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Max- und Moritz - In der Kürze liegt die Würze
Nein, die Max- und Moritz-Gala war alles Andere, nur nicht kurz. Zweieinhalb stunden, oder anders ausgedrückt: 150 Minuten. Von der gefühlten Dauer wollen wir da mal schon gar nicht sprechen. Zahlreiche Besucher verließen vorzeitig den Saal, andere flüchteten sich in die wohlige Wärme eines Minutenschlafes. Dass von deren Schnarchen nichts zu hören war, lag sicher auch an der Band "Die Radierer", aber auch an der ansonsten gut funktionierenden Beschallung.

Da Moderator Denis Scheck sich auf die Oscar-Verleihung berief, die drei Stunden lang geht, muß man aber auch sagen, dass diese einige Kategorien mehr hat, als der Max- und Moritzpreis. Aber sie dürfte wesentlich straffer organisiert sein. Eigentlich ist es nicht verständlich, warum sieben Kategorien in so langer Zeit verliehen werden müssen. Und dabei war die Verleihung an sich immer recht schnell vorbei. Jeder Kategorie wurden dabei rund fünf Minuten gegönnt. Doch dann kamen mehrfach Interviews dazu, das Längste Interview wurde dabei mit Jacques Tardi geführt, der einen kaum enden wollenden Redefluss mitbrachte und der ja dann auch noch übersetzt werden mußte. Satte 25 Minuten war alleine dieses Interview lang. Ein wenig kam man sich da wie in der Schule vor: Man lege viele Fakten vor und anschließend darf sie die Klasse wiederholen, um zu sehen, wer davon was im Kopf behalten hat. Tardi wurde anschließend mit Standing Ovations verabschiedet, die aber sicher zum Gleichen Teil seinem Werk galten, wie der Tatsache, dass die Veranstaltung endlich ihrem Ende entgegen ging. Und so hatte dann auch die Band das Problem, dass das abschliessende Lied sehr schnell vor leeren Rängen gespielt wurde.


Highlight des Abends war sicher die Performance von Ralf König, der seinen Comic "Gott" vortrug und für zahlreiche Lacher sorgte. Der mit dem Sonderpreis ausgezeichnete Künstler beschwerte sich ein wenig darüber, dass seine Arbeit lange Jahre von der Jury nicht gesehen wurde und dann - nur wegen seiner Stellungnahme in Bezug auf den Karikaturenstreit - auf einmal ein Sonderpreis dabei heraus kam.

Die Band "Die Radierer" war anfangs sicher nicht schlecht gewählt, hatte aber im weiteren Verlauf des Abends einfach zu viele Lieder anzubieten und war damit mit verantwortlich dafür, dass sich die Veranstaltung dermassen in die Länge zog.

Der Max- und Moritzpreis ist eine Institution, aber mit einer zum Teil zu kopflastigen und langatmigen Moderation, viel zu vielen Pausen und elend langen Interviews, wurde der Samstag abend für jeden der Anwesenden zu einer Geduldsprobe. Wie gut, dass sich dabei Gipi, einer der Preisträger, eine geschickte Ausrede für sein direktes Verschwinden von der Bühne einfallen lassen konnte: Als Italiener wollte er freilich das Spiel seiner Azzuri weiter verfolgen, die am gestrigen Abend leider nur 1:1 spielten. Er brachte im Übrigen den Moderator heftig ins Schwitzen, in dem er dessem Traum vom "Dolce Far Niente" in Italien eine heftige Abfuhr erteilte. Viele Legenden, die sich um Italien ranken, sind eben einfach nur unwahr und in Deutschland hält sich erstaunlicherweise noch immer die Legende vom paradiesischen Italien. Das existiert aber leider nur in den Träumen der Ausländer.

Wir werden einige Zeit brauchen, um den Film über die Gala zu erstellen, da wir insgesamt mit drei Kameras gefilmt haben und zum Einen siebeneinhalb Stunden an Material überspielen, aber dieses dann auch sichten und schneiden müssen. Hinzu kommt noch eine separate Tonspur. So schnell, wie sonst bei allen anderen Veranstaltungen, wird das nicht gehen. Das Überspielen werden wir erst in den kommenden Tagen bewerkstelligen können.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 18.06.2006 - 09:36
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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