SplashpagesSplashbooksSplashcomicsSplashgamesComicforumImpressumEntertainweb


In der Datenbank befinden sich derzeit 43 Events. Alle Events anzeigen...
Specials Eventspecials

Interview mit Gerhard Schlegel
Das Interview wurde am 25.05.2007 telefonisch geführt.

Bernd Glasstetter: Gerhard, erst einmal vielen Dank, dass Du so kurz vor dem Comicfestival 2007 für unsere Fragen Zeit hast. Das Comicfestival verspricht das bisher Größte zu werden. Welche Verlage haben sich angesagt?

Gerhard Schlegel: Von den Verlagen kommt in erster Linie der Salleck Verlag und dann Panini, die bringen auch die meisten Zeichner. Der nächste größte ist dann Reprodukt. Und von allen Verlagen, die ein bisschen kleiner sind, sind eigentlich so ziemlich komplett vertreten, finde ich. Schreiber und Leser ist da, Edition 52, Schwarzer Turm, Cross Cult usw.

Bernd Glasstetter: Ihr habt Euch den Anspruch gesetzt der "Lückenfüller" für Erlangen zu sein, um es überspitzt zu sagen. Oder um es anders zu sagen: Ihr wollt den Comicsalon Erlangen in den Jahren ersetzen, in denen er nicht stattfindet. Wie wollt Ihr das erreichen?

Gerhard Schlegel: Das Comicfest gibt's ja schon seit fast 20 Jahren. Das ist das 13. Comicfest, wenn man es nummerieren würde. Wir haben uns dieses Mal auch umbenannt in Comicfestival, nicht Comicfest. Und wir haben eine inhaltliche Änderung gemacht. Früher war es eben so, dass das Comicfest in erster Linie eine Bücherschau war, auf der sämtliche Neuerscheinungen und relevanten Titel aller Verlage vertreten waren. Das war auch schon nicht schlecht. Es gab einen Comicshop, wo man das kaufen konnte. Und dann wurden meistens ein oder zwei internationale Comiczeichner eingeladen, mit denen man eine Ausstellung gemacht hat, also ganz im kleinen Rahmen. Und sonst gab's einfach nichts. Ich glaube aber, um die gesamte Comicszene nach München zu locken, da müssen einfach die Verlage da sein. Und durch die Verlage haben wir auch ein zigfaches an Comiczeichnern da, so dass wir einfach wachsen können. Früher war das Comicfest im Gasteig in München, das ist auch die größte Bücherei hier in München und es war eine Zusammenarbeit mit der Bücherei. Und es wirkte auch so, es war eine Buchausstellung. Ich bin ein Fan von Erlangen und ich möchte Verlage hier haben und das ist diesmal das erste Mal geglückt, dass auch ein bisschen größere Verlage mit dabei sind.

Bernd Glasstetter: Der Comicsalon in Erlangen lebt auch durch die Subventionen, die ihn durch die Stadt Erlangen erreichen. Wie großzügig zeigt sich da München?

Gerhard Schlegel: Eigentlich auch recht großzügig. Nicht so großzügig wie Erlangen, aber wir sind von der Finanzierung her auf jeden Fall die Nummer 2 in Deutschland. Berlin hat ja damals dem Comicgarten relativ wenig dazu gegeben. Und ich glaube in Hamburg werden sie auch keine großen Mittel zur Verfügung gehabt haben. Und wir haben schon eine ganz schöne Summe, die aber bei weitem nicht mit Erlangen mit kann. Wenn ich Zahlen nennen darf…

Bernd Glasstetter: Wenn es Dir erlaub ist, ja klar.

Gerhard Schlegel: Wir sind jetzt zwei Vereine, die das Ganze organisieren, das muss man auch dazu sagen. Ich bin Leiter vom Comicfest e.V. und wir haben in diesem Jahr 31.000 Euro und auf der anderen Seite ist der Ralf Paland und sein Verein heißt Comicologischer Kongress bzw. "Kultur ohne Weiteres e.V." und er bekommt auch 31.000 Euro und das legen wir in einen Topf zusammen und haben dann um die 60.000 Euro und damit müssen wir Miete zahlen für die Location, die ja auch nicht ganz billig ist, die ganze Technik, Aufbau, Werbung etc. 60.000 klingt viel, aber wir kommen da schon sehr knapp hin. Wir müssen da schon jeden Euro umdrehen.

Bernd Glasstetter: Wenn Du jetzt durch den Ausstellungsort gehst, was ist jetzt, knapp zwei Wochen vorher, noch zu tun? Und wo könnt Ihr Euch getrost zurück lehnen?

Gerhard Schlegel: Wir können uns noch bei gar nichts zurück lehnen. Gut, die Messe ist gemacht, die Verlage kommen alle. Das ist alles unter Dach und Fach. Aber wir sind ja noch nicht in der Location drin. Wir müssen noch alles aufbauen. Nächsten Mittwoch bekomme ich die Schlüssel und ab da fangen wir dann das Werkeln an. Den Aufbau leitet der Herbert Meiler vom Strapazin. Der macht auch Messebau und der macht die ganzen Aufbauten. Wenn wir dann erst einmal die Rahmen da haben müssen wir erst einmal fleißig Scheiben putzen, Passepartouts schneiden und Bilderrahmen und an die Wände klopfen, Stellwände aufbauen. Da ist schon noch eine Menge zu tun. Wir haben diesmal ein bisschen mehr Helfer und ich mach das jetzt zum dritten Mal. Beim ersten Mal war ich total in Panik zwei Wochen vorher, aber jetzt hab ich's ein bisschen besser unter Kontrolle als die letzten Jahre.

Bernd Glasstetter: Du hast es eben gesagt: Du machst diesen aufreibenden Job zum dritten Mal. Wie oft kann man eine solche Messe organisieren, bis man mit Herzinfarkt oder Nervenzusammenbruch im Krankenhaus liegt? Und wie viel Schlaf hast Du noch in der Vorbereitungszeit?

Gerhard Schlegel: Also man kann's ganz genau dreimal machen. Ich arbeite jetzt nur noch fürs Comicfestival und mache keine Illustrationsjobs mehr. Ich lebe ja normalerweise von Illustrationen für Magazine, Kinderbücher und so ein Kram. Und ab jetzt kann ich einfach keine Jobs mehr annehmen. Jetzt bin ich einfach Fulltime dabei von der Früh um 9 bis 1 Uhr am Abend bzw. in der Nacht. Ich habe jeden Tag 1.000 E-Mails, die ich beantworten muss. Von wichtigen E-Mails bis runter "Wieviel kostet der Eintritt" und "Wann signiert Duo beim Comicfest" usw. Es sind jetzt nur zwei Wochen und das ziehen wir ganz gut durch und das schaffen wir ganz gut.

Bernd Glasstetter: Wie sieht im Moment ein Arbeitstag bei Dir aus?

Gerhard Schlegel: Also ich stehe um 8:30 Uhr auf, schlepp mich dann so langsam in die Arbeit hier in unserer Agentur (das ist so ein Zusammenschluss von der Elke Reinhart und mir). Wir machen auch Laska-Comics und die Elke macht auch die Grafik für das Comicfestival und ich das Drumherum und der Ralf Paland ist auch manchmal mit dabei, der allerdings meistens von seinem eigenen Büro aus arbeitet. Dann mache ich mir hier einen Kaffee und beantworte hier die E-Mails von den Leuten, die schon um 8:00 Uhr vor dem Rechner sitzen. Und dann habe ich eine ganze Liste von Dingen, die heute zu tun sind, die ich einfach abarbeiten muss. Und bis 12 Uhr muss ich die Sachen von der Stadt erledigt haben, weil die dann nachmittags nicht mehr da sind, oder ganz schwierig da sind. Heute zum Beispiel muss ich mir meinen Anzug abholen, weil ich mir einen Anzug gekauft habe wegen dem Festival. Ich hatte noch nie einen Anzug, bloß einen schäbigen immer. Und ich habe mir gedacht: Diesmal will ich zur Vernissage einen Anzug haben.

Bernd Glasstetter: Wie groß ist das Team für die Planung des Comicfestivals und wer gehört dazu?

Gerhard Schlegel: Das Team war früher mal sehr groß. Früher hatten wir glaube ich acht Praktikanten und drei Hauptorganisatoren. Das Team ist aber jetzt beträchtlich geschrumpft. Ich bin immer schlecht darin Arbeit abzugeben und ich habe hier auch nicht den Platz für Praktikanten. Das Team ist in erster Linie der Ralf Palland und ich. Wir machen die Hauptorganisation und die ist so geteilt, dass der Ralf Paland sich in erster Linie um Fix & Foxi kümmert, Comicgastland Serbien und so ein paar Münchner Independentzeichner. Die ganze Sachen von ihm finden auch in einer Extra-Location, die zwanzig Meter neben dran ist. Man muss aus dem Rathaussaal, in dem das Comicfestival stattfindet kurz um die Ecke gehen, 20 Meter und da ist dann die Fix & Foxi-Ausstellung Gastland Serbien. Ich kümmere mich um die Hardware von der Location, mach die Comicmesse und die Ausstellungen für V for Vendetta mit David Lloyd, Mawil und zwei Schweizerinnen, die Anna Sommer und die Katie Rickenbach und Jan Raiser, Sticky und Fingers und der macht die Figur der Brandner Kasper, etwas urbayrisches, eine Märchengeschichte, die sehr populär ist hier. Ansonsten: Elke Reinhart macht die Grafik für uns. Und dann haben wir noch jemanden, der die Website programmiert und den Aufbau macht. Das macht der Herbert Meiler vom Strapazin, was sehr, sehr wichtig ist und der sich da auch ganz schön reinhängt und der Antonio Seidemann. Der macht die Presse und er ist auch Mitglied im Comicfest e.V. Der macht also die Pressearbeit und einige Hardwaregeschichten. Der ist da sehr patent und organisiert ein anderes Festival hier in München und hat so ein bisschen Beziehungen, die wir einfach nicht haben und hilft uns da etwas aus. Das ist dann das Team eigentlich.

Bernd Glasstetter: Wann ist die Planung für das diesjährige Comicfestival losgegangen?

Gerhard Schlegel: Direkt nach dem letzten, also vor zwei Jahren ungefähr. Es geht natürlich erst ganz langsam los. Vor eineinhalb Jahren haben wir uns überlegt, wo könnte es denn stattfinden. Damals haben wir noch mit anderen Locations gerechnet. Wir haben gedacht, dass es wieder im Forum am deutschen Museum stattfindet, wie das letzte Mal, wo Du ja auch da warst. Die haben allerdings die Miete von 9.500 € auf ca. 18.500 € erhöht. Das war dann für uns eigentlich nicht mehr machbar und dann habe ich erstmal mehrere Monate lang Locations besucht und mir alles in München angeschaut, wo man rein gehen könnte. Bis ich dann auf das alte Rathaus gekommen bin, von dem ich eigentlich niemals gedacht hätte, dass ich das bekomme. Und das ist dann so prima gelaufen und es ist tatsächlich billiger. Aber wir sind da auch mit Hilfe vom Kulturreferat rein gekommen. Denn das Kulturreferat bezahlt ja im Prinzip 80 bis 90 Prozent vom Comicfestival. Wir sind also eine Veranstaltung, die zu 80 Prozent durch die Stadt München bezahlt ist.

Bernd Glasstetter: Was ist Dein persönliches Highlight in diesem Jahr?

Gerhard Schlegel: Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als ich es geschafft habe, dass David Lloyd, V for Vendetta tatsächlich kommt. Und das hat mir der Alexander Bubenheimer vom Panini-Verlag angeboten. Das ist eine Ausstellung, die schon in Spanien lief, auf dem Comicfestival in Barcelona und die so ein bisschen auf Wanderschaft in Europa gehen könnte. Das hat mich wahnsinnig gefreut, da ich ein wahnsinniger Allan Moore-Fan bin. Ich halte Allan Moore für den vielleicht anspruchvollsten Comictexter überhaupt. Ich stehe voll auf Watchmen und seine anderen Werke. V for Vendetta hat auch so seine Qualitäten. Das hat mich sehr gefreut. Das sind fast 50 Originalseiten mit Original Cover-Zeichnungen. Diese Ausstellung wird bestimmt ganz toll werden. Ich glaube auch, dass vom Ralf Paland die Fix & Foxi-Ausstellung ganz toll sein wird. Ich war ja noch nie so ein richtiger Fix & Foxi- Fan. Die Comicfan-Gemeinde war ja immer so ein bisschen gespalten in Fix & Foxi-Sammler und die Micky Maus-Sammler und ich war dann doch eher der Carl Barks-Fan. Aber ich finde es dann doch ganz interessant, die Entwicklung auch, wie Fix & Foxi entstanden ist, wie die Füchse am Anfang ausgesehen haben, auch die Merchandising-Produkte über die letzten 50 Jahre. Das ist bestimmt interessant, zumindest, was ich bis jetzt davon gesehen habe. Beide Ausstellungen sind bestimmt toll. Ich hatte noch sehr viel Lust eine kleine Ausstellung mit Mawil zu machen. Es gibt in Deutschland gerade viele richtig tolle Zeichner wie Reinhard Kleist, Ulli Österle usw. Ich finde gerade Mawil, der hat irgendwie so eine Leichtigkeit und es wirkt so einfach, was er da macht und doch unheimlich professionell und toll gemacht. Er hat ja noch keine Ausstellung gehabt, auch nicht in Erlangen und da haben wir gedacht, wäre es doch ganz toll, da vielleicht mal die Ersten zu sein.

Bernd Glasstetter: Das Comicfestival München wird vom Comicfest e.V. und dem Comicologischen Congress in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat der Stadt München veranstaltet. Wer hat das meiste Sagen?

Gerhard Schlegel: (lacht) Eigentlich haben wir 50:50 zu sagen. Es ist auch so. Jeder von uns Beiden musste Kompromisse machen und es gab auch ziemliche Auseinandersetzungen. Wir haben uns dann doch arrangiert und es ist ganz gut gelaufen. Auch war ich von dem Comicgastland Serbien anfangs nicht ganz begeistert, bis ich gemerkt habe, dass richtig viele Zeichner, die auch zum Comicfestival kommen, am Ende Serben sind. Dieser Gradimir Smudja, der das
Vincent und Van Gogh bei Carlsen gemacht hat, ist Serbe. Hermann Huppen hat diesen Sarajevo Tango-Comic gemacht, der auch über Serien geht. Wir haben einen Spider-Man-Zeichner von Panini aus Amerika. Ich dachte das wäre ein Amerikaner und der heißt Marko Djurdjevic und der ist plötzlich auch Serbe und Aleksandar Zograf ist sowieso Serbe und der Bergèse hat auch einen Serbien-Comic gemacht und plötzlich hat alles was mit Serbien zu tun. Und Fix & Foxi hat sehr viel mit Serbien zu tun gehabt, weil ganz viele Zeichner aus Ex-Jugoslawien kamen und von daher ist das gar keine schlechte Mischung und ich bin eigentlich relativ zufrieden und ich glaube, dass es sehr ausgewogen ist. Wir haben noch Strapazin-Künstler bzw. von Edition Moderne, Anne Sommer und Katie Rickenbach. Dann haben wir auch den Kunstbereich ein bisschen abgedeckt und wir haben für den Mangabereich DuO eingeladen, die bei EMA veröffentlicht werden und die Independents von denen, das muss ich wirklich sagen sind wirklich beeindruckend gezeichnet. Das kann zeichnerisch mit jeder Qualität von Japanern mithalten finde ich. Und von daher bin ich ganz zufrieden. Aber wir wollten ja darüber reden, wer am Meisten zu sagen hat.

Bernd Glasstetter: Genau.

Gerhard Schlegel: Es ist wirklich fifty-fifty. Jeder von uns Beiden musste böse Kompromisse machen. Um die Location habe ich mich gekümmert. Es ist halb-halb Ralf Paland und ich. Ich achte auch noch auf andere Leute. Markus Gruber hat früher viel mit gemacht. Der hat sich inzwischen etwas zurück gezogen, aber das ist auch jemand, der ab und zu ein bisschen mithilft und auch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Bernd Glasstetter: Als Gastland fungiert Serbien. Was dürfen wir uns in Sachen Comics von diesem Land erwarten?

Gerhard Schlegel: Am Ende ist es ja so, dass die ganzen Zeichner, die ich vorhin aufgelistet habe, alle ausgewandert und aus Serbien weg gegangen sind, weil es ihnen da nicht mehr so richtig gefällt. Der Einzige, der wirklich Serbe ist und dort noch lebt ist der Aleksandar Zograf und das ist auch der Einzige, der autobiografische Comics macht. Der auch von dem ganzen Bürgerkrieg berichtet. Und alle anderen haben dem Land ja so ein bisschen den Rücken gekehrt. Also ich habe nicht den Eindruck, dass die Zeichner noch sehr viel mit diesem Land zu tun haben. Auch Bilal ist ja Serbe. Den haben wir noch angefragt. Der Eckart Schott hat den extra noch in Barcelona auf einem Festival getroffen und der wäre auch noch um ein Haar gekommen, aber bei den Serben sind die Künstler alle in den letzten 20 Jahren ausgewandert. Es ist einfach immer noch ein Krisengebiet, in dem man sich vielleicht nicht so ganz wohl fühlen kann. Und in dem auch die Freiheiten nicht besonders groß sind. Und die Freiheit einen Comic zu machen, wie man will, wie es Bilal macht, nicht so gefragt ist.

Bernd Glasstetter: Aber man kann ja dann durchaus sagen, dass Serbien einen großen Einfluss auf Comics auch auf amerikanische Comics in der jüngeren Vergangenheit gehabt und das ist ja doch schon interessant.

Gerhard Schlegel: Gut, der einflussreichste Zeichner ist natürlich Bilal. Bilal hat natürlich in erster Linie Einflüsse von frankobelgischen Zeichnern, allen voran Möbius gehabt. Und er hat seinen Stil letztendlich auch erst in Frankreich entwickelt und nicht in Serbien. Ich glaube nicht, dass der Einfluss von Serben wahnsinnig groß ist. Aber sie haben immer mitgemischt, was wirklich interessant ist. Zumal man Serbien ja überhaupt nicht als Comicland sehen würde. Aber ich glaube schon, dass Belgien, Niederlande, Frankreich, Spanien, Italien und dann wirklich gleich Serbien kommen. Denn in Deutschland gab's nicht so wahnsinnig viele Comiczeichner und auch keine sehr erfolgreichen. Ich rede jetzt mehr von dem Mainstream natürlich, weil ich glaube, dass man ein Land in erster Linie an den Mainstream-Comics messen muss. Nur durch einen gesunden Mainstream, durch gesunde Verkaufszahlen kann sich eine auch erfolgreiche Independentszene entwickeln, wie in Frankreich mit Lewis Trondheim. Der ja am Ende ja doch ein Line Clair-Zeichner ist und aus der Mainstream-Ecke beeinflusst kam und Independent-Comics gemacht hat, die heute sich auch sehr gut verkaufen. Und da ist Serbien schon gar nicht so schlecht dabei. Aber ich glaube der Einfluss… Mir fallen keine Namen ein, die aus Serbien Einfluss in die europäische Comickultur genommen hätten. Außer Bilal eben. Also ich sehe die Serben eher in der Tradition der frankobelgischen Zeichner.

Bernd Glasstetter: Manga und Cosplay sind auch beim Comicfestival ein Thema. Welches Genre nimmt einen Schwerpunkt ein?

Gerhard Schlegel: Die Verlage sind natürlich eher frankobelgisch ausgerichtet, ganz klar. Es hält sich wirklich ganz gut die Waage. Das war jetzt nicht wirklich von mir geplant, aber… Die Hauptausstellung von der Fläche her, die Größte, ist Fix & Foxi. Danach kommt V for Vendetta. Und dann alles Andere. Die Manga-Ecke ist nicht so hammermässig groß, die wird in erster Linie von Animexx und Schwarzer Turm bewältigt. Bei den Ausstellungen sind in erste Linie Zeichnungen von DuO zu sehen und es gibt so ein bisschen einen Lounge-Bereich mit Fernseher und einer kleinen Leseecke. Also ich könnte jetzt keinen Schwerpunkt sagen. In Erlangen ist es ja so, dass wirklich der frankobelgische Comic in den Vordergrund gestellt wird. Das will ich eigentlich auch nicht und da bemühe ich mich auch sehr stark, dass auch gerade Manga nicht zu kurz kommt. Das war immer so eine Sache, die ich in Erlangen für ein bisschen bedenklich gehalten habe, die Mangafans so ein bisschen auszusperren.

Bernd Glasstetter: Aber trotz allem muss man ja sagen: Frankobelgische Comics haben in den letzten Monaten im letzten Jahr auf jeden Fall ein gewisses Revival erlebt. Wie siehst Du das?

Gerhard Schlegel: Ja, das stimmt. Die verkaufen sich jetzt wieder besser. Und auch der Relaunch vom Splitter Verlag scheint ja ganz gut zu laufen. Wie ich so von Dirk Schulzt gehört habe und auch aus den Comicläden heraus. Und auch von Ultra Comix habe ich gehört, dass es auch wirklich eine Menge von Mangaleserinnen, die zum Beispiel 18 werden und die jetzt wirklich anfangen zum Teil sogar Superhelden lesen und eben auch die klassischen frankobelgischen Comics lesen. Und das von dieser breiten Fläche, von dieser Masse an Mangalesern wirklich ein Teil sich die frankobelgischen Sachen anschaut und jetzt eben auch liest. Ich glaube, dass dieses Revival auch ein bisschen durch die Manga-Szene gepusht wurde.

Bernd Glasstetter: Das heißt frankobelgische und Manga-Szene befruchten sich auch wirklich gegenseitig selbst. Das ist positiv zu hören.

Gerhard Schlegel: Diese Trennung zwischen Mangas und Comics ist ja auch eine falsche Geschichte. Es gibt amerikanische Comics, es gibt japanische und es gibt deutsche und es gibt französische und belgische usw. Jedes Land hat so ein bisschen seine Eigenarten. Aber dadurch, dass man japanische Comics als Mangas bezeichnet, stellt man sie ja neben Comics. Und stellt sie ja so ein bisschen abseits. Aber ich glaube auch, dass man es am Ende gar nicht so ganz trennen kann. Es sind alles Comics und irgendwo befruchten sie sich ja gegenseitig. Dieser italienische Comiczeichner, der Sky Doll gezeichnet hat, der Barbucci, der ist ja ganz klar von Mangas beeinflusst. Also Sky Doll ist zeichnerisch eine beeindruckende Sache und auch viele andere frankobelgische Zeichner - auch gerade beim Splitter Verlag - kommen jetzt mit ein bisschen größeren Augen, sehr niedliche Mädchenfiguren. Da ist schon ein Einfluss da. Und Mangas kennen wir erst seit ungefähr zehn Jahren und da gibt es eine Riesenmenge, die man sich da jetzt neu anschauen kann und die einen wirklich zum Teil überraschen kann und von der man auch ein bisschen was lernen kann. Und ich habe auch schon Mangas gesehen, die eher im frankobelgischen Stil gemacht waren. Es gibt da viele Artbooks, die wirklich mit Aquarell durchgearbeitet waren, die sehr frankobelgisch aussehen. Also ich würde da gar nicht so gerne trennen. Das ist so wie die alte Trennung: Die Marvelszene und dann die alten Comicfans, das waren die Wäscher-Fans und da war da auch so ein bisschen eine Feindschaft und man hat sich abgegrenzt. Aber eigentlich gehört das alles zusammen und man sollte sich das alles mal anschauen. Es hat alles Sachen, die sehr interessant sind, finde ich.

Bernd Glasstetter: Neben dem Comicfestival hast Du auch noch einen neuen Comic produziert: "Luzie aus der Hölle", der natürlich zum Comicfestival heraus kommt. Und der erscheint - man höre und staune - bei Schwarzer Turm Manga. Laska auf Mangawegen. Wie kam das zustande?

Gerhard Schlegel: Das war ganz lustig. Wir wollten vor acht Jahren bei Carlsen und Ehapa einen Manga anbieten. Wir dachten, wir werden reich damit und haben Auflagen wie Dragonball oder so was. Das war zu der Zeit, zu der der Mangahype losging. Wir haben uns dann mal beworben. Und der Georg Tempel hat dann gleich seinen Taschenrechner raus gezogen und hat uns vorgerechnet, wie viel wir dann pro Kopf verdienen an diesem Comic, bei der Auflage, wenn die sich verkauft und dann haben wir das wieder sein lassen, weil wir das zeitlich einfach nicht geschafft haben. Kurz darauf haben wir den Dirk Schulz kennen gelernt. Der hat das Magic Attack für den Carlsen Verlag so ein bisschen gemacht und der hat den ersten "Luzie aus der Hölle"-Comic, den wir selber in unserem Tentakel-Verlag verlegt haben, gesehen. Und er hat dann gesagt: Ja das hat so einen leichte Mangatouch, aber das könnte man auch so bringen. Das passt zu Sky Doll, so was hätte ich gerne in dem Magic Attack, was ja eigentlich ein Fantasy- und frankobelgisches Magazin war. Und so sind wir da beim Carlsen-Verlag in das Magazin jeden Monat rein gekommen. Und das wurde ja dann eingestellt und zwei Monate später hat uns der Aschenbrenner-Verlag angerufen. Die haben im Prinzip ein Plagiat von dem Geo-Magazin gemacht und das hieß Neox. Da haben wir dann jeden Monat vier Seiten "Luzie aus der Hölle" gemacht und einen Zeichenkurs. Und da haben sich einfach vierzig Seiten angesammelt bis das dann auch wieder eingestellt wurde. Und diese Seiten, die wir da vor zwei, drei Jahren gemacht haben, die sind in diesem Band zusammen gefasst mit noch ein bisschen Bonusmaterial und einem neuen Abschluss. Also es ist kein nagelneues Material. Da hatten wir auch in der letzten Zeit keine Zeit, weil ich bin ja wirklich schon seit einem dreiviertel Jahr sehr stark mit dem Festival beschäftigt. Und von daher haben wir diese fertigen Sachen, die in der Schublade waren einfach raus genommen, ein bisschen aufgemöbelt mit einem neuen Cover und das mal zusammengefasst. Was ich sowieso mal wollte, weil es ist wirklich eine ganz nette Sache. Und ich hätte gerne eine Ausstellung damit gemacht. Aber dafür war einfach kein Platz mehr. Und ich musste dann entscheiden, Mawil oder wir und ich kann dann auch nicht bloß immer nur unser Zeug zeigen.

Bernd Glasstetter: Ich bedanke mich ganz herzlich für das Interview und freue mich auf das Comicfestival, von dem wir wieder live berichten werden.


Daten dieses Berichts
Download als MP3-Datei: Download - 6.75 MB (932 Downloads)
Direkt anhören:
Bericht vom: 25.05.2007 - 19:52
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
«« Der vorhergehende Bericht
Austellungen auf dem Comicfestival
Der nächste Bericht »»
Service für die Besucher