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Der Zeichner als „Marke“ – eine Gesprächsrunde
Soll man sich als Zeichner zur „Marke“ machen? Oder sollte lieber das eigentliche Werk, also der Comic, als Marke angesehen werden? Was sind Vor- und Nachteile der Social Media für Zeichner? Diesen Fragen wurde in der Gesprächsrunde mit Salamandra, Melanie Schober (Mangaka bei Carlsen), Eve Jay (Comic Solidarity) und Beatrice Tavares (Chefredakteurin bei Tokyopop) nachgegangen.

Als „Marke“ ist hier nicht unbedingt einfach ein wiedererkennbares Zeichen, wie ein Name oder Logo, oder ein Symbol für etwas gemeint. Als Künstler steht man als Marke beispielsweise für eine gewisse Optik, einen gewissen Humor, ein einheitliches Bild – dann kann man von einer erfolgreichen Marke sprechen, findet Melanie Schober. Besonders wichtig ist in dem Zusammenhang, dass das Bild, welches von sich gezeigt wird, authentisch wirkt. Das kann aber auch schnell übertrieben wirken: Sie erzählt, dass sie sich aus persönlichen Gründen ihre Haare rosa gefärbt hat und dann von einem anderen Zeichner gefragt wurde, ob sie damit ihre Marke stärken wolle …

Aus Verlagssicht spielen viele Dinge mit rein in die Marke. Es gibt Zeichner die sich als Marke etabliert haben, weil sie immer bestimmte Sticker oder bestimmte Klamotten tragen; es gibt den Zeichenstil; andere Zeichner haben einen anderen Wiedererkennungswert auch wenn sich der Zeichenstil ändert… eine gute Marke ist auch hier, wenn jemand authentisch ist. Wenn gewisse Dinge bestimmten Zeichnern übergestülpt werden, kann das auf Dauer nicht gut funktionieren. Andererseits kann es manchmal auch gut sein, als Zeichner keine Marke zu sein: So wurden bei Tokyopop einige Titel gar nicht als Eigenproduktion betitelt, weil die Zeichner auch keine Deutschen und somit hier unbekannt sind. Dies hat allerdings vor allem damit zu tun, dass Buchhändlern Wiedererkennungswert und Konsistenz wichtig sei.

Bei der Comic Solidarity ist zwar das Künstlerkollektiv die Marke. Bei Signierstunden werden die Zeichner aber ermutigt zu denken, „ich bin hier, ich bin der Zugang zu diesem Werk“ und nicht völlig in der Masse aufzugehen, wenn man so will. Man darf aber natürlich auch als bereits etablierter Künstler noch zur Comic Solidarity kommen. Sie sind dort offen für alle und haben auch einen Beauftragten für Inklusion, Barrierefreiheit, und Blindencomics, erzählt Eve Jay.

Aber wie wird man denn nun als Zeichner zur Marke? Nehmen wir Melanie Schober: Für sie war es eine bewusste Entscheidung. Als sie angefangen hat zu zeichnen, wäre sie gern eine Marke gewesen. Sie hat ihr Potenzial gespürt, erzählte sie, konnte es aber nicht nutzen, weil sie immer schüchtern war. Schließlich hat sie angefangen, an sich zu arbeiten und tatsächlich eine Marke aus sich zu machen. Dafür hat sie geübt, den Leuten immer in die Augen zu sehen, und sie hat sich ihren Pony gefärbt, quasi als Wiedererkennungswert. Als Zeichner kommuniziert sie über ihre Zeichnungen, aber ihre Arbeit profitiert davon, wenn Menschen zu ihr kommen und ihr Feedback geben. Darum hat sie angefangen auch Twitter zu nutzen, um erreichbar zu sein und sich eine Fanbase aufzubauen. Durch bewusste Arbeit an sich selbst hat sie zusätzlich dafür gesorgt, nicht so schnell vergessen zu werden. Schober wünscht sich, dass die Verlage die Zeichner wenn nötig dabei unterstützen würden, aus sich eine Marke zu machen, sie weiß aber auch, dass die eigentliche Pflicht des Verlags ist, die Bücher zu promoten und nicht so sehr, die Zeichner aufzubauen.

Für Eve Jay ist es wichtig, sich zu bemühen keinen Egoismus zu entwickeln, wenn man eine Marke erschafft. Im Zeitalter der Selbstoptimierung soll man trotzdem authentisch bleiben und keine Maske entwickeln, die man sich überstülpt.

Man könnte also sagen, eine gute Marke sorgt für Publicity und somit für gute Verkaufszahlen. Trotzdem kann es passieren, dass man selbst als Marke von einem Verlag abgewiesen wird, und das ist auch in der Vergangenheit etwa bei Tokyopop passiert. Allerdings lag es da nicht an der Marke an sich, sondern weil die benutzen Social Media die Gefahr in sich bergen, dass der Zeichner zu viel von sich preisgibt. Dann muss der Verlag prüfen ob die dort propagierte Einstellung des Zeichners zum Verlag (als Arbeitgeber) passt. Bevor sie sich also „Drama ins Haus holen“, sagt Beatrice Tavares, sagen sie im Zweifel lieber ab, oder suchen das Gespräch um die Differenzen zu klären. Dies hat aber nicht nur mit Profitdenken zu tun, sondern auch mit Fairness dem Zeichner gegenüber, sagt sie, um bei diesem keine falsche Erwartungshaltung zu schüren.

Wie baut Tokyopop eine Marke auf? Beatrice Tavares erzählt, dass sie gern nutzen, was schon vorhanden ist, und dass sie versuchen, Synergien zu bilden. Allerdings haben sie auch nur begrenzte Kapazitäten. Buchhändler haben es gern schön homogen, und die Bücher sollen sich so gut wie möglich verkaufen. Dafür gibt es Events, Lesungen und Signierstunden. Um aber eine begleitende Social Media-Arbeit zu leisten, haben die Verlagen nicht genug Kapazitäten. Darum kann es leider auch vorkommen, dass Gratis-Werbung mal liegen bleibt, etwa wenn ein Künstler etwas auf seinen Kanälen hochlädt und den Verlag verlinkt, dieser das Ganze aber zum Beispiel nicht liked oder teilt.

Social Media sind also in der Schaffung einer Marke von großer Hilfe. In der Regel präsentiert man dort eine Synergie aus sich selbst und seinem Werk. Aber irgendwann kommt man an den Punkt, wo man seine Privatsphäre und sein Werk schützen muss. Darum empfehlen die Gesprächsteilnehmer, einen öffentlichen und einen privaten Account zu nutzen. Viele Zeichner haben zwei getrennte Channels, denn es ist nicht gut, alles über sich zu verraten, weil es eben auch gegen einen verwendet werden kann. Und dann ist da ja noch die Vorbildfunktion. Melanie Schober findet, dass sie auch eine gewisse Verantwortung ihren Fans gegenüber hat. Sie motiviert sie und versucht, immer positiv zu wirken, und dazu gehört auch, es nicht raushängen zu lassen wenn sie mal einen schlechten Tag hat. Sie spürt eine gewisse soziale Verantwortung: Ihre Fans sind relativ jung und sie will ihnen ein moralisches Vorbild sein. Also gehört es auch zur Marke dazu, gewisse Dinge rauszuhalten.



Daten dieses Berichts
Bericht vom: 17.06.2018 - 16:50
Kategorie: Tagebuch
Autor dieses Berichts: Skrollan Kannengieer
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