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Verleihung des Alternativen Max & Moritz Preises
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Lesende

Kommen wir nun zur diesjährigen Verleihung des alternativen Max und Moritz Preis, verliehen von den Zuschauern. Ohne viele Vorworte des Bürgermeisters oder sonstiger Moderatoren, die versuchen das Publikum in Stimmung zu bringen, schreiten wir zur Verleihung.

In der Kategorie "unpassende musikalische Untermalung" bitten wir die Band "Die Radierer" auf die Bühne. Ohne Mikrofon, danke. Redlich verdient habt Ihr Euch den Preis für Eure Texte, die leider auf Deutsch waren, so dass man sie verstehen konnte. Irgendwo zwischen nichtssagend, irritierend und langweilig habt Ihr Euer Programm zugegebenermaßen professionell abgespielt. Headman C. B. Bodenstein war auch redlich bemüht, sowas wie Stimmung in den Generationen "Laß-uns-drüber-reden" und "Golf" anzufeuern, hatte jedoch keinen Erfolg.

Kommen wir zu unserem nächsten Preisträger in der Kategorie "Überraschte Übersetzerin", er hat ja schon den Sonderpreis für sein herausragendes Lebenswerk erhalten: Jacques Tardi. Zu den drei einfachen Fragen des Moderators folgten zwar interessante, aber auch seeeeehr laaaaaange Antworten, die die Übersetzerin vor das Problem der Menge stellte. Die gute Dame hatte sich zwar einige Zwischennotizen gemacht, kam aber die ersten zwei Antwortviertelstunden ins Schwimmen angesichts der Informationsfülle. Ich möchte Ihnen ja nicht unterstellen, dass Sie sich sehr gerne selber reden hören, habe das aber durch diesen rhetorischen Kniff eh getan.

Es ist mir eine Ehre, als nächsten Preisträger des Alternativen M&Ms Jens F. Ehrenreich auf die virtuelle Bühne zu bitten. Ausgezeichnet für Jonas Blondal im Bereich "Bester Comic für Kinder" ebenfalls schon hoch dekoriert, ließen Sie Moderator und Jury wie ein Schiff auf Riff auflaufen. Mit nordisch-ruhigem Gemüt eines Leuchtturms in stürmischer Brandung und trocken-herbem Humor wie eine Jever nehmen Sie die Entscheidung der Preisverleiher auseinander, warum sie Ihnen ausgerechnet in dieser Kategorie den Preis verliehen haben. Nicht, dass der Preis unverdient wäre, ganz im Gegenteil, aber eine rauhe Geschichte ohne Happy End weckt allerdings Zweifel. Nichtsdestotrotz, meinen Alternativpreis für "Bescheidenheit, Analyse und Selbstkritik" geht überaus verdient an Sie.

Eigentlich sollte der Preis "Mit sechs Cartoons abräumen" an Ralph König gehen - wenn es diese Kategorie gäbe. Gibt es nicht, stattdessen erhält König den Alternativen M&M für "Beste Gottimitation des Abends". Herr König, Sie haben nicht nur Bescheidenheit bewiesen, als Sie sich wunderten, für Ihre Beiträge im Rahmen der Mohammedkarikaturen ausgezeichnet worden zu sein anstelle des Lebenswerks, sondern auch mit der Comicvorlesung Ihres Werkes "Moses holt von Gott die Gebote" (oder so ähnlich) einen, wenn nicht den Höhepunkt dieses sonst eher trockenen Abends gebracht. Das Publikum hat vergessen zu gähnen, reden, murren, sondern folgte aufmerksam und lachte sogar. Mit Keuchen, Schnaufen und tiefer Stimme brachten Sie uns nahe, was sich damals wirklich auf dem Berg Sinai zugetragen hat als Moses, Expeditionsleiter eines Häufchens Verirrter von Gott ein Zeichen (und besseres Aussehen) wollte, um seine Position gegenüber seinen Gefolgsleuten zu stärken. Man möchte mittlerweile das Wort Comedy nicht mehr in die Tastatur nehmen, abgenudelt und mißbraucht und vergewaltigt von allen möglichen und unmöglichen Fernsehshows, aber zurückgebracht auf die Wurzeln sicher treffend.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 18.06.2006 - 13:15
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Timo Dlugokinski-Thoma
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