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Interview mit Stephan Hagenow
Stephan Hagenow ist irgendwie schon ein Mitglied der Splashfamilie und vermutlich einer der Autoren, die wir am Meisten interviewt haben. Auf Splashcomics veröffentlichen wir seine Piccolo-Serie "Einar der Wikinger". Und seinen neuesten Comic "Titan" könnt Ihr in unserem Shop erwerben, was ein Novum darstellt, da wir dort bisher nur den Comickeeper angeboten haben.

Jetzt wollten wir einfach noch einmal ein Interview mit ihm führen und ein bisschen hinter die Kulissen von "Titan" blicken. Das Interview erscheint im Rahmen der Comicsalon-Berichterstattung, da wir ursprünglich ihn in Erlangen treffen wollten. Aber Stephan zeichnet dort wie immer den ganzen Tag am Gringo Comics-Stand und wir wollten ihn dabei nicht stören. Daher wurde das Interview kurz vorher per E-Mail geführt.

Splashcomics: Titan ist ja in jeder Hinsicht ungewöhnlich als Comicprojekt. Es wird nicht durch einen großen Verlag veröffentlicht, sondern erscheint beim Blitz Verlag, der auch die Romane herausbringt. Die Auflage ist mit 999 Exemplaren limitiert und doch ist der Preis bei einem Seitenumfang von 120 Comicseiten mit 9,95 € sehr moderat gehalten. Und dann wird der Comic auch noch von einem deutschen Zeichner gezeichnet, ist also eine Eigenproduktion. Wie bist Du eigentlich zu diesem Projekt gekommen?

Stephan Hagenow: Zu grossem Dank bin ich dem Peter Gassen vom Treffer verpflichtet (für den ich ja ab dem nächsten heft immer 10 seiten "haku' - der fremdenlegionär" in Cliffhangerform beisteuere). Der Verleger vom Blitz Verlag hat einen produktiven Zeichner für das Titan-Projekt gesucht und Peter gefragt. Und als Peter das wort "produktiv" hörte, fielen ihm nur zwei Namen ein. Der eine war Hansrudi Wäscher und der andere war ich, Grins. Für mich war das mal wieder ein Sprung ins kalte Wasser, da ich vorher von Titan überhaupt nix wußte. Ich mußte mich also auf mein Gefühl verlassen und stark aus dem Bauch arbeiten. Besonders die Figur "Sir Klakkarakk" wurde durch seine vielen Gliedmassen zu einer grossen
Herausforderung an der ich lange getüftelt habe. Die Vorzeichnungen für die 120 Seiten hab ich dann in weniger als 4 Wochen mit Text beim Verlag abgeliefert und alle waren sehr angetan. Die gedruckte Endfassung setzte dann nochmal einen drauf. Ich bin wirklich sehr zufrieden mit dieser Veröffentlichung. Das Schönste aber ist, dass sofort nach Ablieferung der Seiten der Comic in die Druckerei wanderte und spätestens 4 Wochen später auf dem tisch lag. Bei Alpha damals zum Beispiel, mußte ich ein Jahr warten bis Rattenfalle veröffentlicht wurde. Das war der reinste Alptraum und spricht auch heute noch für die Unprofessionalität diverser Großverlage.

Splashcomics: Titan ist im Roman sehr stark auf Dialoge ausgelegt, Action ist da weniger zu sehen. Wie kommst Du als Actionzeichner damit zurecht?

Stephan Hagenow: Das erfordert eine gewisse Umstellung ...ist aber auch gleichzeitig eine völlig neue Herausforderung für mich, da ich hier erstmalig mit einem Fremdautoren zusammenarbeite. Im Verlauf der Romanstory ändert sich das Tempo aber und es gibt auch mehr dramatische Action, was mir natürlich entgegenkommt. Zudem ähnelt der Schreibstil von Parzzival streckenweise sehr stark meinem Eigenen, zumindest was die härteren Szenen betrifft.
Wir wollen natürlich viele Bücher verkaufen. Aufgrund des hohen Erotik-Anteils ist das aus meiner Sicht auch realistisch. Zudem könnten die sehr fimininen Heldinnen auch ein weibliches Publikum ansprechen.

Splashcomics: Was genau machst Du bei Titan und was machen Andere?

Stephan Hagenow: Ich bin bei Titan für die Zeichnungen zuständig und entwerfe vorher das Comicskript. Das heißt, ich arbeite den kompletten Roman in Comicform um und muß entscheiden wo ich kürze, strecke und was letztendlich ganz unter den Tisch fällt, was nicht immer ganz einfach ist.
Dann fertige ich die Vorzeichnungen mit den Dialogen an und halte Absprache mit dem Autor. Nach Absegnung gibt es kleine Korrekturen und dann werden die Zeichnungen von mir getuscht.
Unterstützt werd ich tatkräftig von Holger Bommer, der Lettering + Graustufen übernimmt und auch die Schwarzflächen füllt, damit ich zügiger arbeiten kann.
Holger ist brilliant, da er meine Gedanken lesen kann, ohne dass ich ihm groß was erklären muß. Das spart eine Menge Zeit und ich schaffe somit alle 2 Monate 1 Buch.

Splashcomics: Vor kurzem haben wir erfahren, dass die schweizer Comichändler Deine Serie "Rattenmeute" nicht führen wollen. Was hat es damit auf sich?

Stephan Hagenow: Ja, was ist bloß mit den schweizer Käsefüssen los? Grins. Angeblich boykottieren diverse Schweizer Händler die Serie wegen übertriebener Härte. Scheinbar haben die nicht begriffen, dass Rattenmeute pure Satire ist und meine für mich wichtigste Serie. In Band 4 hab ich endlich Gelegenheit mit George Bush abzurechnen. Das war mir ein ganz persönliches Anliegen. Somit ist der Band vom Humor her auch extrem gallig geworden. Ich liebe diese Serie. 100% Hagenow pur ohne faule Kompromisse.

Splashcomics: Ist Deutschland ein schwieriges Pflaster für Zeichner, oder können Zeichner gut von ihren Einnahmen leben?


Stephan Hagenow: Eine Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist, da das vom Einzelfall der Künstler abhängig ist. Das heißt zum Beispiel wie wichtig ist dem Künstler seine Arbeit? Es ist ja nicht jeder Künstler so kompromisslos wie ich. Manche hätten auch noch gern sowas wie ein Privatleben oder eine Familie. Mir war sowas immer egal. Ich war immer ein Freak, dem seine Arbeit alles bedeutet und voll darin aufgeht. Ich werde mit dem Stift in der Hand sterben. Aber bis dahin möchte ich noch mindestens
100 000 Seiten zu Papier bringen. Mit Holgers hilfe ist das möglich .
Die Fans wissen das und Schultheiss hatte schon damals gesagt: Wenn hier einer für eine richtige Sensation im Land sorgen kann, dann Hagenow der Underdog. Der hat den nötigen Biss und gibt nie einen Kampf verloren. Diese Einstellung hat mir in den vergangenen Jahren in der Leserschaft viele Sympathien eingebracht.

Splashcomics: Was sind Deine Pläne für die Zukunft, was werden wir bald von Dir lesen können?

Stephan Hagenow: Holger und ich sind perfekt aufeinander eingespielt und es ist Einiges in Planung. Zum Einen noch eine zweite Serie für den Blitz-Verlag (diesmal Horror - also für mich heimische Gefilde) und auch neue Sachen bei Gringo. Wir wollen uns hauptsächlich auf DIN A 5-Bücher konzentrieren. Was ich da unbedingt starten will ist mein maskierter, düsterer Held "der Berserker" der auf Punisher-Art zur Sache geht. Diese politisch unkorrekte figur wird mir bestimmt viel Spass machen und den Lesern natürlich auch. Auf jeden fall werden von mir ab jetzt 6 bücher pro jahr erscheinen, mit was auch immer.

Daten dieses Berichts
Bericht vom: 12.06.2006 - 21:19
Kategorie: Interviews
Autor dieses Berichts: Bernd Glasstetter
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