Verlag die Fantasy-Figur „Fenrir“. Gleichzeitig druckte Norbert Hethke alle Hefte und Serien der bereits etablierten Helden nach. Später kamen neue Abenteuer hinzu.

Hannes Hegen
Johannes Hegenbarth (Künstlername Hannes Hegen) wurde am 16. Mai 1925 in Böhmisch-Kamnitz geboren. Er absolvierte die Staatsfachschule für Kunstglasindustrie Steinschönau, studierte ab 1943 an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien und ab 1947 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Es war ein günstiger Augenblick, als sich der ambitionierte Zeichner 1955 mit seiner Mappe bei dem Verlag „Neues Leben“ vorstellte. Denn der Zentralrat der Organisation Freie Deutsche Jugend (FDJ), dem der Verlag unterstellt war, hatte die Entwicklung eines Gegenstücks zu West-Comics, insbesondere der Micky Maus, in Auftrag gegeben. Hegen überzeugte mit seiner zeichnerischen Qualität und bekam die Chance, die neue Heftreihe für Jugendliche ab neun Jahren zu konzipieren. Am 23. Dezember 1955 erschien das erste „Mosaik von Hannes Hegen“ mit dem Digedag-Trio, bestehend aus Dig, Dag und Digedag. Um sich von den westlichen Comics zu distanzieren, bezeichnete man die in der DDR produzierten Comics als „Bilderzeitschriften“. Aufgrund stilistischer Analogien zu den Publikationen des Klassenfeinds, wie z. B. Sprechblasen, Humor und Lautmalerei, unterlag das „Mosaik“ jedoch ständiger Beobachtung. Nachdem „Mosaik“ 1960 zum Zeitungs-und Zeitschriftenverlag „Junge Welt“ wechselte, wurden die historischen und wissenschaftlichen Inhalte weiter ausgebaut, um bei der Jugend ein verstärktes Interesse für die entsprechenden Themen und Berufe zu wecken. Während es den meisten DDR-Bürgern nicht vergönnt war zu reisen, waren die Digedags in Raum und Zeit weltweit unterwegs. Nachdem sich Hegen 1973 mit der Verlagsleitung überwarf, kündigte er, behielt aber die Urheberrechte an seinen Digedags. Das „Mosaik“ erscheint heute zwar weiterhin, jedoch mit modifiziertem Schriftzug und einem neuen Heldentrio, den Abrafaxen. Die Geschichten von Dig, Dag und Digedag sind inzwischen komplett in Buchserien und Reprintmappen im Buchverlag „Junge Welt“ veröffentlicht worden, der 2006 mit dem Tessloff Verlag fusionierte.

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Bericht vom: 21.04.2008 - 14:45
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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Die Künstler auf dem Comic-Salon - Stand: 18.05.2008